Braunschweig (sb) "Traut euch zu, gegen den Strich zu denken!" Mit dieser eindringlichen Aufforderung wandte sich der Bundesvorsitzende der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), Hans Pappenheim, an die Teilnehmer der Diözesanversammlung im Pfarrheim der St.-Cyriakus-Gemeinde in Braunschweig. Pappenheim ging in seinem Grundsatzreferat zum Tagesthema "Die Zeichen der Zeit erkennen Arbeit und Leben neu gestalten" auf die Gefahr der zunehmenden Verwirtschaftlichung aller Lebensbereiche ein.
"Die Erwerbsarbeit ist zu einer neuen Religion geworden", stellte Pappenheim fest. "Selbst das Familienleben wird von ihr bestimmt." Daher müsse gerade der Sonntag unbedingt ein arbeitsfreier Tag bleiben, um die sozialen Kontakte in Familie und Freundeskreis "wenigstens an diesem Tag" zu schützen. Der sonntägliche Gottesdienst könne dann als Ausdruck sozialer Freiheit verstanden werden, so Pappenheim.
Auf der anderen Seite könne die Erwerbsarbeit aber nicht mehr die einzige Antwort auf die wachsende Arbeitslosigkeit sein. Selbst das Ziel einer Halbierung der Arbeitslosenzahlen sei in weite Ferne gerückt, stellte der Bundesvorsitzende der KAB fest. Vor allem durch die zunehmend rasantere Entwicklung moderner Kommunikationstechniken müss-ten nicht nur immer mehr Menschen ihren Arbeitsplatz an einen Computer abtreten. Auch die Nationalstaaten verlören im Zuge der Globalisierung zunehmend an Bedeutung. Allerdings könne der Weg zurück zur "unmenschlichen Fließbandarbeit als moderner Form der Sklaverei" nicht die Lösung der Probleme sein.
"Wir erleben gegenwärtig den Übergang in eine neue Gesellschaft mit allen Risiken des Zwischenstadiums. Dies führt zu Perspektivlosigkeit und Angst bei den Menschen", betonte Pappenheim. Zugleich versuchte der Vorsitzende der KAB, den Teilnehmern der Diözesanversammlung Mut zur gesellschaftlichen Veränderung zu machen: "Schon die biblische Schöpfungsgeschichte beweist, dass aus dem Chaos Ordnung entsteht." So dürften die Menschen die Lösung der Probleme nicht nur den Politikern "da oben" überlassen, sondern müssten selbst an der Gestaltung eines "neuen Gesellschaftsvertrags" teilnehmen. Als Ziele nannte Pappenheim: Arbeitszeitverkürzungen und -teilungen; Arbeitszeiten, die sich besser mit dem Familienleben vereinbaren lassen sowie eine gerechte Grundsicherung für alle. Der KAB traut er das nötige Potenzial für Verbesserungen zu, auch wenn der Weg dahin nicht einfach sei: "Denn die KAB ist gelebte Bürgergesellschaft und als Verband Ausdruck von Demokratie und Freiheit."
Die KAB hat eine Aktionsmappe herausgegeben, die die Bedeutung des Sonntags als freien Tag unterstreicht. "Unbezahlbar Der Sonntag" stellt rechtliche Grundlagen, Ausnahmen und Hintergründe der Sonntagsarbeit dar. Neben den Diözesanverbänden aus Hildesheim und Osnabrück ist der KAB-Bezirksverband Oldenburg beteiligt sowie die Gewerkschaft Handel Banken und Versicherungen Niedersachsen/Bremen.
Die KAB ruft jeden Einzelnen auf, sich öffentlich gegen die Arbeit am Sonntag auszusprechen. Dazu enthält die Mappe Aktionsvorschläge. Zum Beispiel Argumentationshilfen, Ideen für Briefe an Politiker oder Anzeigen in Zeitungen, einen Predigt-Vorschlag und vieles mehr. KAB-Diözesan-Sekretär Bruno Behr. "Wir wollen die inhaltliche Diskussion anregen."
24 Familien haben kürzlich während einer KAB-Seminarfreizeit bereits eine Resolution verfasst für den arbeitsfreien Sonntag: "Stoppt den Missbrauch des Grundgesetzes!".
Infos und die Mappe gibt es im Diözesan-Büro der KAB, Domhof 15, 31134 Hildesheim, Telefon (0 51 21) 30 74 46.aktion