20.02.2019

Brauch von Hausmessen

Messe im Wohnzimmer

Einen Gottesdienst zusammen mit der Familie oder Freunden in der eigenen Wohnung feiern: Das kann eine intensive Erfahrung sein. Dennoch sind solche Hausmessen ein wenig in Vergessenheit geraten.

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Eine urchristliche Tradition: Hausgottesdienste gab es schon immer; heute werden sie aber selten gefeiert. Foto: kna


Ein Gottesdienst als Preis in einem Gewinnspiel? Was skurril klingt, hat der evangelische Pfarrer Hannes Schott aus Bayreuth ausprobiert. Über Facebook verloste er Gottesdienste. Die Gläubigen mussten seinen Beitrag kommentieren und konnten so einen Gottesdienst mit Schott in der eigenen Wohnung gewinnen. 53 Menschen nahmen an der Verlosung teil, fünf Hausgottesdienste hat Schott letztlich gefeiert. 

„Man stellt sich als Pfarrer schon die Frage, wie man die Menschen erreicht und wie man gerade die erreicht, die nicht mehr sonntags in den Gottesdienst kommen“, sagt Schott. Freunde, die in einem ähnlichen Stil Hauskonzerte über die sozialen Netzwerke verlost hatten, haben ihn zu seinem Projekt inspiriert. „Da habe ich mir gedacht: Das wäre doch mal ein Konzept, auch als Pfarrer quasi zu touren.“

Viele seiner Kollegen seien begeistert von der Idee, obwohl sie eigentlich nicht neu ist, sagt er: „Das ist ja etwas Urchristliches, im Wohnzimmer Gottesdienst zu feiern.“ Evangelische Pfarrer böten immer wieder Hausabendmahl an und besuchen Leute daheim. „Aber das als Wohnzimmerkirche zu bezeichen, das war zumindest in diesem Rahmen den Menschen nicht geläufig.“ 

Für Goldene Hochzeit oder Haussegnung

Hausgottesdienste gibt es auch in der katholischen Kirche schon immer – nur gefeiert werden sie selten. Domkapitular Hermann Rickers aus Osnabrück hat in seinem Priesterleben mehrfach Gottesdienste bei Gläubigen zu Hause gefeiert, vor allem Goldene Hochzeiten. Manchmal könne das Paar aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in die Kirche kommen, ihm sei der Gottesdienst aber wichtig, sagt Rickers. Zum Hausgottesdienst könnten dann auch Kinder und Enkelkinder kommen und im Anschluss sei noch Gelegenheit, sich zu unterhalten.

Auch eine Hauseinweihung könne man mit einer Messe im neuen Wohnzimmer verbinden, oder die Krankenkommunion mit einer Hausmesse bei einem kranken oder alten Gemeindemitglied.  „Das ist ja auch schön, dass dann die Kirche zu den Leuten kommt, die eigentlich sonntags dabei sein wollten, aber wegen einer Krankheit nicht können.“ 

Der Anlass für einen Hausgottesdienst muss passen, findet Rickers. Beispielsweise sei es nicht möglich, jeden Besuch zur Krankenkommunion als Hausgottesdienst zu gestalten. „Ich kann ja nicht fünf oder sechs heilige Messen hintereinanderketten, das muss schon einigermaßen stimmig sein“, sagt er. 

Für Hannes Schott spielte der Anlass keine Rolle bei der Verlosung der Gottesdienste. Die musikalische Gestaltung habe er an die Gastgeber abgegeben, und er sei auch sonst auf viele Wünsche eingegangen, sagt Schott. Er habe gemerkt, dass die klassische liturgische Sprache nicht mehr funktioniere, weil man allein räumlich den Gläubigen viel näher sei.

Als Priester wurde er bei seinen Besuchen anders wahrgenommen als üblich. „Man wird als Pfarrer empfangen, wie man sonst kaum mehr als Pfarrer empfangen wird, nämlich als wenn man der Star wäre“, sagt Schott. Er sei so auch mit Menschen in Kontakt gekommen, die sonst nicht in den Sonntagsgottesdienst kämen. 

Manche Familien hätten beispielsweise ihre Nachbarn eingeladen, um mit ihnen den Wohnzimmergottesdienst zu feiern. „Der Vorteil ist natürlich, die Menschen merken, die Kirche ist nicht so altmodisch und verstaubt, wie sie vielleicht in den Köpfen drin ist, sondern kann auch solche innovativen Aktionen machen.“ Die Gottesdienste hätten für ihn auch einen missionarischen Charakter, sagt Schott. „Ich glaube, die Menschen denken gar nicht, dass der Pfarrer wirklich für sie Zeit hat, um wirklich mal mit ihnen einen eigenen Gottesdienst zu Hause zu feiern. Sie denken, der Pfarrer legt so viel Wert auf seine Kirche, da muss ich in die Kirche kommen, um den Gottesdienst mit ihm zu feiern.“ 

Sonntagsmesse ist Mitte der Gemeinde

Den Sonntagsgottesdienst der Gemeinde könnten und dürften Hausmessen aber nicht ersetzen, betont Hermann Rickers. Diese Gottesdienste seien für das Gemeindeleben extrem wichtig. „Sonst bricht Gemeinde auseinander. Gemeinde lebt vom Gemeinsam-Sein und das geht über die Generationen hinweg. Die Mitte einer christlichen Gemeinde ist die Sonntagsmesse“, sagt er. „Wenn man diese Mitte verschiebt, verschiebt man letztlich auch die Mitte des Gemeinde.“

Auch Hannes Schott war wichtig, seine Wohnzimmergottesdienste nicht am Sonntagvormittag zu feiern. „Dann können die Leute auch zu mir in die Kirche kommen“, sagt der evangelische Geistliche. Die Hausgottesdienste waren für ihn eher Ergänzung und Zusatzangebot zu den Sonntagsmessen. „Wenn diese Leute dann sagen ‚Mensch, der Pfarrer war ganz sympathisch und Gottesdienst feiern ist eigentlich ganz schön‘ und dann am Sonntag wieder am Gottesdienst andocken, das wäre natürlich das Beste.“

Christoph Brüwer