16 tote und neun ausgesetzte Babys. So viele Kinder wurden dem Hilfswerk Terre des Hommes zufolge 2011 in Deutschland gefunden. Um Kinder vor solch einem Schicksal zu bewahren, gibt es seit 1999 die Babyklappen. Über die wird aber heftig gestritten.
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| Um die 100 Babyklappen gibt es in Deutschland |
In Fulda läuft es so ab: Durch eine Klappe legt die Mutter das Baby in ein Wärmebett. In ein Merkblatt kann sie noch einen gewünschten Vornamen für das Kind eintragen. Auch persönliche Gegenstände kann sie mit hineinlegen. Schnuller oder Teddybär, später oft die einzigen Gegenstände, die das Kind an seine Herkunft erinnern werden. Mit dem Schließen der Klappe haben sich Mutter und Kind dann fast immer das letzte Mal gesehen.
Babyklappe, Babynest oder Babyfenster, so heißen die Vorrichtungen, die – obwohl sie Leben retten sollen – immer wieder in der Kritik stehen. Die erste Babyklappe wurde schon 1198 in Rom eingerichtet. Papst Innozenz III. hatte sie angeordnet. Ziel damals wie heute: Babys davor zu schützen, ausgesetzt oder getötet zu werden.
Heute gibt es nach einer neuen Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) um die 100 Babyklappen in Deutschland, viele in kirchlicher Trägerschaft. Außerdem bieten rund 130 Kliniken Müttern die Möglichkeit, ihre Kinder unter ärztlicher Aufsicht zu bekommen, aber ohne ihren Namen angeben zu müssen. Nach der Studie wurden so in den vergangenen zehn Jahren 625 Kinder anonym geboren, 278 wurden in eine Babyklappe gelegt, 13 waren es im Bistum Fulda.
Das Hauptproblem, ob bei Babyklappe oder bei anonymer Geburt: Jedes Kind hat ein Recht auf das Wissen um seine Herkunft. Doch die bleibt bei fast einem Drittel der Kinder dauerhaft unbekannt. Für die Betroffenen später eine große psychische Belastung. Schon 2009 kritisierte der Deutsche Ethikrat die Babyklappen und forderte, sie zu verbieten.
In einem sind sich Gegner und Befürworter einig
Deren Sinn stellt jetzt auch die Studie des DJI infrage. Sie bezweifelt, ob die eigentlichen Zielgruppen, wie Prostituierte, sehr junge Mütter oder auch Drogenabhängige durch die Angebote erreicht werden. Sie führte im Gegenteil Fälle an, in denen die Babyklappen missbraucht wurden, weil beispielsweise behinderte oder schon ältere Babys hineingelegt wurden.
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder sprach sich jetzt dafür aus, einen gesetzlichen Rahmen für die anonyme Geburt zu schaffen. Denn bislang stehen der anonymen Kindesabgabe mehrere rechtliche Einwände entgegen. So hält das Grundgesetz fest: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“ Ein Verbot der Babyklappen schloss die Ministerin aber aus.
Egal ob für oder gegen Baby-klappen, in einem sind sich Gegner und Befürworter einig: Hauptaufgabe muss sein, die Hilfsangebote für Mütter weiter auszubauen und die Informationen darüber zu streuen. Ein Netzwerk an Hilfen bietet auch der Sozialdienst katholischer Frauen im Bistum Fulda an. Beraterin Gerlinde Felmeden-Plass betont: „Die Babyklappen können immer nur das letzte Angebot in einer Vielzahl von Beratungshilfen sein.“
Ganz ähnlich sieht es auch der Augsburger Weihbischof Anton Losinger. Gegenüber der Katholischen Nachrichten Agentur betonte er, dass Angebote der anonymen Geburt oder Kindesabgabe und der Babyklappen nach den Erfahrungen vieler kirchlicher Träger ein letztes Mittel sein könnten, um eine schwerwiegende Gefahr für Gesundheit und Leben des Kindes abzuwenden. „Da es sich bei der Gesundheit und dem Leben eines Kindes um schlechthin fundamentale Rechtsgüter handelt, erscheint es unter Berücksichtigung der gegebenen Konfliktlage hinnehmbar, dass das Recht des Kindes auf Kenntnis seines Ursprungs verletzt wird“, so der Weihbischof.
Daniel Gerber
