Kirche soll Museum werden

Uetze-Eltze (Dekanat Peine): Kirche St. Petrus wird aufgegeben

 

Uetze-Eltze (wal) ­ Die letzte Heilige Messe in St. Petrus in Uetze-Eltze ­ an diesem Sonntag versammeln sich zum letzten Mal die Gläubigen der zur Edemissener Gemeinde Corpus Christi inm Dekanat Peine gehörenden Kirche um den Tisch des Herrn. "Es soll keine Trauerfeier werden", betont Pfarrer Konrad Sindermann, der Peiner Dechant, "sondern wir wollen Dank sagen für vier Jahrzehnte Haus Gottes unter den Menschen".

Natürlich weiß Dechant Sindermann, dass es den Eltzer Katholiken alles andere als leicht fällt, sich von ,ihrer' Kirche zu verabschieden. Schließlich gehören noch einige Männer und Frauen zur Gemeinde, die selbst mit Hand angelegt haben, als vor genau 41 Jahren der Bau der Kirche begann. 1958 wurde das Grundstück gekauft, am 3. Juni 1959 wurde das Fundament gelegt. Am 15. November des gleichen Jahres erfolgte die Benediktion auf den Titel "St. Petrus" durch den damaligen Diözesanbischof Heinrich Maria Janssen. 40 Jahre und sieben Tage später wird sie nun durch Bischof Dr. Josef Homeyer nach Rücksprache mit dem Priesterrat "profanem, aber nicht unwürdigem Gebrauch zurückgegeben", wie es im Codex des kanonischen Rechtes heißt (siehe Kasten).

"Es ist schon eine komische Situation", sagt Dechant Sindermann, "eigentlich hätten wir 40-jähriges Kirchweihfest feiern können." Aber die Wirklichkeit sei eine andere. Immer weniger Mitglieder zähle die Gemeinde ­ und immer weniger Gläubige seien zum Gottesdienst gekommen. Und keine Aussicht auf Zuwachs: "Das hat mit der Geschichte der Kirche zu tun", betont der Geistliche. St. Petrus sei gegründet worden, um die vielen katholischen Ostvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg, die im nördlichen Teil des Landkreises Peine eine neue Heimat gefunden hatten, seelsorgerisch zu betreuen. Doch heute, listet Dechant Sindermann weiter auf, zögen die jungen Leute weg, so- dass die Gemeinde schrumpfe. Zuletzt war in der Kirche St. Pet-rus nur noch alle 14 Tage am Sonnabend eine Heilige Messe gefeiert worden.

Etwas leichter werde der Abschied wohl, weil für die Kirche eine durchaus würdige Nachnutzung in Sicht ist, betont der Seelsorger. Es gebe Verhandlungen mit dem Heimatverein Uetze-Eltze. Der Verein möchte das Grundstück mit Kirche und kleinem Anbau kaufen, um dort heimatgeschichtliche Objekte auszustellen. Für Sindermann eine "würdige Nachnutzung".

 

Kanonisches Recht

Was sagt das katholische Kirchenrecht zur Aufgabe einer Kirche? Kann ein Gotteshaus einfach so dicht gemacht werden? Im Codex des kanonischen Rechtes (CIC) ist die Aufgabe einer Kirche genau geregelt.

Unter Can 1222 (so die Abkürzung) finden sich die Paragraphen:

§ 1: Wenn eine Kirche in keiner Weise mehr zum Gottesdienst verwendet werden kann und keine Möglichkeit besteht, sie wiederherzustellen, kann sie vom Diözesanbischof profanem, aber nicht unwürdigem Gebrauch zurückgegeben werden.

§ 2: Wo andere schwer wiegende Gründe es nahe legen, eine Kirche nicht mehr zum Gottesdienst zu verwenden, kann sie vom Diözesanbischof nach Anhören des Priesterrates profanem, aber nicht unwürdigem Gebrauch zurückgegeben werden, vorausgesetzt, dass diejenigen, die rechtmäßig Rechte an der Kirche beanspruchen, zustimmen und das Heil der Seelen dadurch keinen Schaden nimmt.
(Quelle: Codex des kanonischen Rechtes, S. 535)

 

Archiv November 1999