Übersehen oder gar vergessen kann man(n) ihn eigentlich nicht: Der Valentinstag steht vor der Tür; Floristen und Werbebroschüren weisen überdeutlich drauf hin, nichts, was es nicht gibt, wird an diesem Tag auch in Herzform angeboten.
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| Blumen zu verschenken ist eine nette Geste – aber es muss zum Valentinstag nicht immer die Rose sein. Foto: Ulrike Schwerdtfeger |
In einigen Ländern gilt der 14. Februar als Tag der Liebenden. Valentin von Terni, ein christlicher Märtyrer, der im dritten Jahrhundert geboren wurde und wahrscheinlich 268 gestorben ist, wird mit diesem Datum in Verbindung gebracht. Doch mal ehrlich: Wer denkt schon an einen Heiligen, wenn er völlig überteuert den letzten Strauß langstieliger roter Rosen beim Blumenladen um die Ecke ergattert oder sich Gedanken über ein kitschiges Liebesgedicht macht, nur, weil ‚man(n)‘ es eben so macht?
Mit Blumen das Evangelium verkündet
Die Verbindung zwischen Blumen und dem heiligen Valentin ist gar nicht so abwegig: Um das Evangelium zu verkünden, soll der Bischof von Terni die Menschen im italienischen Umbrien auf der Straße angesprochen und ihnen Blumen aus seinem Klostergarten geschenkt haben. Eine andere Legende besagt, dass der Heilige frisch verliebte Paare getraut haben soll, denen dies offiziell verboten war; zur Trauung gratulierte er – mit Blumen.
Ob Schmuck, Süßigkeiten, Blumen oder andere Aufmerksamkeiten: Alles, was zur Routine wird, wirkt häufig sinnentleert. Wozu sich aus Gewohnheit an Dinge klammern, aus denen sich der Andere womöglich gar nichts macht? „Ich kann diesem Tag ganz und gar nichts abgewinnen“, sagt Ursula Seilmann. „Zum Glücklichsein brauche ich ihn nicht.“ Vor 23 Jahren heiratete sie ihren Mann Norbert. Seither haben die beiden auf Pflichtgeschenke zum Valentinstag verzichtet. „Anfangs dachte ich, meine Frau erwartet insgeheim vielleicht doch, dass ich mit einer Rose vor der Tür stehe oder doch zumindest an diesen Tag denke, weil es irgendwie dazu gehört“, erinnert sich Norbert Seilmann lächelnd.
Das Paar hat sich angewöhnt, auch im Familien-Alltag kleine Inseln zu schaffen für Zweisamkeit, ein paar kostbare Stunden ohne Kinder und ohne Termine; immer mal wieder überraschen sie sich gegenseitig mit Konzertkarten oder Essensgutscheinen, einem spontanen Stadtbummel mit Café-Besuch oder einer ‚Fahrt ins Blaue‘. „Erst neulich hat mir mein Mann selbst gemachte Pralinen geschenkt“, erzählt Ursula Seilmann stolz. „Es ist etwas anderes, ob man so etwas im Laden besorgt oder sich selbst eigens für den Anderen etwas einfallen lässt, das von Herzen kommt.“ Für die 51-Jährige geht es um kleine Gesten im Miteinander, um das Bemühen umeinander – unabhängig von bestimmten Jahrestagen wie dem Valentinstag.
„Nicht Sklaven von Erwartungen sein“
„Wir möchten uns nicht zu Sklaven irgendwelcher allgemeingültiger Erwartungshaltungen machen, mit denen wir nichts anfangen können“, stellt Norbert Seilmann klar. Er genießt es stattdessen, seine Frau auch nach vielen gemeinsamen Jahren noch „umhauen“ zu können – wie etwa mit selbst gemachten Pralinen.
Aus neueren Studien geht hervor, dass sich immer mehr Deutsche einfach nur Zeit mit dem Partner und vor allem Aufmerksamkeit wünschen. "Neben dem Kaufen nicht das Küssen vergessen", rät darum beispielsweise die Techniker Krankenkasse (TK) in Niedersachsen. Gute Gründe fürs Küssen gibt es zu Hauf: So macht es nicht nur Spaß, sondern hilft auch dabei, das Immunsystem zu stärken. Der Austausch von Viren und Bakterien beim Küssen wirkt ähnlich wie eine Impfung. Das Immunsystem lernt die fremden Mikroben kennen und ist so in Zukunft besser auf sie vorbereitet.
Küssen ist Balsam für die Seele
Der wohltuende seelische Effekt des Küssens ist zudem ein wahrer Stresskiller. "Beim Küssen wird das Glückshormon Serotonin freigesetzt - dieses ist nicht nur Balsam für die Seele, sondern wirkt sogar schmerzlindernd", erklärt Ulrike Fieback, Sprecherin der TK in Niedersachsen.
Küssen ist auch ein "Anti-Aging-Produkt" ohne Nebenwirkungen: "An einem leidenschaftlichen Kuss sind rund 38 Gesichtsmuskeln beteiligt. Mit diesem Training bleibt unsere Gesichtsmuskulatur straff und die Faltenbildung wird vermindert", so Fieback.
Auch für unsere Fitness und Herzgesundheit ist ein Kuss von Vorteil. So heißt es in einer Studie des Uniklinikums in Wien, dass regelmäßiges Küssen die Wahrscheinlichkeit von Herzerkrankungen reduziere und den LDL-Cholesterinwert senke. Darüber hinaus verbraucht ein inniger Kuss bis zu 20 Kalorien, ergänzt die TK.
Ulrike Schwerdtfeger/kiz
