10.05.2019

Diözesanversammlung des Verbandes Katholischer Männergemeinschaften

„Ich wurde auch schon mit Eiern beworfen!“

Am Wochenende trafen sich die Mitglieder des Verbandes Katholischer Männergemeinschaften (VKM) in Munster zu ihrer Diözesanversammlung. Ihr Schwerpunktthema war diesmal der „Frieden“.

Johannes Thierjung (links), Vorsitzender der Katholischen Männergemeinschaft von
St. Michael Munster, zusammen mit Militärdekan Rainer Schadt. | Foto: Wulfes

Das humanitäre Engagement der Bundeswehr wird allgemein begrüßt, die militärischen Einsätze dagegen sehen viele Menschen kritisch. Monsignore Rainer Schadt kennt das nur zu gut. „Ich wurde auch schon mit Eiern beworfen“, erinnerte sich der Leitende Militärdekan für den Norden Deutschlands mit Sitz in Kiel an Proteste gegen die Bundeswehr. Doch bei der Diözesanversammlung des Verbandes katholischer Männergemeinschaften in Munster am Sonnabend erteilte der Geistliche solchen Protesten eine klare Absage. Stattdessen hielt er ein deutliches Plädoyer für die Bundeswehr und forderte, den Soldatinnen und Soldaten den Rücken zu stärken.

Bei der Versammlung ging Rainer Schadt auf die Gratwanderung von „Friedensethik und militärischem Engagement der Bundeswehr“ ein. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie militärisches Engagement, das politische Interessen zur Not mit Gewalt durchsetzt, und die Forderung nach Frieden in der Welt zusammen zu bringen sind. Die Bundeswehr ist derzeit mit etwa 3400 Soldatinnen und Soldaten weltweit in verschiedenen Einsatzgebieten tätig. Laut Umfragen bewerten 80 Prozent der Bevölkerung die Bundeswehr positiv, doch gleichzeitig sinkt der Zustimmungswert für eine Beteiligung der Bundeswehr in Auslandseinsätzen im Bereich Außen- und Sicherheitspolitik.

Die Grundlagen der Friedens­ethik sind nach Worten Schadts eindeutig: die Forderungen der zehn Gebote und der Bergpredigt. Das bedeute aber keinesfalls Pazifismus um jeden Preis, betonte der Theologe mit Blick auf den Umgang beispielsweise mit den Taliban und Warlords in Afghanistan: „Da können Sie nicht mit einer Tasse Tee in der Hand verhandeln.“

Der dienstälteste Militärgeistliche in der Bundeswehr

Monsignore Schadt weiß, wovon er spricht. Der Theologe ist seit 32 Jahren in der Militärseelsorge tätig. „Inzwischen bin ich der dienstälteste Militärgeistliche in Deutschland.“ Als Militärdekan für Norddeutschland ist er für rund 60 000 Soldaten in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern zuständig. Die Marine gehört dazu, aber auch die Garnisonsstadt Munster, der größte Heeresstandort der Bundeswehr. Die Militärseelsorge seg­ne keine Waffen, rüste Soldaten auch nicht moralisch auf, sondern sei vielmehr Kirche unter den Soldaten, sagte Schadt.
 

Die Diözesanversammlung des VKM ist gut besucht. Für den Gastvortrag von Militärdekan Rainer Schadt gibt es lang anhaltenden Applaus.

Die Geistlichen seien Wegbegleiter, Zuhörer, Vertrauensperson und kümmerten sich auch um die Familien von Soldaten im Auslandseinsatz, stellte der Dekan klar und verriet in seinem launigen Vortrag auch, dass die Seelsorger im Soldatenjargon auch als „Sündenabwehrkanone“ gelten. Eine Herausforderung dabei: „Wir sind nicht im binnenkirchlichen Raum tätig.“ Denn von den 60 000 Soldaten im Norden seien gerade einmal 5000 katholisch, 15 000 evangelisch, 40 000 dagegen konfessionslos. Doch das sei nicht entscheidend: „Wir sind im Einsatz, um für die Menschen da zu sein.“

Das ist nach Erfahrungen des Militärdekans umso wichtiger, als dass die oft traumatischen Erlebnisse der Soldaten zu Hause keine Rolle spielen. Er weiß das aus eigener Erfahrung nur zu gut. Gut 26 Jahre liegt Rainer Schadts erste Mission in einem Krisengebiet zurück. Vier Monate lang war er in Kambodscha, wo Krieg, Minenfelder und äußerste Not der Menschen den Alltag bestimmten. Doch zurück in Deutschland habe ihn auf der Titelseite einer Tageszeitung eine ganz andere Schlagzeile begrüßt: „Deutschland: Angst vor neuen Postleitzahlen.“

„Die Bundeswehr garantiert uns Frieden und Freiheit“

So gehe es auch den Soldaten: „Sie erleben eine völlig zufriedene, geschlossene Gesellschaft.“ Doch man dürfe nie vergessen: Die Soldaten seien im Auftrag des Bundestages eingesetzt, die Bundeswehr eine Parlamentsarmee „und verdient daher unseren Respekt“, betonte der Militärdekan. „Soldaten sind keine Mörder in Uniform, das ist eine Beleidigung. Sie sind Staatsbürger in Uniform“, stellte er klar. „Wir dürfen auf die Bundeswehr mit Fug und Recht Stolz sein. Sie garantiert uns Frieden und Freiheit.“

Andres Wulfes