Die Auseinandersetzung mit Krankheit und Tod steht im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe „LebensKunstSterben“ von Klinikseelsorge und dem Palliativzentrum der Universität Göttingen. Bewusst werden auch Kinder und Jugendliche angesprochen – und bei einem Theaterstück selbst beteiligt.
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Szenenprobe: Die Managerin der Band (gespielt von Lea Müller) redet den Bandmitgliedern ins Gewissen. Foto: Behnke |
Göttingen (kpg). Die Auseinandersetzung mit Krankheit und Tod steht im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe „LebensKunstSterben“ von Klinikseelsorge und dem Palliativzentrum der Universität Göttingen. Bewusst werden auch Kinder und Jugendliche angesprochen – und bei einem Theaterstück selbst beteiligt.
Antje Timmermann schließt die Augen, holt tief Luft – und dann legt sie los: Weil es heute im Gemeindezentrum von St. Michael kein Mikrofon gibt, muss sie gegen das Klavier und die E-Gitarre ansingen. Anschließend steht die Eingangsszene auf dem Probenplan. Hoch konzentriert folgen die sieben Jugendlichen aus der Kirchengemeinde den Regieanweisungen von Verena Saake vom Jungen Theater Göttingen. Seit Wochen proben sie das Stück „Nellie Goodbye“ von Lutz Hübner – trotz Abistress.
Theaterstück fordert zur Auseinandersetzung auf
In dem Stück geht es um Freundschaft, Sterben und Tod: Nellie (gespielt von Antje Timmermann), steht kurz vor ihrem Durchbruch als Sängerin mit ihrer Band. Doch dann kippt sie während einer Probe um. Diagnose: Gehirntumor. Der Tumor dringt ebenso unverhofft in die geschlossene Welt des Proberaums der fünf Jugendlichen wie kurz zuvor in Nellies Kopf und zwingt jeden Einzelnen, sich mit der unheilbaren Krankheit auseinanderzusetzen: mit der Frage, was nach dem Tod kommt, wie sich Freundschaft im Angesicht des Todes definiert und wie man seine Angst und Hilflosigkeit im Umgang mit der Krankheit überwindet.
Harter Stoff nicht nur für Jugendliche: „Natürlich bewegt einen das auch über die Proben hinaus“, sagt Antje Timmermann. Die Gründe liegen für die 17-jährige Hauptdarstellerin vor allem darin, „weil die Figuren des Stücks alle in unserem Alter sind. Und weil so etwas jedem von uns passieren kann.“ „Man hört jetzt eher hin, wenn es um das Thema geht“, ergänzt die gleichaltrige Roxanne Pretzsch. Sterben und Tod ist durchaus ein Aspekt, der im Leben Jugendlicher vorkommt, weiß Bildungsreferentin Sigrid Nolte vom Katholischen Jugendbüro.
Fazit: Aus jedem Tag das Beste machen
Die Idee zur Kooperation zwischen Jungem Theater und katholischer Kirche stammt aus der Citypastoral im Michaelsviertel, das nur wenige Meter vom Theater entfernt liegt. „Ich bin gefragt worden und war gleich begeistert“, sagt Verena Saake. Die Schauspielerin ist selbst katholisch. „Nellie Goodbye“ ist das erste Stück, das sie inszeniert. Die Arbeit mit den Jugendlichen findet sie „einfach super. Weil sie keine Profis sind, entstehen manchmal ganz tolle Momente. So natürlich bekommen es Schauspieler kaum hin.“
Noch proben die Jugendlichen im Gemeindezentrum von St. Michael. Wenn sie dann für die Generalproben auf die echte Bühne umziehen, wird die Aufregung noch mal größer. Doch einschüchtern lassen sich die Jugendlichen nicht von der Aufgabe. Lea Müller, ebenfalls 17, hat für sich schon ein Fazit aus dem Stück gezogen: „Jeden Tag genießen und versuchen, das Beste daraus zu machen.“
Das Theaterstück „Nellie Goodbye“ von Lutz Hübner wird aufgeführt am Samstag, 28. Februar, 10 Uhr (für Schulklassen) und am Samstag, 29. Februar, um 20 Uhr im Jungen Theater Göttingen (Hospitalstraße 6).
Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe: www.lebenskunststerben-goettingen.de
