| zurück | Homepage |

KiZ Nr. 9 vom 28. Februar 2010

Ein Klimakreuz gegen „monströse Altlast“
Mehr als 170 Pilger kommen zum ökumenischen Kreuzweg von der Asse bis Schacht Konrad

Remlingen/Wittmar (wal). Der Auftakt ist gemacht: Über 170 Menschen versammelten sich am vergangenen Sonntag zum ersten ökumenischen Kreuzweg zur Bewahrung der Schöpfung vor den Toren des Atommülllagers Asse II beim Remlingen.

„Wie viele Planeten haben wir eigentlich?“: Diese Frage steht über dem Kreuzweg, der an fünf Fastensonntagen in mehreren Teilstücken zum Schacht Konrad bei Salzgitter führt. Er verbindet damit zwei Stätten, die wie kaum andere für den „verantwortungslosen Umgang mit Atom-Müll stehen“, wie Dietmar Müßig vor den Toren des ehemaligen Salzbergwerkes Asse erklärt. Dort lagern 126 000 Fässer mit Atommüll. Das Bundesamt für Strahlenschutz, das seit Januar 2009 das Lager betreibt, will den Atommüll bergen – und möglicherweise in den Schacht Konrad bringen. „Daher gehen wir diesen Kreuzweg, um auch den Anwohnern dort in ihren Ängsten nahe zu sein“, betont der Leiter der Diözesanstelle Weltkirche im Bistum Hildesheim.

Klimawandel zerstört Lebensgrundlagen

Natürlich sei die Erde „der einzige Planet, den wir haben: Doch unser Umgang mit ihr sieht nicht so aus, als wäre uns das bewusst.“ Boden, Luft und Wasser würden verschmutzt, Wälder abgeholzt, fossile Rohstoffe zur Energiegewinnung verbrannt, Flächen versiegelt: All das trage dazu bei, dass durch den Klimawandel die Lebensgrundlage zerstört werde.

Auch für den Umweltbeauftragten des Bistums Hildesheim, Ansgar Holzknecht, ist Asse II „ein Denkmal von Leichtsinn, Täuschung und Betrug – eine monströse Altlast.“ Dürfe es überhaupt erlaubt sein, eine Energie mit einem solchen Risikopotenzial – vom Uranbergbau bis zur Endlagerung – zu nutzen?, fragt Holzknecht. Und weiter: „Welche mächtigen Interessen verbergen sich heute hinter der Behauptung, Kernenergie entschärfe die Klimakrise?“

Das erste Teilstück des Kreuzweges führt in die gut drei Kilometer entfernte Kirche St. Barbara in Wittmar, einen traditionellen Bergarbeiterort. Auf dem Weg tragen Teilnehmer das „Klimakreuz“ aus dem rheinischen Braunkohlerevier. Drei Meter lang und aus grobem Holz gezimmert. Es trägt die Aufschrift „Verheizte Heimat“ und die Namen von Ortschaften, die dem Tagebau weichen müssen. Zu Beginn des Kreuzwegs wird ein Schild mit der Aufschrift „Asse II“ hinzugefügt.

„Wir tragen das Kreuz der Fehlentscheidungen“

„Wir haben das Kreuz der Entscheidungen und Fehlentscheidungen getragen, die hier in den letzten Jahrzehnten getroffen worden sind“, bekannte der Hildesheimer Generalvikar Dr. Werner Schreer bei der Abschluss-andacht in der Barbara-Kirche. Es sei eine „blinde Hoffnung, dass alles, was uns schaden könnte, nur 1000 Meter tief vergraben werden muss“. Schreer beklagt einen „unstillbaren Energiehunger in der westlichen Welt“. Doch sei „Energie der Treibstoff unseres Lebens: Wir brauchen diese Energie – und wissen zugleich, dass wir mit ihrer Gewinnung großen Schaden anrichten.“ Der Kreuzweg ist eine Initiative des Bistums Hildesheim in Zusammenarbeit mit Pfarrgemeinden aus den Regionen Wolfenbüttel und Salzgitter. Beteiligt ist auch das katholische Hilfswerk „Misereor“.

Das Teilstück an diesem Sonntag, 28. Februar, führt innerhalb der Stadt Wolfenbüttel von der Thomas-Kirche (Jahnstraße) und zur St.-Petrus-Kirche (Harztorwall). Treffpunkt ist um 15 Uhr. Die abschließende Andacht gegen 16.30 Uhr wird von Kindern und Jugendlichen gestaltet. Ihr Thema: „Die Erde für folgende Generationen bewahren“. Info: www.kreuzweg.bistum-hildesheim.de

| zurück | Homepage |