Pilgern im Bistum (3): Der Jakobsweg führt 400 Kilometer durch die Lüneburger Heide

Alte Pfade zur inneren Einkehr

Die Heide mit ihren weiten Ebenen fordert den Wanderer heraus, mit ihrer spirituellen Atmosphäre aber auch den Beter. Beides verbindet der Jakobusweg miteinander. Auf rund 400 Kilometern führt er durch eine Kulturlandschaft, die arm ist an Menschen, aber reich an Sehenswürdigkeiten.

 (vr) Die Hektik des Alltags verschwindet ein paar Meter abseits der Straße. Ein schmaler Pfad, links daneben ein Bachlauf, rechts Wiese, ganz viel Wiese, weit entfernt ein paar Häuser mit roten Dächern. Ein Brombeerstrauch zerrt am Hosensaum, aber er hindert die Füße nur kurz. Es geht voran. Die Kieselsteine unter den Sohlen knirschen, der Wind bringt Eichenblätter zum Rascheln. Ansonsten Stille, Einsamkeit und weites, flaches Land.

Jahrhundertelang bot das Kloster Wienhausen PIlgern Unterkunft auf dem Weg nach Santiago de Compostela Lohnenswert ist ein Aufenthalt auch heute noch. Foto: Röpke
Jahrhundertelang bot das Kloster Wienhausen PIlgern Unterkunft auf dem Weg nach Santiago de Compostela Lohnenswert ist ein Aufenthalt auch heute noch. Foto: Röpke

Dass die Landschaft um Eschede in der Südheide zu den am dünnsten besiedelten Regionen Deutschlands gehören soll, glaubt man gern, wenn man auf dem Jakobusweg Lüneburger Heide unterwegs ist. Auf dem Gang zur inneren Einkehr gibt es keine Störenfriede, aber viele Sehenswürdigkeiten. Rund 400 Kilometer lang ist das Wegenetz. Es beginnt in Hittfeld und führt quer durch die Lüneburger Heide nach Soltau. Von dort führen zwei Routen bis zum  Kloster Mariensee im Norden von Hannover: durch das Aller-Leine-Tal oder durch die Region Celle über Hermannsburg, Eschede und Winsen.

Ein beliebter Anlaufpunkt für Pilger ist auf dieser Route das um 1225 gegründete ehemalige Zisterzienserinnenkloster Wienhausen bei Celle. Ein Pilgersaal direkt unter dem Nonnenchor bot Ankömmlingen jahrhundertelang Unterkunft. Heute ist das nicht mehr möglich. Kein Grund, das Kloster links liegen zu lassen. Der doppelgeschossige Kreuzgang im Stil der Backsteingotik ist nämlich eine Seltenheit. Gleiches gilt für die gotischen Bildteppiche oder die Nietbrillen aus dem 14. Jahrhundert. Sie sollen zu den ältesten erhaltenen Brillen der Welt zählen und sind im
Klostermuseum zu besichtigen.

Gestärkt in den Alltag zurückkehren

Barbara und Eberhard Walther kennen die Kostbarkeiten des Klos-ters gut. Regelmäßig besuchen sie mit Pilger-Gemeinschaften Wien­hausen, zeigen ihnen die blühende Heidelandschaft rund um Hermannsburg oder besichtigen mit ihnen die St.-Lamberti-Kirche in Bergen. Menschen für das Pilgern zu begeistern, das ist ihre Mission, seit sie anlässlich ihrer Silberhochzeit vor neun Jahren nach Santiago de Compostela marschiert sind. In Bayern ließen sich die Eheleute aus Verden zu zertifizierten Pilgerweg-Begleitern ausbilden.

„Wenn nichts mehr geht, dann geh!“: Für Barbara Walther ist Pilgern die Suche nach dem mitunter aus dem Blick geratenen Sinn des Lebens und eine Möglichkeit, Gott wiederzufinden. Wer den Weg gegangen ist, soll gestärkt in den Alltag zurückkehren.

Engagierte Privatleute wie der Unternehmer Frank Farthmann aus Soltau sowie Kommunen, Kirchen und der Naturpark Lüneburger Heide arbeiten mit Sponsorenhilfe am Vorhaben, das Wegenetz vollständig mit der gelben Jakobusmuschel auszuschildern. In den Kreisen Harburg
und Soltau-Fallingbostel ist das bisher nicht überall der Fall. Auch eine detaillierte Karte aller Pfade fehlt noch, und es könnte mehr geeignete Unterkünfte für die Wandernden geben.

Pilgern findet guten Anklang

Ein gestiegenes Interesse am Pilgern in der Lüneburger Heide ist aber schon jetzt bemerkbar. Bärbel Horn vom Kloster Wienhausen berichtet, dass hin und wieder ganze Gruppen kämen, um eine Führung durch den seit der Reformation evangelischen Konvent zu machen. Carola Hiestermann vom Ludwig-Harms-Haus, einer Pilgerherberge in Hermannsburg, sagt: „Pilgern findet einen guten Anklang. Immer wieder kommen Leute, die sich einen Stempel für ihren Pilgerpass abholen.“ Rund 60 pilgernde Übernachtungsgäste kommen in den Sommermonaten. „Das war vor ein paar Jahren noch nicht der Fall“, so Hiestermann.

Information und Service:

www.jakobusweg-regioncelle.de: Hier informiert ein PDF-Flyer über den Streckenverlauf und seine Sehenswürdigkeiten. Dort werden auch die Streckenverläufe von Teilstücken in der Region Celle beschrieben, die in der Regel an einem Tag bewältigt werden können. Außerdem informiert der Flyer über Pilger-Herbergen, Stempelstellen sowie Kirchen und Klöster in der Region Celle

www.pilgern-norddeutschland.de: Barbara und Eberhard Walther, bieten begleitete Pilger-Touren an

Kontakt: Pilgerbüro Lüneburger Heide, Am Sandberg 2, 29614 Soltau, E-Mail: pilger@jakobusweg-lueneburger-heide.de, geöffnet donnerstags von 17 bis 19 Uhr.