31.07.2019

Hildesheimer Dombauverein

„Unterstützer zu Botschaftern machen“

Er ist ein Musterbeispiel romanischer Goldschmiedekunst: Der Godehardschrein in der Krypta des Hildesheimer Domes. Seine Restaurierung wurde maßgeblich durch den Dombauverein möglich.

Ein emotionales Kunstwerk: Dr. Konrad Deufel und Dr. Ralf-Dieter Tappe vor dem Godehardschrein in der Domkrypta. | Foto: Branahl

Der Verein war gerade zwei Jahre alt. „Wir hatten 120 000 Euro zu­gesagt, konnten aus eigenen Mitteln aber nur 40 000 aufbringen“, erinnert sich Konrad Deufel, damals Vorsitzender des Dombauvereins (DBV). Und so machte sich Deufel auf den Weg: zu den Chef­ärzten des St. Bernward Krankenhauses und zu einem großen Versicherungsunternehmen in Hannover. In persönlichen Gesprächen warb er die fehlenden Mittel ein – und traf auf großes Wohlwollen. „Sowohl die Versicherung als auch die Ärzte haben wir später für weitere Projekte gewinnen können“, sagt Deufel.

Sponsoren erleben die Restaurierung mit

Dass die Sponsoren am Ball blieben, dürfte auch daran gelegen haben, dass sie nicht einfach nur als Geldgeber fungierten, sondern Wertschätzung erfuhren: Die Förderer wurden eingeladen und konnten die Arbeiten am Godehardschrein in der Werkstatt persönlich verfolgen. „Unter Aufsicht der Restauratoren durften sie sogar kleine Plättchen annageln“, berichtet Deufel. Dr. Ralf-Dieter Tappe, ehemaliger Geschäftsführer des Vereins, erinnert sich: „Einer hatte sogar Tränen in den Augen und noch heute sprechen die Leute davon. Sie sind dankbar, dass sie die Möglichkeit hatten, bei der Restaurierung dabei zu sein. Das Thema Geld ist dabei ganz in den Hintergrund gerückt.“
 

Die damalige niedersächsische Wissenschaftsministerin Johanna Wanka und Restaurator Uwe Schuchardt begutachten den Schrein. | Foto: bph / Ina Funk

Die Sponsoren konnten nicht nur die Restaurierungsarbeiten beobachten, sondern erfuhren eine weitere Wertschätzung: Eine Liste mit allen Unterstützer-Namen wurde den Godehard-Reliquien beigefügt und liegt jetzt im Schrein – beglaubigt durch ein Siegel des Domkapitels.

Dombauverein lädt zum Bürgerfest ein

Die Aktion passt zum Konzept des DBV: „Unsere Unterstützer sollen unsere Botschafter werden“, sagt Deufel. Immer wieder betont er: „Wir wollen die Anliegen des Dombauvereins in die Bürgergesellschaft tragen. Der Dom als UNESCO-Welterbe ist keine rein katholische Sache, wir müssen das breiter aufstellen.“ Der Dom sei ein Pfund, mit dem die Stadt und das Bistum wuchern könnten. Dazu passt, dass der Dombauverein am 18. August zum Bürgerfest auf den Domhof einlädt (ausführliches Programm in der nächsten KirchenZeitung). Der Domhof solle ein „Platz der Begegnung“ sein, sagt Deufel.

Objekt mit emotionaler Bindung

Froh ist der ehemalige Vorsitzende, dass der Verein bereits für das erste große Vorhaben namhafte Sponsoren gewinnen konnte: „Das war wie ein Gütesiegel und hat uns weitere Unterstützer gebracht.“ Zum Erfolg der ersten Aktion hat aber noch etwas anderes beigetragen: „Mit dem Godehardschrein haben wir ein Objekt gewählt, zu dem man eine emotionale Bindung aufbauen kann. Er hängt unmittelbar mit der Geschichte des Bistums zusammen“, meint Deufel.

Matthias Bode

 

Grundlegend restauriert
Der Schrein mit den Gebeinen des heiligen Godehard ist im 13. Jahrhundert entstanden. Er ist 1,22 Meter lang, 51 Zentimeter breit und 65 Zentimeter hoch. An den Längsseiten ist er mit zwölf Apostelfiguren geschmückt, die Stirnseiten zeigen Christus zwischen Maria und Johannes dem Täufer und auf der gegenüberliegenden Seite den heiligen Godehard flankiert von Bischof Bernhard und einem weiteren Würdenträger.

Der Schrein ist einer der ältesten monumentalen Reliquienschreine des Mittelalters, der heute noch erhalten ist. Während der Domsanierung wurde er grundlegend restauriert. Im Holzkern hatte sich ein Kellerschwamm ausgebreitet. Unterstützt wurde das Forschungs- und Sanierungsvorhaben auch mit erheblichen Mitteln des Landes Niedersachen.