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KiZ Nr. 11 vom 14. März 2010 |
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Eine Oase in der Messe-Hektik |
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Von Sophia Michalzik
Hannover. Tausende Aussteller, hunderttausende Besucher. Die großen Messen in Hannover – wie jetzt gerade die Computerfachmesse CeBIT – bringen Menschen aus aller Welt zusammen. Natürlich geht es ums Geschäft. Aber in der Hektik des Kaufens und Handelns suchen manche auch einen Moment der Ruhe und Besinnung. Die Kirchen bieten ihn an. Der Trubel des Messegeländes ist kaum zu hören. Einige Menschen sitzen schon seit ein paar Minuten im Kapellenraum und sind in Gedanken versunken, andere kommen später dazu. Pater Aloys Terliesner begrüßt sie alle: Zu seinem Gottesdienst in der Kirche auf dem Messegelände ist jeder herzlich willkommen. Für das Gebet die Mittagspause geopfert „Wir wollen für die Menschen da sein“, erzählt Terliesner. Zum Gottesdienst, der während der weltgrößten Computerfachmesse CeBIT jeden Tag um 12 Uhr angeboten wird, kommen hauptsächlich Aussteller. „Die wenigsten Besucher wissen von diesem Angebot, aber unter den Ausstellern hat es sich schon recht gut herumgesprochen“, ergänzt er. Einer von ihnen ist Milan Garbiar aus Slowenien. Für ihn ist es schon zur Gewohnheit geworden, hier zum Gottesdienst zu gehen. „Ich brauche die Ruhe einfach mal. Wenn man den ganzen Tag am Messestand steht, muss man auch mal abschalten.“ Für den Gottesdienst opfert er seine Mittagspause. „Aber das ist es mir wert“, sagt der Slowene. Neben Pater Terliesner ist auch Pastor Ulrich Krämer für die evangelische Kirche vor Ort. Für ihn ist es die neunte CeBIT als Seelsorger. „Die Gestaltung unserer Arbeit hier ist ökumenisch“, erzählt er. Die meisten Besucher kommen bewusst in das Informationszent-rum, in dem die Kirche ihre Räume von der Messe AG bekommen hat. „Manchmal bittet uns jemand um ein Beichtgespräch“, berichtet Terliesner. „Und dann sind wir auch für ihn da.“ „Die Kirche muss bei den Menschen sein – auch auf der Messe“, fügt Krämer hinzu. Denn viele brauchen einfach mal ein paar Minuten, um Hektik und Trubel abzuschalten. Schon seit den frühen 50er-Jahren, also dem Beginn der Messe in Hannover, ist die Kirche ebenfalls auf dem Gelände anzutreffen, auch wenn sich die Form mittlerweile geändert hat. „Das jetzige Gebäude existiert seit rund 25 Jahren“, erzählt Terliesner. Die endgültige Gestaltung sei im Rahmen der Weltausstellung EXPO 2000 vorgenommen worden. Ob einer oder zehn: Der Gottesdienst wird gefeiert In seinem Gottesdienst zählt Pater Terliesner dieses Mal rund 20 Besucher. Das ist etwas mehr als durchschnittlich. „Die Menge zählt aber nicht“, betont er. „Der Gottesdienst wird in jedem Fall gefeiert. Ob nun für einen oder für zehn.“ Während des Gottesdienstes wechselt Pater Terliesner ab und zu ins Englische. „Die meis-ten Besucher der CeBIT sprechen Englisch. Wenn ich merke, dass zu wenige Leute verstehen, was ich sage, wechsele ich einfach die Sprache. Das geht ganz spontan“, sagt er schmunzelnd. Pater Terliesner ist jetzt seit 21 Jahren Seelsorger für die Industriemesse und die CeBIT, doch geändert hat sich für ihn nicht viel. „Die Menschen kommen nicht zu uns, um etwas zu erleben, das tun sie ja auf der eigentlichen Messe genug. Sie wollen auch einmal die Ruhe erfahren und dazu geben wir ihnen die Möglichkeit“, erzählt er. Auch wenn die CeBIT längst nicht mehr das sei, was sie einmal war, hätten die Menschen trotzdem noch das Bedürfnis nach einer Rückzugsmöglichkeit, weiß Pastor Krämer. Zu Zeiten der EXPO gab es auch noch Ausstellungen in den Räumen der Kirche. Doch mittlerweile beschränken sich die Mitwirkenden hauptsächlich auf die Arbeit im Hintergrund. „Wir machen keine offensive Werbung mehr“, erklärt Pater Terliesner das Konzept. „Wir verstehen uns mehr als Einladung an die Messegäste.“ Lediglich auf der Infa, der Informationsmesse für Familien, hat die Kirche noch einen eigenen Stand. „Jeder kann vom anderen lernen“ Pater Terliesner spricht in seiner Predigt davon, dass man sich nicht von der Technik bestimmen lassen dürfe. „Es gibt viele verlockende Angebote auf der CeBIT, doch brauchen wir wirklich alles davon?“, fragt er kritisch. Gerade zu solchen Anlässen dürfe man nicht den Blick für das Wesentliche verlieren. Jesus ginge es um den Menschen und nicht um die neuesten technischen Errungenschaften, die man gerade erworben hat. „Das dürfen wir nicht vergessen“, mahnt er. Anschauen werde er sich einige Stände der CeBIT aber schon, ebenso wie Pastor Ulrich Krämer. „Wenn ich zwischendurch Zeit finde, bummel ich schon gerne mal über das Messegelände“, gibt er zu. „Wirtschaft und Kirche sind ja keine Gegner“, meint Terliesner. „Es handelt sich vielmehr um eine gegenseitige Befruchtung, jeder kann vom anderen etwas lernen.“ | |
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