So nutzt Kirche das Internet

Gottesdienst direkt im Wohnzimmer

Die digitale Welt kann für die Kirche vor Ort ein nützliches Werkzeug sein. Das Internet ermöglicht Kranken den Gottesdienstbesuch, die den Weg in die Kirche nicht mehr schaffen. Es macht die Verwaltung einer Großgemeinde effizienter. Und es bietet Seelsorgern die Chance, unmittelbar mit Gläubigen ins Gespräch zu kommen. Drei Beispiele aus der Praxis.

Vielfältig, abwechslungsreich und informativ: Die Kirche präsentiert ihr Angebot auch im Internet auf unterschiedliche Art. Doch die Möglichkeiten im weltweiten Datennetz erleichtern auch die Arbeit der Gemeinden und ermöglichen Kontakte zu Kirchenfernen.

Ein Knopfdruck auf einen kleinen Computer in der Sakristei reicht aus, um die Gemeinde St. Georg in Hopsten in die unendlichen Weiten des Internets zu bringen. Denn dann beginnt eine Kamera, die an der Brüstung der Orgel befestigt ist, mit der Live-Übertragung des Gottesdienstes ins weltweite Datennetz. Sendetermine sind jeweils mittwochs um 18.30 Uhr und sonntags um 10 Uhr.

Verbundenheit mit der Ortsgemeinde fördern

„Damit können sich auch die Hopstener, die weltweit verstreut leben, ein bisschen Heimat ins Wohnzimmer holen“, sagt Pfarrer Johannes Söntgerath. Dies sei aber nur ein netter Nebeneffekt des kirchlichen Internet-Fernsehens, meint Söntgerath und nennt den Hauptgrund für die Übertragung ins Netz: „Wir wollen erreichen, dass unsere älteren und kranken Gemeindemitglieder, für die der Weg in die Kirche zu beschwerlich ist, trotzdem an unseren Messen teilnehmen können.“

TV-Übertragungen von Gottesdiensten aus anderen Städten könnten die Eucharistiefeier in der eigenen Gemeinde nicht ersetzen, weil ihnen die Vertrautheit der Pfarrkirche vor Ort fehle. Der Pfarrer hofft auch, dass Menschen, die sich von der Kirche entfernt haben, über die Internet-Messe vielleicht einen Weg finden, sich ihrer Gemeinde wieder anzunähern.

Die Kosten für die Anschaffung und Installation der Übertragungstechnik lagen bei etwa 3000 Euro, sagt Söntgerath. Für die Nutzung der Leitung verlange der Telefonanbieter 40 Euro pro Monat. „Es ist nicht so teuer, wie ich befürchtet hatte. Und wir haben seit dem Start der Übertragungen am ersten Advent viele positive Rückmeldungen bekommen“, so der Pfarrer. Seines Wissens sei die Gemeinde mit diesem Angebot Vorreiter im Bistum Münster.

In der Diözese Hildesheim kann auch die Pfarrei St. Petrus in Wolfenbüttel eine Vorreiterrolle für sich beanspruchen. „Wir waren die Ersten im Bistum, die bei „Pfiffig“ mitgemacht haben“, sagt Pfarrer Matthias Eggers. Der Begriff steht für: Pfarrei-Informationssystem für innovative Gemeinden.

Internet erleichtert die Verwaltung der Gemeinde

Es ist eine online-basierte Datenbank, die es den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Gemeinde möglich macht, ihre Veranstaltungen zu koordinieren, Gottesdiensttermine einzustellen und eine Raumplanung zu machen, bei der Doppelbelegungen ausgeschlossen werden. Ein Rechner mit Internet-Anschluss, eine Registrierung und ein Passwort reichen aus, und schon wird für jeden Nutzer sichtbar, was wann und wo anliegt.

„Bei einer Pfarrei mit fünf Kirchorten ist das ein Riesengewinn für die Verwaltung“, sagt Eggers, „unsere Gemeindemitglieder nutzen diese Plattform intensiv und unsere Ressourcen werden auch mehr eingefordert.“ Beispielsweise sei der VW-Bus an einem Kirchort nie ausgelastet gewesen. Das habe sich geändert, seitdem der Belegungsplan für das Fahrzeug im Internet einsehbar geworden ist.

Pfarrer Matthias Eggers aus Wolfenbüttel nutzt eine Online-Datenbank für die Verwaltungsaufgaben in seiner Gemeinde St. Petrus. Foto: Röpke
Pfarrer Matthias Eggers aus Wolfenbüttel nutzt eine Online-Datenbank für die Verwaltungsaufgaben in seiner Gemeinde St. Petrus. Foto: Röpke

Die Gemeinde St. Petrus hat vor drei Jahren auf die online-basierte Verwaltung umgestellt. „Anfangs gab es viel Skepsis“, räumt der Pfarrer ein. „Wir mussten dieses Arbeiten im Netz erst lernen. Inzwischen hat es sich eingespielt.“

Nach der Verlagerung von Verwaltungsaufgaben ins Internet hat die Gemeinde kürzlich einen weiteren Schritt in die Online-Arbeitswelt gemacht: Die Gemeindemitglieder produzieren ihren Pfarrbrief nun über eine Web-Plattform, das Gemeindedruckportal des Bistums. Dort kann jeder Pfarrbrief-Schreiber vom PC zu Hause auf die aktuelle Ausgabe zugreifen, Fotos hochladen und Seiten gestalten. Zum Schluss entsteht mit ein paar Mausklicks ein druckfähiges PDF-Dokument.

Eggers setzt aber nicht nur beim Arbeiten auf Vernetzung, auch die Kommunikation in der virtuellen Welt ist ihm wichtig. Ebenso wie viele Gemeindemitglieder ist er deshalb im sozialen Medium Facebook vertreten. „Leider schaffe ich es als Pfarrer aus zeitlichen Gründen nicht, dort sehr regelmäßig mit Menschen in Kontakt zu treten. Hätte ich als Kaplan den Auftrag Jugendarbeit, würde ich es aber sehr intensiv nutzen.“

Persönliches Gespräch bleibt immer wichtig

Anne Hofmann tut genau das: Sie ist fast immer online und über Facebook ansprechbar. Als Jugendreferentin des Katholischen Jungen Netzwerkes in der Region Braunschweig (Kajune) hat sie über soziale Medien einen direkten Draht zu den jungen Menschen.

„Ich bekomme dort immer Rückmeldungen. Ich weiß sofort, ob den Leuten eine Aktion von uns gefallen hat. Facebook ist das Medium der Jugend. Es hat die SMS, die E-Mail und den Brief abgelöst. Über Facebook bekommen die Jugendlichen unsere Termine immer mit“, sagt Hofmann.

Für ihre Arbeit seien soziale Medien daher unverzichtbar. Die Jugendreferentin stellt aber auch klar: „Genauso unverzichtbar bleibt das persönliche Gespräch. Am Rechner sitzen schließlich immer noch echte Menschen.“

Von Volker Röpke

 

Wissenswert: Der Klick im Internet