Ein Clown zu Besuch im Krankenhaus

Gutartiger Humor

Lachen ist gesund – diese Weisheit kennt jeder. Dass sie aber wirklich funktioniert, erfährt Anke Küpper regelmäßig, wenn sie als Clown Petronella in Kliniken unterwegs ist. Die KirchenZeitung ist beim Besuch auf der Kinderstation des St. Bernward Krankenhauses dabei.

Heilsamer Humor: Beim Besuch von Petronella vergisst der kleine Maxim über Seifenblasen, Zauberpuste und Ballon-Hasen zumindest für eine kurze Weile seine Bauchschmerzen. Foto: Ina Funk
Heilsamer Humor: Beim Besuch von Petronella vergisst der kleine Maxim über Seifenblasen, Zauberpuste und Ballon-Hasen zumindest für eine kurze Weile seine Bauchschmerzen. Foto: Ina Funk

„Was ist denn deine Lieblingsfarbe?“ Petronella kniet neben dem Bett von Jonathan. Der Fünfjährige ist gerade aus seiner Narkose aufgewacht, sprechen fällt ihm noch schwer, er zuckt die Schultern. Petronella wühlt in ihrer Hosentasche, kramt verschiedenfarbige Luftballons hervor. „Magst du lieber Blutrotes-Rot, Himmelblaues-Blau oder Grünes-Grün?“, fragt sie Jonathan, während sie ihm alle zeigt. „Grünes-Grün“, antwortet er mit piepsiger Stimme. „Und welches Tier magst du am liebsten?“, fragt die Clownin weiter. „Dino“, sagt Jonathan. „Ok. Dann züchte ich dir mal einen.“ Petronella greift zur Luftpumpe, bläst einen länglichen Ballon auf, verknotet das Ende und beginnt ihn einzudrehen – er platzt mit lautem Knall. Petronella prustet los vor Lachen: „Eu, grüne Dinos zu züchten ist gar nicht leicht!“ Ihr zweiter Versuch klappt und Jonathan hat jetzt einen kleinen Gummi-Dino zum Spielen. Der Patient strahlt, die Schmerzen hat er für kurze Zeit vergessen.

Clown sein muss gelernt werden

Die kleinste Maske der Welt hat Anke Küpper immer dabei: ihre rote Clownnase. Das Latexstück klebt sie mit Theaterkleber auf ihre Nase – so verwandelt sich die 46-Jährige in den Clown Petronella. Ihr Einsatzort heute: das Bernward Krankenhaus, Kinderstation. Ihre Werkzeuge: gute Laune, Seifenblasen, Zaubertricks und jede Menge Einfühlungsvermögen. Ihre Mission: Freude und Abwechslung in den Klinikalltag bringen – egal ob für die Kinder-Patienten, deren Eltern oder das Klinikpersonal. „Oh, Rapunzel. Du bist ja heute auch wieder da“, begrüßt sie die Ärztin mit dem geflochtenen Zopf.

Wie gut Lachen gegen Bauchweh helfen kann, weiß Petronella, alias Anke Küpper, nur zu gut. Die gelernte Krankenschwester kennt die Sorgen und Ängste der Patienten – Grund genug für sie, sich fast täglich zum Clown zu machen. Umkleiden, Schminken und Frisieren – dafür braucht sie eine halbe Stunde. Wichtig ist, dass sie aussieht wie immer. „Kinder sind im positiven Sinn konservativ. Sie merken zum Beispiel, wenn meine Haare kürzer geworden sind oder eine andere Farbe haben“, sagt sie recht ernst, während sie ihre Zöpfe mit Spangen und viel Haarspray fixiert.

Bereits seit 2001 schlüpft Anke Küpper regelmäßig in ihre Clownkleidung und versucht in fünf verschiedenen Krankenhäusern gute Laune zu verbreiten. „Das größte Geschenk ist es, das Vertrauen der Kinder zu bekommen. Eigentlich haben wir uns gerade erst kennengelernt – und trotzdem ist es, als würden wir uns schon lange kennen! Ihre Freude wecken, ihre Spielfreude wiederbeleben und dann gemeinsam die Reise in die Fantasie antreten: Das ist ein erfüllendes Gefühl!“, sagt Küpper. Zusammen mit vierzehn anderen Clowns arbeitet sie im Verein „Clinic-Clowns Hannover“. Das Clownhandwerk selbst hat sie im „TuT“, der Schule für Tanz, Clown und Theater, in Hannover gelernt. Und mancher Zaubertrick hat ihr bei schwierigen Patienten geholfen – wie bei Maxim.

Wunder geschehen immer wieder

Petronella klopft an die Tür, aus der kurz zuvor lautes Weinen zu hören war. „Hallo, darf ich reinkommen?“, fragt sie leise den kleinen Maxim, der auf seinem Bett sitzt und starr in den Fernseher blickt. Nur Maxims Vater nickt. „Oh, du hast ja Zimmerkino. Darf ich mitgucken?“, versucht es die Clownin noch einmal. Der Junge nickt, Tränen glitzern noch auf seinen Wangen. Petronella tritt ein, setzt sich neben sein Bett und schaut schweigend zu. Minutenlang.

„Du bist ja an eine Tankstelle angeschlossen“, sagt sie nach einer Weile und zeigt auf den Schlauch, der von Maxims Arm zu einer Schmerzmittelpumpe führt: „Na, dann geht’s dir ja bald besser. Wie ein Auto, das nach dem Tanken wieder ganz schnell fahren kann.“ Auto – anscheinend das richtige Wort für den Fünfjährigen. Wortlos zeigt er der Clownin sein Spielzeugauto. Das Eis ist gebrochen, beide spielen.
„Guck mal, ich hab’ Zauberpus­te mitgebracht“, sagt Petronella, während sie Seifenblasen in die Luft bläst. Sie fordert: „Fang doch mal eine, dann ganz fest in der Hand halten und kräftig drauf pusten. Dann trocknest du die Zauberpuste nämlich.“ Und tatsächlich: Statt einer Seifenblase hält der Junge plötzlich eine Murmel in der Hand. Zaubertricks sei Dank. „Das ist eine Glückskugel für die Hosentasche!“, sagt Petronella. Maxim strahlt. „Danke“, sagt er leise mit heiserer Stimme. Maxims Vater staunt: „Das gibt’s ja nicht: Er hat schon seit einem Jahr nicht mehr gesprochen.“

 

Von Ina Funk