13.02.2019

Diskussionen um Reformen der Kirche

Bischöfe ringen um Kurs der Kirche

Die Diskussionen um Reformen in der deutschen Kirche werden immer lauter. Kein Thema bleibt unangetastet. Einige Bischöfe wünschen sich eine breite Debatte, in der auch Laien mitwirken und die verbindliche Beschlüsse fasst. Doch es gibt auch andere Stimmen. 

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Beten für die Zukunft: Die katholische Kirche sieht ungewissen Zeiten entgegen. Foto: kna


Stürmische Zeiten für die katholische Kirche: steigende Austrittszahlen, Priestermangel, regionale Finanzwirren. Und der Missbrauchsskandal, der manches in Bewegung bringt. In diesen Kontext gehören auch ein Offener Brief mit Veränderungswünschen an Kardinal Reinhard Marx und nun ein internes Papier mit Reformideen von Bischöfen.

Der Vorstoß der vier Oberhirten, über den die „Zeit“-Beilage „Christ und Welt“ berichtet, hat es in sich. Die Bischöfe Peter Kohlgraf, Franz-Josef Overbeck, Karl-Heinz Wiesemann und Stefan Oster bescheinigten der Kirche eine „existenzielle Krise“. Und: „Leben und Reden fallen in der Kirche weit auseinander.“ Als Ausweg sollen sie auf ihrem jüngsten turnusgemäßen Treffen eine „synodale Veranstaltung“ vorgeschlagen haben, eine breite Debatte unter Mitwirkung von Laien, mit verbindlichen Beschlüssen.

Wie das Blatt berichtet, stieß die Initiative beim Ständigen Rat der Diözesanbischöfe auf gemischte Reaktionen. Sie soll ohne Abstimmung wieder zurück in die Schublade gewandert sein. Ob das zutrifft? „Interne Beratungen kommentieren wir nicht“, sagt Bischofskonferenz-Sprecher Matthias Kopp.

Viele Fragen bewegen die Gläubigen. Nicht nur wegen immer größerer Pfarrverbände und der Angst, dass die Kirche nicht mehr im Dorf bleibt. Hinzu kommen Debatten um Zölibat, Sexualmoral, Klerikalismus. Kein Thema bleibt unangetastet. An Ratschlägen, wie die Kirche wieder auf Kurs kommen könnte, mangelt es nicht. Kulturstaatsministerin Monika Grütters betont, ein Ende der Zölibatspflicht wäre für viele Kleriker wie Laien „eine so große Erleichterung“.

Plädoyer für Bewegung in der Frage des Zölibats

Diese Forderung zählt auch zu den Kernthemen des Offenen Briefs an Kardinal Marx. Das Schreiben von neun Unterzeichnern hat weitere Unterstützer gefunden, aber auch Kritik von konservativer Seite ausgelöst. Ein Vorwurf: der Missbrauchsskandal werde für altbekannte Reformideen instrumentalisiert. 

Die deutschen Bischöfe ringen darum, welcher Weg der richtige ist und wie viel Anpassung an das moderne Menschenbild mit seiner veränderten Sicht der Sexualität die Kirche aushält, ohne ihre Lehre aufzugeben. Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, deutet Spielräume bei der Weiterentwicklung der katholischen Sexualmoral an. Für eine deutschlandweite Synode fehlt derzeit offenbar die nötige Mehrheit. Also noch mal eine Art Gesprächsprozess? Am wichtigsten dürfte sein, dass greifbare Ergebnisse herauskommen. 

Bischof Kohlgraf regte zuletzt Bewegung in der Zölibatsfrage an: „Ich würde es begrüßen, wenn es unterschiedliche Zugangswege zum Priesteramt gibt.“ Anfang März treffen sich die deutschen Bischöfe zur Vollversammlung in Lingen. Es bleibt spannend.

Thomas Winkel