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KiZ Nr. 10 vom 07. März 2010

Vom Glaubenszeugnis tief bewegt
34 Erwachsene bereiten sich auf Taufe oder Firmung vor / „Ich wollte einen Standpunkt beziehen“

Von Tillo Nestmann

Hildesheim. Die Zulassung zur Erwachsenen-Taufe und -Firmung gefeiert hat Bischof Norbert Trelle gemeinsam mit den Bewerbern, deren Pfarrern, Paten und Katechumenatsbegleitern. Diese Zulassungsliturgie gibt es im Bistum seit 2001. In seiner Predigt äußerte sich der Bischof tief bewegt von den Glaubenszeugnissen der Bewerber.

Begleitet von Liedern und Gitarrenklängen der Gruppe Weizenkorn aus Hannover singen in St. Godehard über 100 Menschen neue geistliche Lieder. Vorfreude steht auf ihren Gesichtern. Etwa ein Jahr haben sie sich vorbereitet. In der Nacht vom 3. auf den 4. April wird es so weit sein. Osternacht. Dann werden in verschiedenen Kirchen des Bistums 20 Erwachsene die Taufe und 14 Erwachsene die Firmung empfangen.

„Seit neun Jahren gibt es im Bistum die spezielle Form der Zulassungsfeier zum Tauf- und Firmsakrament“, sagt Katechumenatsbeauftragte Ursula Kropp. Bei dieser Feier attestieren die Katechumenen-Begleiter und Pfarrer, dass die Bewerber die Zulassungsvoraussetzungen erfüllen. Danach werden sie vom Bischof gesegnet. „Insgesamt haben wir im Bistum pro Jahr rund 100 erwachsene Täuflinge“, sagt Dr. Christian Hennecke, Regens des Hildesheimer Priesterseminars. „Aber eine Erwachsenen-Taufe in der Osternacht ist natürlich für Täuflinge und Gemeinde etwas Besonderes.“

Das Ende einer langen Suche

Besonderes haben auch die Taufbewerber mitzuteilen. Zwei von ihnen haben einen moslemischen Hintergrund und viel erlebt. Für wieder andere ist die Bitte um die Taufe der Endpunkt eines langen geistigen Suchens. Eva-Lisa Fischer (27), die in St. Michael (Göttingen) getauft werden wird, beendet in diesem Jahr ihr Biologiestudium. Danach will sie promovieren oder sich im Umweltschutz engagieren. Sie sagt: „Ich habe drei Geschwister. Wir sind alle ungetauft. Mein Vater war katholisch, meine Mutter evangelisch. Sie sind beide aus der Kirche ausgetreten, ebenso mein Stiefvater.“

Vor sechs Jahren ist Eva-Lisa Fischer in Bolivien in einen Bürgerkrieg hineingeraten, hat Menschen sterben sehen. Die Scheidung der Eltern, Grenzerfahrungen mit Freunden und Bekannten haben sie dazu gebracht, sich tiefer gehende Gedanken über das Leben zu machen. Stärke gibt ihr das Hören christlicher Choräle und die Gemeinschaft mit gläubigen Christen. Ihren Wunsch nach der Taufe begründet sie so: „Ich bin zurzeit sehr allein mit meinem Fach, arbeite Stunden um Stunden am Computer für meinen Abschluss. Ich sagte mir: Ich muss jetzt in meinem Leben einen Standpunkt beziehen, einen Pflock einschlagen.“ Aus ihrer Umgebung hört Eva-Lisa Fischer Kritik. Diese richtet sich vor allem auf Organisation und Geschichte der Kirche. Aber sie will nicht locker lassen. „Für meine Taufe habe ich Eltern, Geschwister und Freunde eingeladen, und sie wollen auch kommen“, sagt die Studentin.

Auch Manfred Mertin (62) aus Hannover hat sich schon lange Gedanken gemacht. Der Kfz-Schlosser stammt aus einem baptistischen Elternhaus. Bei den Baptisten gibt es grundsätzlich nur die Erwachsenentaufe. „Ich habe als Kind sehr viel in der Bibel gelesen. Später waren mir dann aber Disko und alles andere wichtiger als mein Ja zu Gott. Dabei habe ich immer an ihn geglaubt“, sagt Manfred Mertin. Die Jahre vergehen. Mertin heiratet eine Katholikin, seine Kinder werden katholisch getauft, gehen zu Kommunion und Firmung. Auch er selbst geht oft mit zur katholischen Messe. Über seinen Tauf-Wunsch sagt er: „Er kommt sicher spät, aber nicht zu spät. Die Taufe als ein klares Ja zu Gott ist mir sehr wichtig. Ich möchte nicht am Ende meines Lebens verloren gehen.“ Für seine ganze Familie ist dies ein Anlass zu großer Freude. Taufpate wird sein 22-jähriger Sohn Marcel sein.

Die Wege zu Gott verlaufen unterschiedlich

„Die Wege zu Gott sind unendlich verschieden. Eure Erfahrungen haben mich tief bewegt“, sagte Bischof Norbert Trelle in seiner Predigt. Die Täuflinge, so sein Wunsch, sollten dies auch anderen Menschen mitteilen. Denn in der westlichen Gesellschaft sei das Sprechen über die zentralen und wichtigen Fragen des Menschseins derart selten, dass ein authentisches christliches Zeugnis der Rettungsanker für ein Menschenleben sein könne.
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