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KiZ Nr. 9 vom 28. Februar 2010 |
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Nachnutzung oft nicht sinnvoll: Dann hilft nur die Abrissbirne |
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Hildesheim (bd). 26 Kirchen wurden in den letzten fünf Jahren vom Bistum Hildesheim aufgegeben und ihrer gottesdienstlichen Bestimmung entzogen. Mindestens ebenso viele Gotteshäuser werden in den nächsten Jahren folgen. Auch viele Pfarrheime und Pfarrhäuser werden nicht mehr benötigt. Die KirchenZeitung sprach darüber mit dem Leiter der Abteilung Immobilien im Bischöflichen Generalvikariat, Diözesanbaumeister Norbert Kesseler.
Herr Kesseler, was ist mit den 26 Kirchen geschehen, die in den letzten Jahren geschlossen wurden? 13 Kirchen konnten bisher verkauft werden. Fünf davon wurden abgerissen, eine wurde an eine andere Religionsgemeinschaft übergeben, eine andere dient als Privatkapelle. In drei Kirchen sind jetzt Kinder- und Jugendeinrichtungen untergebracht und drei werden weltlich genutzt: als Ballettschule, Übungsraum für einen Musikverein und als Ausstellungshalle. Was ist mit den übrigen? Die stehen weiter zum Verkauf, wir sind auf der Suche nach Interessenten. Der Verkauf eines Gotteshauses braucht Zeit, das geht nicht innerhalb eines Jahres. Die Möglichkeiten für die Nachnutzung einer Kirche sind begrenzt und oft sind Konzepte zur Weiterverwendung nicht wirtschaftlich. Bei einer Nachnutzung müssen beispielsweise die neuesten Energie-Standards eingehalten werden. Allein das kostet schon viel Geld und macht eine Investition in ein Kirchengebäude nicht besonders attraktiv. Wir mussten schon einen Kaufvertrag rückabwickeln, weil die Vorstellungen des Investors nicht zu verwirklichen waren. Wir werden damit leben müssen, dass wir etwa 40 bis 50 Prozent der profanierten Kirchen abreißen müssen. Eine Nachnutzung ist in den meisten Fällen nur bei Kirchengebäuden sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar, die einen künstlerischen oder historischen Wert haben. Einige Kirchen sind nun schon seit Jahren geschlossen, stehen leer, die Grundstücke ringsherum sind zum Teil ungepflegt. Wäre es nicht sinnvoller, mit der Schließung eines Gotteshauses zu warten, bis feststeht, was damit passieren soll? Es wäre tatsächlich klüger, die Kirchen erst dann zu schließen, wenn eine sinnvolle Nachnutzung in Sicht ist. Wobei der Abriss eine Form der Nachnutzung sein kann. Wir bemühen uns zurzeit das Tempo bei den Profanierungen zu drosseln und die notwendigen Abläufe zu strukturieren. Man muss auch zugeben: Der Verkauf von 26 Kirchen in nur wenigen Jahren – das ist einfach nicht möglich. Auf der anderen Seite muss man aber auch dies sehen: Gibt es einen Investor, will er das Gebäude möglichst schnell haben. Wenn dann erst das Profanierungsverfahren eingeleitet wird, ist das für den Verkauf hinderlich. Es dauert in der Regel Wochen oder Monate, bis der letzte Gottesdienst gefeiert wird und die Kunstgegenstände und das Mobiliar verwertet wurden. In vielen Fällen ist der Käufer dann meist schon wieder abgesprungen. Neben seelsorglichen Überlegungen geht es bei den Kirchenschließungen auch um handfeste wirtschaftliche Interessen. Durch den Verkauf von Gebäuden an der einen Stelle soll die Investition in Gebäude an anderer Stelle ermöglicht werden. Fließt nun ordentlich Geld in die Bistumskasse? Leider nein. Wir hatten vor dem Zweiten Weltkrieg 156 Kirchen im Bistum. Durch den Zuzug der Vertriebenen wurden dann in den Sechziger- und Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts rund 300 Kirchen gebaut. Sie entstanden oft am Rand der Dörfer und Städte, praktisch selten in den Top-Lagen. Heute können Sie da vielleicht 30 oder 50 Euro für den Quadratmeter Boden erzielen. Wenn Sie eine Kirche auf einem 1000-Quadratmeter-Grundstück haben, deren Abriss 30 000 Euro kostet, dann kann das schnell zu einem Nullsummenspiel werden. Natürlich sieht das in Städten wie Hannover oder Braunschweig anders aus, aber viele Kirchen, die jetzt zum Verkauf stehen, liegen eher im ländlichen Bereich. Also lohnt sich die ganze Angelegenheit gar nicht? Doch, schon. Wir stehen mit den Bemühungen noch ganz am Anfang, die Kirchen sind nur die Spitze des Eisberges. Es gibt noch keine Entscheidung, was mit den Pfarrheimen und Pfarrhäusern passieren soll. Wie werden Gemeinden damit umgehen, wenn sie nach einer Zusammenlegung plötzlich vier oder fünf solcher Gebäude besitzen? Diese Diskussion ist im Bistum noch zu führen. Wir haben in den Gemeinden der Diözese rund 1800 Gebäude, deren Zahl muss deutlich sinken. Das wird sich dann langfristig auch auf den Bistumshaushalt auswirken. Zum einen durch Einnahmen, zum anderen durch erhebliche Einsparungen bei den Instandhaltungs- und den Betriebskosten. Wollte man alle Gebäude erhalten, müssten heute zwischen 110 und 120 Millionen Euro investiert werden, um nur die augenscheinlichen Mängel zu beheben. Dieses Geld hat das Bistum nicht. Sie haben über die Schwierigkeit beim Kirchenverkauf berichtet. Wie sieht es bei den Pfarrheimen und Pfarrhäusern aus? Der Verkauf von Pfarrheimen ist äußerst problematisch. Auch deren Nachnutzungsmöglichkeiten sind beschränkt. Viele dieser Heime haben dazu noch einen hohen Investitionsbedarf. Hinzu kommt, dass in vielen kleineren Ortschaften kein zusätzlicher Bedarf an Versammlungsräumen besteht. Fast überall gibt es Dorfgemeinschaftshäuser, die Freiwillige Feuerwehr und die örtlichen Vereine haben ihre eigenen Treffpunkte. Außerdem hat der ländliche Raum besonders unter dem demografischen Wandel zu leiden. Die Dorfbevölkerung nimmt überproportional ab. Viele Menschen zieht es verstärkt in die Städte Das sind alles keine guten Voraussetzungen für den Verkauf von Pfarrheimen. Etwas besser sieht es bei den Pfarrhäusern aus, dafür finden sich leichter Käufer. Aber auch hier sollte man berücksichtigen: Der Immobilienmarkt boomt derzeit nicht gerade. | |
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