21.05.2020

Amelie Tepper über ihr „Praktikum im Norden“ in Vadstena

„Natürlich mache ich weiter!“

Eigentlich wollte Amelie Tepper beim „Praktikum im Norden“ im schwedischen Vadstena im Gästehaus eines Birgittenklosters helfen. Doch das Corona-Virus hat ihre Aufgaben völlig verändert.

Outdoor-Gottesdienst im Garten des Gästehauses
der Birgitten im schwedischen Vadstena.

Amelie Tepper aus Hannover absolviert mit dem Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken zurzeit ihr „Praktikum im Norden“ im schwedischen Vadstena. Im Birgittenkloster hilft sie den Schwes­tern normalerweise im Gäste­haus, das direkt an das Klos­ter angesiedelt ist. Doch Anfang März wurde es wegen der Corona-Pandemie und zum Schutz der meist älteren Schwestern auf unbestimmte Zeit geschlossen, sodass für die Abiturientin und eine Mitpraktikantin andere Aufgaben in den Fokus rücken. „Das sind vor allem Renovierungsaufgaben wie das Streichen von Fluren oder der Frühjahrsputz, den wir dieses Jahr ganz besonders gründlich gemacht haben“, sagt Amelie Tepper.

Auch wenn die Freizeitaktivitäten wie Chorproben oder Treffen von Studentengruppen teilweise noch stattfinden, verzichtet die 18-Jährige darauf, um die Schwestern, von denen einige zur Risikogruppe gehören, zu schützen. „Sie halten sich größtenteils aus dem öffentlichen Leben heraus und können sich durch die dazugewonnene Zeit wieder mehr auf das Klosterleben konzentrieren“, erläutert die Abiturientin das Verhalten der Birgitten, die überwiegend kontemplativ in ihrem Orden leben.

Ihre neu gewonnene Zeit nutzt Amelie Tepper nun, um kreative Koch- und Backrezepte auszuprobieren, sehr zu Freude der Schwestern, die jetzt jede Woche mit frischen Croissants oder ähnlichen Backwaren verwöhnt werden. „Sonst puzzeln wir viel, lesen oder veranstalten Spielenachmittage mit den Schwes­tern. Zudem haben wir uns aus zwei alten Tischen und einem selbstgenähten Netz eine Tischtennisplatte gebaut“, berichtet die Bonifatius-Praktikantin, die abends gern ihren Tag am nahegelegenen Vätternsee Revue passieren lässt.

Seit Ostern wieder Gottesdienste

Im Garten des Gästehauses gibt es seit Ostersonntag zur Freude der Gemeindemitglieder Out­door-Wortgottesdienste. Jede Woche nehmen mehr Menschen das Angebot in Anspruch. Es werde aber darauf geachtet, dass es nie mehr als die von der Regierung erlaubten 50 Personen sind und immer genügend Abstand eingehalten wird. „Ich glaube, die Gottesdienste helfen den Menschen in dieser doch besonderen Situation, wieder ein bisschen Normalität in ihr Leben zu bekommen. Vor allem ältere Menschen in Risikogruppen, die sich sonst zu Hause isolieren müssen, haben durch die Sicherheitsabstände eine Möglichkeit, nicht ganz aus dem sozialen Leben ausgeschlossen zu werden.“
Natürlich hat die Abiturientin auch Respekt vor dem Virus und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft, jedoch spüre sie die relativ lockeren Maßnahmen der schwedischen Regierung in einer Kleinstadt wie Vadstena nicht so stark wie in der Hauptstadt Stockholm. Die Menschen hier vor Ort seien alle ziemlich gefasst und würden keine Hamsterkäufe machen oder Panik verbreiten.

 

Auch dafür ist Zeit und Muße: Amelie Tepper beim Puzzeln.

Praktikum beenden kommt nicht in Frage

Über das Internet steht sie in ständigem Kontakt mit ihrer Familie und ihren Freunden und kann sich mit ihnen über Sorgen und Probleme schnell austauschen. Ihr Praktikum frühzeitig zu beenden, kam für sie nicht infrage. „Meine Eltern unterstützen mich in meiner Entscheidung, hier zu bleiben, auch wenn sie sich natürlich Sorgen machen, vor allem weil die Situation in Schweden noch entspannter ist als in Deutschland.“ Für Amelie selbst ist es gut zu wissen, dass sie jederzeit die Möglichkeit hat nach Hause zu kommen.

„Wir sind dankbar, dass sich viele unserer Praktikanten in dieser herausfordernden Zeit für ihren Einsatz in den jeweiligen Einrichtungen in Nordeuropa entschieden haben“, sagt der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen.  Alle Praktikanten haben zu Anfang der Corona-Pandemie vom Bonifatiuswerk die Möglichkeit bekommen, ihr Praktikum frühzeitig zu beenden. „Dieses Engagement der jungen Menschen  freut uns umso mehr und zeigt, wie gelebte Solidarität über den Tellerrand hinaus aussehen kann“, meint Austen. Ebenso dankbar ist der Generalsekretär für die Begleitung der Praktikanten vor Ort.

Patrick Kleibold

 

„Im Norden“
Das „Praktikum im Norden“ ermöglicht jährlich rund 20 jungen Menschen einen Aufenthalt in Nord­europa und dem Baltikum, um ihnen unmittelbare Einblicke in das kirchliche Leben in der Diaspora zu bieten. Es ist ein Kooperationsprogramm zwischen dem Bonifatiuswerk und dem Newman Institut im schwedischen Uppsala. Finanzielle Unterstützung erhält es vom Erzbistum Paderborn.

Weitere Informationen: www.bonifatiuswerk.de