11.06.2018

Botschafterin Schavan verlässt Rom

Eine fromme Diplomatin

Ende Juni endet ihre Amtszeit: Annette Schavan gibt ihr Botschafteramt im Vatikan auf.

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Annette Schavan ist vier Jahre die deutsche Botschafterin am Vatikan gewesen. Foto: kna


Ihr Amtsantritt stand zunächst unter keinem guten Stern. Als Anfang 2014 bekannt wurde, dass Annette Schavan ein Jahr nach der Aberkennung ihres Doktortitels und dem Rücktritt als Bundesbildungsministerin neue Botschafterin Deutschlands beim Vatikan werden sollte, gab es teils heftige Kritik. Im Auswärtigen Amt wurde bemängelt, ohne Studienabschluss fehlten ihr die "Eingangsvoraussetzungen für den höheren Auswärtigen Dienst".

Doch Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt an ihrer geschätzten Parteikollegin fest. Am 8. September 2014 übergab Schavan ihr Beglaubigungsschreiben an Papst Franziskus. Am 28. Juni nun wird sich die dann 63-Jährige aus Rom verabschieden - nach knapp vier Jahren, in denen Deutschlands Vatikanbotschaft sichtbarer geworden hat.

Das liegt auch daran, dass die erste Frau auf diesem Posten keine Diplomatin im traditionellen Sinn ist. Schavan hat keine entsprechende Ausbildung geschweige denn Laufbahn hinter sich. Sie ist ein politisch denkender und handelnder Mensch, hat das auch als Diplomatin nicht verleugnet. Zudem ist sie bekennende Katholikin; sie besteht etwa vor einem TV-Interview darauf, dass im Hintergrund ein Kreuz an der Wand zu sehen bleibt. Auch ihr rheinisches Naturell war dem Drang, Kontakte zu knüpfen und Leute ins Gespräch zu bringen, nicht abträglich.

 

Kaum ein Botschafter war so umtriebig wie Schavan

Zwar organisieren auch andere Botschaften Veranstaltungen, meist kultureller Art. Aber kaum jemand war so umtriebig wie Schavan. Dank ihrer Kontakte in Politik und Wissenschaft ging sie theologische ebenso wie politische Themen an: Gesprächsabende mit Kardinälen und Bischöfen sowie Vertretern von Islam und Judentum; Konferenzen an der Päpstlichen Universität Gregoriana zur Kirchengeschichte oder zum Klimaschutz gemeinsam mit den Botschaften Georgiens und der Niederlande. Die Reihe ließe sich fortsetzen. Unter Schavan hat sich die Zahl der Besucher in der Botschaft wohl verdreifacht.

Als eine Aufgabe einer Botschafterin nannte Schavan einmal, Dinge möglich zu machen, die zuvor unmöglich schienen. So etwa die vollen diplomatischen Beziehungen mit dem Souveränen Malteserorden. Der hat seine meisten ehrenamtlichen Mitarbeiter in Deutschland - das wiederum seit Jahrzehnten auch international mit dem Orden zusammenarbeitet.

Dennoch gab es in Berlin lange Widerstand gegen volle diplomatische Beziehungen. Es ist vor allem Schavans Überzeugungsarbeit zu verdanken, dass im November 2017 Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) und Großkanzler Albrecht von Boeselager am Sitz des Ordens auf dem römischen Aventin-Hügel ein entsprechendes Abkommen unterzeichneten.

 

Welt der Kirche war Schavan nicht so fremd, wie machem Amtsvorgänger

Als studierte Theologin und immer in der katholischen Kirche Aktive war Schavan in ihrem Element, als sie 2014 nach Rom kam. Die Welt der Kirche, des Vatikan, war ihr nicht so fremd wie manchem ihrer Amtsvorgänger zu Beginn. Gleichwohl half die Zeit in Rom, besser zu verstehen und fragen zu können, "weil ich hier so viel über andere Sichtweisen und Kulturen erfahre", so Schavan.

Als Botschafterin Berlins vertrat sie nicht nur die Bundesrepublik beim Heiligen Stuhl, etwa bei internen Gesprächen zur Migrationspolitik. Umgekehrt erklärte sie in Deutschland den Vatikan und den Papst. Was Franziskus sage, "aber auch wie er agiert, ist weniger mahnend, sondern in erster Linie ermutigend", so Schavan. Gleichzeitig sei er "kein Fantast; er weiß, wie anspruchsvoll Integration in jeder Gesellschaft ist", weigere sich aber, Christen aus ihrer Verantwortung zu entlassen.

Wenn Ende Juni der Umzugswagen die Botschafterresidenz in der Via dei Tre Orologi verlässt, geht es zurück nach Ulm. Nachdem nicht Schavan, sondern der frühere Bundestagspräsident Norbert Lammert den Vorsitz der Konrad-Adenauer-Stiftung übernommen hat, erfährt die Frage, was sie anschließend mache, keine ganz konkrete Antwort: Schreiben, Vorträge, Gastprofessorin an einer Universität in Shanghai, Aufgaben in Stiftungen wie der für "Bibel und Kultur" ... Langweilig werde ihr nicht, sagen sie selbst und andere, die sie kennen. Und damit ist fest zu rechnen.

kna