25.06.2019

Was ist aus den Ergebnissen der Jugendsynode geworden?

Hürden für die Umsetzung

Nachbereitung im italienischen Ciampino: 300 Jugendliche fragen sich, was aus den Ergebnissen der Jugendsynode geworden ist.

Foto: kna/Romano Siciliani/Stefano dal Pozzolo
Wie können Jugendliche in der Kirche mitwirken? Diese Frage beschäftigte unter anderem die Teilnehmer der Jugendsynode im Vatikan im vergangenen Oktober. Foto: kna/Romano Siciliani/Stefano dal Pozzolo


Von so viel organisiertem Einsatz waren auch die gut strukturierten Deutschsprachigen beeindruckt. Was die junge Uganderin darüber erzählte, wie in ihrem Land die Bischofssynode zum Thema Jugend vorbereitet wurde, hinterließ Eindruck: der Fragebogen des Vatikan tausendfach ausgedruckt und kopiert, persönlich in Schulen getragen, bekanntgemacht und wieder eingesammelt, über Chatgruppen verteilt, geteilt, nachgefragt und schließlich nach Rom geschickt.

"Für die jungen Leute in Uganda war das eine einmalige Chance, dem Papst direkt sagen zu können, was sie bewegt, was sie sich wünschen", erzählt Daniela Ordowski. Die 26-jährige Studentin der Politikwissenschaft ist aus Deutschland in das Exerzitienhaus "Il Carmelo" in Ciampino bei Rom gekommen. Zusammen mit fast 300 anderen Delegierten beriet sie dort drei Tage lang über praktische Folgen der Jugendsynode vom vergangenen Oktober in Rom.

Die Ugander hätten einen Einsatz gezeigt, "der uns Westler fast beschämt hat", gesteht Ordowski. Eva Wimmer (21) aus Wien sowie Roman Fiabane (26) aus Zürich, wie Ordowski Delegierte ihrer Bischofskonferenzen, nicken. Wimmer und Ordowski waren auch bei der sogenannten Jugend-Vordynode im April 2018 in Rom dabei.

 

"Wir jungen Christen wollen nicht nur gehört werden"

Wie damals sind sie erneut beeindruckt von der Vielfalt der Kulturen und Erfahrungen. Und dem gemeinsamen Nenner: Wir jungen Christen wollen nicht nur gehört werden, sondern mitmachen. Das, was der Papst in seinem Schreiben "Chistus vivit" fordert, müsse auch gelebt werden zwischen jungen Menschen und etwa den Bischöfen, sagt Wimmer.

"Wenn ich zurückkomme, sehe ich mich einer klerikalen Phalanx von Priestern gegenüber, die von 'Christus vivit' noch nichts gehört haben", zitiert sie eine Teilnehmerin, mit der sie sprach. Woher die andere Frau kam, mag die Delegierte der Katholischen Jugend Österreich aus Rücksicht nicht sagen. Aufmunternde Papstworte hin oder her: In manchen Kulturen sei es noch nicht vorgesehen, dass eine junge Frau einem älteren Mann, dazu Bischof, Vorschläge macht, gar Kritik vorträgt. Erzählt wird so etwas aber nur in kleineren Arbeitsgruppen - oder am Mittagstisch.

Es sei frappierend, wie stark sich Redebeiträge im Plenum von denen in kleiner Runde unterscheiden, finden Fiabane, Wimmer und Ordowski. So war die Theologiestudentin Wimmer überrascht, als sie nach ihrem Eröffnungsimpuls am Mittwoch für deutlich mehr Mitwirkung von Frauen in der Kirche von vielen starkes Lob zu hören bekam. In ihrem Bistum nach Diakoninnen in der Kirche zu fragen, sei für sie nicht denkbar, gestanden manche. Umso größer der Applaus im Plenum für Linda Ghisoni als leitende Vatikanmitarbeiterin des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben, das das Forum organisiert.

Viel gelobt und zitiert wird auch die päpstliche Umwelt-Enzyklika "Laudato si". Trotzdem ernten die Deutschsprachigen verdutzte Blicke, wenn sie eigene Gläser aus dem Rucksack kramen und demonstrativ auf den Tisch stellen. Mit Blick auf die überall angebotenen Plastikbecher meint Thomas Andonie vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ): "Da muss man in Italien und im Vatikan noch dazulernen."

 

Jugendforum als Teil der Nachbereitung der Bischofssynode

Eine sogenannte Vorsynode im April 2018 in Rom sollte die Bischofssynode mit vorbereiten. Das IX. Internationale Jugendforum, wie es offiziell heißt, in Ciampino ist Teil der Nachbereitung. Eine solche sieht die vom Papst erlassene neue Synodenordnung auch regional vor. Die Frage, wie so etwas einschließlich konkreter Folgen genauer aussehen kann, bleibt allerdings offen. Das Ziel des Forums sei nicht ganz klar, kritisiert Fiabane. Immerhin wollen einzelne Arbeitsgruppen ihre eingerichteten Chatgruppen beibehalten.

Folgen haben werde das Forum umso eher, je mehr sich die Teilnehmer vernetzen, mahnt auch Franziskus am Samstagmittag bei einer Begegnung mit den rund 300 Teilnehmern des Jugendforums. Die jungen Menschen seien die "Hauptfiguren einer pastoralen Bekehrung der Kirche", so der Papst. Die Kirche brauche sie unbedingt.

Eine von den Jugendlichen gern gehörte Forderung, deren Umsetzung allerdings auf mindestens zwei Hürden stößt, wie die Teilnehmer berichten: Zum einen lassen die Alten die Jungen nicht überall wirklich mitmachen. Zum anderen ist angebotene Mitwirkung vielen Jungen zu kompliziert. In der Schweiz sei ja einiges möglich, sagt Roman Fiabane. Etlichen aber sei das zu kompliziert und langwierig.

Bessere Strukturen allein reichen zur Erneuerung der Kirche nicht aus. Es brauche auch, wie Kardinal Farrell in der Abschlussmesse am Samstag fordert, das gelebte Bekenntnis, wie wichtig einem der Glaube an Jesus Christus ist. Sonst verlösche das Feuer der Begeisterung sehr schnell, mahnte der Papst zum Abschluss.

kna