Kinder der Heimstatt Röderhof bei Hildesheim nehmen am Projekt „b.kunst“ teil

„Malen ist das Schönste“

Malen verbindet – das Kunstprojekt „b.kunst“ des Deutschen Caritasverbandes will das beweisen. Sechs Jugendliche von der Heimstätte Röderhof machen mit.

 

Vanessa malt mit kräftigen Farbtönen an der sechs
Meter langen Papierbahn. Foto: Privat

Hildesheim (if). Endlich wieder malen! Dafür hat die 17-jährige Vanessa extra ihre Reittherapie-Stunde verschoben. Statt zum Zügel greift sie zu Pinsel und Farbrolle. Ihr Blick fliegt dabei über die Flaschen mit Temperafarben, ihre Auswahl fällt nur Sekunden später: orange, lila und pink. Sie nimmt die Flaschen und versucht die Farben in kleine Töpfchen umzufüllen. Doch ihre Kraft reicht nicht aus. Burkhard Aickele hilft. Der Hildesheimer Grafiker und Künstler gestaltet mit Vanessa und fünf weiteren Kindern eine sechs Meter lange Papierbahn.

Begegnung schaffen zwischen Menschen

Das fertige Gemälde werden sie am 27. Mai in der Hildesheimer Kirche St. Jakobi der Öffentlichkeit präsentieren und so eine Begegnung ermöglichen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung. Das ist ganz im Sinne der diesjährigen CaritasKampagne „Kein Mensch ist perfekt“, das Menschen mit Beeinträchtigungen gewidmet ist. Das „b.kunst“-Projekt ist Teil der Aktion. Ziel: Menschen mit und ohne Behinderung sollen gemeinsam ein Kunstwerk schaffen. Das Programm wurde bundesweit ausgeschrieben, elf Einrichtungen machen mit. „Wir sind der norddeutsche Vertreter“, sagt Martin Hartje stolz. Er ist Lehrer der Röderhofer St.-Franziskus-Schule, betreut mit Kollegin Brigitte Dammeier und Aickele die kleine Künstlergruppe.

Während die Kinder malen, erklärt Hartje den Namen: Das „b“ steht für Begriffe wie barrierefrei, bewegt, begeistert und bunt. „Das sieht man ja“, ergänzt er und zeigt auf das farbenfrohe Papier. Tiere, Häuser und bunte Flächen reihen sich aneinander.

Einfach drauflosmalen – ohne nachzudenken

Burghard Aickele zeichnet an einigen Stellen mit einem dicken Bleistift die Konturen nach und schwärmt dabei: „Sie haben keine Angst vor einem leeren Blatt. Sie denken nicht darüber nach, was und wie sie etwas tun, wie wir Normalos. Sie legen einfach los.“ Da kann es passieren, dass eine Wiese rot statt grün wird.

Nicht schlimm, denn hier gibt es kein Richtig oder Falsch. „Die Kinder sollen Spaß haben, so selbstständig wie möglich arbeiten und ihre Ideen verwirklichen“, betont Kunstpädagogin Brigitte Dammeier. Kreativität ist jedem Menschen gegeben, das war Aickele von Beginn des Projektes an klar. „Die Arbeit bereichert mich. Die Kinder geben mir ein Gefühl von Freiheit und Freude.“

 

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