24.06.2019

Anfrage

Warum segnet ein Bischof gleich mehrfach?

Beim Auszug am Ende eines Pontifikalamts verteilt der Bischof nach allen Seiten den Segen – unmittelbar nachdem er mit einem Segen den Gottesdienst beendet hat. Ist das nicht überflüssig? Kann der Schlusssegen noch gesteigert werden? K. K., Lübeck

Ihre Anfrage ist berechtigt, denn: Nein, Segen kann nicht gesteigert werden. Und der Segen eines Bischofs ist auch nicht segensreicher als der jedes anderen getauften Christen, der etwa sein Kind segnet.

Dennoch sieht das Zeremoniale, das Buch für den Bischofsgottesdienst, das so vor. Dort heißt es, der Einzug erfolge „nach folgender Ordnung: ... der Bischof mit Mitra und Stab, den er in der linken Hand trägt, während er mit der rechten segnet.“ (Nr. 128); und beim Auszug: „... kehren in derselben Ordnung wie beim Einzug in Prozession in die Sakristei zurück.“ (Nr. 170).

Der Osnabrücker Domzeremoniar Martin Rohner erkennt darin zunächst eine alte Tradition aus Zeiten, als dem bischöflichen Segen tatsächlich nahezu magische Kräfte zugewiesen wurden. „Und diese Tradition wurde dann fortgeschrieben“, sagt er. Auch wenn es keinen theologischen Grund dafür gibt.

Eine andere Frage ist, ob der Ritus deshalb auch pastoral überflüssig ist. „Es ist in der Liturgie ja immer so, dass man Riten mit Leben füllen kann – oder sie einfach runterspult“, sagt Rohner. Das gilt auch für das Segnen beim Auszug. „Es kann zu einer paternalistischen, fast schon höfischen Geste verkommen, wenn jemand mit der Hand wedelnd durch den Mittelgang schreitet“, sagt er. Gerade in der Debatte, wo Klerikalismus in der Liturgie sichtbar wird, könnte man diese nennen.

Andererseits könne man den Segensritus aber auch sinnvoll vollziehen, dann nämlich, wenn er einen Moment der persönlichen Nähe herstellt, die in einer großen Domliturgie sonst kaum möglich ist. „Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in der vorletzten Reihe, sehen kaum was, und dann kommt der Bischof beim Auszug direkt bei Ihnen vorbei, schaut Ihnen in die Augen und segnet sie. Das kann schon eine gute Erfahrung sein.“ Die Erfahrung nämlich, dass ich nicht nur als Teil einer Masse zähle, sondern ganz persönlich gemeint bin. Wenn der Segnende mir das vermittelt.

Susanne Haverkamp