Celle (jg) Tratsch im Treppenhaus ein Erfolgsstück des Hamburger Ohnsorg-Theaters. Mitten aus dem Leben gegriffen. Und zur Zeit zu sehen in der St.-Hedwig-Gemeinde in Celle. Schon zweimal war das Gemeindehaus mit 122 Zuschauern ausverkauft. Acht Laien-Schauspieler bringen derzeit ihr Publikum zum Lachen mit dem Tratsch-Theater.
Da ziehen Mieter übereinander her, weil nicht regelmäßig der Flur geputzt wird oder Zimmer ohne Genehmigung untervermietet werden. Der Vermieter, ein Bäckermeister, will endlich wieder Ordnung in sein Haus bringen. Doch dabei stellt sich heraus, dass er einer allein stehenden Mieterin häufiger schon unsittliche Anträge gemacht hat.
Verantwortlich für das lustige Treiben auf der Bühne ist Pfarrer Christoph Müller, seit zwei Jahren Pfarrer in St. Hedwig. "Ich bin Fan des Ohnsorg-Theaters und wollte in meiner seinerzeit neuen Gemeinde gerne Theater spielen. ,Tratsch im Treppenhaus' eignet sich dafür hervorragend", erzählt Müller. "Ich habe einfach Leute in der Gemeinde angesprochen, ob sie mitmachen wollen und die Resonanz war groß."
Christine Wicke zum Beispiel hat nicht lange überlegt, ob sie die Frau Knoop spielen möchte. Die hat das Herz auf dem rechten Fleck und scheut sich im Stück nicht, den Nachbarn mal richtig die Meinung zu sagen. "Vor der Aufführung war ich dann doch sehr aufgeregt und fing richtig an zu glühen. Aber das gibt sich schnell. Man guckt übers Publikum rüber und gewöhnt sich an die vielen Menschen, vor denen man steht", sagt die 45-Jährige. Für sie ist es wichtig, dass sie in einer Komödie mitspielt: "Was Ernstes würde doch gar nicht ankommen."
Ähnliche Gedanken hegt auch ihr Mitspieler Wolfgang Siegusch: "Beim jährlichen Gemeindefest gab es immer Tanz, doch das Interesse daran hat in den letzten Jahren abgenommen. Vor allem junge Leute kommen nicht mehr. Unterhaltendes Theater ist dagegen ein Zugpferd. Damit erreichen wir auch wieder jüngere Gemeindemitglieder." Das Stück kommt der Gemeinde auch aus einem anderen Grund zugute: Der größte Teil des Eintritts wird für die Renovierung der Orgel gespendet (Erwachsene zahlen 15 Mark, Schüler zehn).
Die Laien-Schauspieler zählen alle "zum harten Kern" der St.-Hedwig-Gemeinde; sie sind auch in anderen Gruppen der Gemeinde aktiv. Die mehr als 20 Proben-Abende seit Jahresanfang haben sie klaglos auf sich genommen. Inzwischen sitzt der Text für das zweistündige Stück so sicher, dass Pfarrer Müller Spielleiter und Souffleut in einer Person während der Aufführung kaum etwas zu tun hat.
Er hat schon Pläne für ein neues Stück im kommenden Jahr. Was es werden soll, will er aber noch nicht verraten. In jedem Fall will der 37-jährige Seelsorger dann nicht nur Regie führen, sondern auch selber mitspielen. Auch neue Mitspieler haben sich nach der ersten Aufführung vom "Tratsch im Treppenhaus" schon angeboten. In St. Hedwig grassiert das Theaterfieber. Und es scheint sich auszubreiten...
Für die letzte Aufführung des Ohnsorg-Stücks am Samstag, 27. November, gibt es noch Karten im Gemeindebüro. Sie können bestellt werden unter Telefon (0 51 41) 4 22 04 (dienstags bis donnerstags zwischen 8.30 Uhr und 12.30 Uhr). Die Vorstellung beginnt um 19.30 Uhr (Marienwerder Allee).