14.01.2019

Krise der US-Kirche

Vorwürfe waren früher bekannt

Neue Wendung im Missbrauchsskandal der US-Kirche: Kardinal Donald Wuerl wusste früher von den Vorwürfen gegen Theodore McCarrick als er zugibt.

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Er wusste es: Kardinal Donald Wuerl meldete 2004 Vorwürfe gegen Kardinal Theodore McCarrick an den Vatikan. Foto: kna


US-Kardinal Donald Wuerl hat sehr viel früher von den Vorwürfen gegen Ex-Kardinal Theodore McCarrick wegen sexueller Übergriffe gewusst, als er öffentlich eingeräumt hatte. Die Erzdiözese Washington und das Bistum Pittsburgh, wo Wuerl tätig war, bestätigten entsprechende Recherchen der Washington Post.

Demnach meldete Wuerl bereits 2004 Vorwürfe gegen den prominenten Kardinal an den Vatikan. Ein Betroffener, der für sexuelle Verfehlungen im Priesterseminar durch McCarrick entschädigt worden war, hatte die Zeitung auf ein Dokument hingewiesen, das dem Bistum Pittsburgh vorliegt und das Wissen Wuerls beweist.

Eine Grand Jury des Bundesstaats Pennsylvania hatte dem Bistum im vergangenen Jahr vorgehalten, auch während der Amtszeit Wuerls nicht genügend getan zu haben, um Missbrauchsfälle und sexuelle Übergriffe aufzuarbeiten und betroffene Geistliche aus dem Amt zu entfernen.

Wuerl hatte bestritten, von den Vorwürfen gewusst zu haben

Wuerl hatte vor seinem Rückzug in den Ruhestand im vergangenen Herbst wiederholt bestritten, etwas von Vorwürfen gegen seinen Vorgänger in Washington, Theodore McCarrick (88), gewusst zu haben. Mit Blick auf die Vorwürfe gegen den prominenten Kardinal hatte der 78-Jährige in einer Stellungnahme erklärt, "in meinen Jahren hier in Washington und selbst davor nichts davon gehört zu haben".

Der Fall McCarrick stürzte die katholische US-Kirche in eine schwere Glaubwürdigkeitskrise, die durch die Enthüllungen nun weiter vertieft wird. Weitere Berichte der Washington Post, wonach der Vatikan eine baldige Enthebung McCarricks aus dem Priesterstand plant, wurden bisher nicht bestätigt.

Papst Franziskus hatte Theodore McCarrick (88) Ende Juli 2018 aus dem Kardinalsstand entlassen. Seither lebt er zurückgezogen in einem Kapuzinerkloster im US-Bundesstaat Kansas. Zuvor war ihm Missbrauch von Minderjährigen in den 1970er Jahren vorgeworfen worden. Umstritten ist, was im Vatikan über den sexuellen Umgang McCarricks mit Theologiestudenten in früheren Jahren bekannt war. Vor seiner Zeit als Erzbischof von Washington (2001 - 2006) soll er zahlreiche erwachsene Priesteramtskandidaten zum Sex verführt haben. Ex-Vatikandiplomat Carlo Maria Vigano hatte Papst Franziskus und mehreren Kardinälen vorgeworfen, McCarrick trotz seiner Vorgeschichte mit wichtigen Aufgaben betraut zu haben. Franziskus hat eine gründliche Untersuchung des Falles angeordnet.

kna