17.10.2019

Lebensmittelverschwendung

Kein Essen in die Tonne!

Pro Sekunde werden in Deutschland Hunderte Kilo Lebensmittel weggeworfen. Ein Großteil dieser Abfälle ist vermeidbar. Doch Gesetze allein werden die Verschwendung nicht stoppen – wenn wir unsere Einstellung zu Lebensmitteln nicht ändern. 

Foto: istockphoto/ MachineHeadz
Druckstellen an der Banane, trockenes Brot, Milch, die seit einem Tag abgelaufen ist: Solche Lebensmittel landen immer wieder im Mülleimer. Foto: istockphoto/MachineHeadz


Rund zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel landen laut einer Studie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft in Deutschland jedes Jahr im Müll. Weil sie eine Delle haben, das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist – oder sie einfach niemand mehr essen möchte. Das ist nicht nur moralisch fragwürdig, sondern auch klimaschädlich. Allein die vermeidbaren Lebensmittelabfälle tragen mit etwa 48 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr massiv zum Klimawandel bei. Das hat die Deutsche Umwelthilfe berechnet. 

Dabei ist das Bewusstsein für den verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln in den vergangenen Jahren gestiegen. Foodsharing liegt im Trend: Lebensmittel, die nicht benötigt werden, werden mit anderen geteilt. In vielen Städten holen Aktivisten nichtverkaufte Waren im Supermarkt ab, um sie vor der Mülltonne zu retten. In diesem Zusammenhang wird oft gefordert, dass Supermärkte gesetzlich verpflichtet werden sollten, diese Lebensmittel zu spenden, zum Beispiel an Organisationen wie die Tafeln. In Frankreich bekommen Unternehmen dafür sogar Steuererleichterungen. Dort ist die Menge der weggeworfenen Lebensmittel zurückgegangen. 

Allein ein solches Gesetz wird gegen die Lebensmittelverschwendung aber nur wenig ausrichten können. In Deutschland stammen gerade einmal vier Prozent der Lebensmittelabfälle aus Supermärkten. Ein weitaus größerer Teil geht viel früher verloren: Lebensmittel, bei denen Form, Farbe oder Größe nicht stimmen, werden gar nicht erst geerntet, weil sie den Anforderungen des Handels und der Verbraucher nicht genügen.  

Die meisten Lebensmittelabfälle fallen in privaten Haushalten an: rund 85 Kilo pro Kopf und Jahr. Grund dafür ist oft ein überschrittenes Mindesthaltbarkeitsdatum. Politiker fordern deshalb, die Worte „mindestens haltbar bis“ durch einen neuen Begriff zu ersetzen: „am besten vor“. Das eigentliche Problem liegt tiefer: Es fällt uns zu leicht, Lebensmittel in den Müll zu werfen, weil sie für uns selbstverständlich sind. Viele Verbraucher haben deshalb zwar ein schlechtes Gewissen – dabei bleibt es aber auch. 

Wie viel schmeiße ich eigentlich weg? 

Dabei gibt es einfache Mittel, Verschwendung zu vermeiden. Den Lockangeboten im Supermarkt widerstehen Verbraucher am besten, indem sie ihre Einkäufe genau planen. Um zu verhindern, dass Lebensmittel verderben, ist es wichtig, sie richtig zu lagern. Wenn trotzdem etwas übrig bleibt, können die Reste über Plattformen wie Foodsharing.de geteilt werden. 

Bis 2030 will die Bundesregierung die Lebensmittelverschwendung in Deutschland um die Hälfte reduzieren. Verbraucher sollen vor allem über Kampagnen angesprochen werden. Aber auch der Handel soll mitziehen. Konkrete Maßnahmen gibt es dafür nicht. Unternehmen sollen ihre Lieferketten freiwillig überprüfen. Dabei könnten in diesem Fall tatsächlich Gesetze helfen. Händler könnten zum Beispiel verpflichtet werden zu dokumentieren, wann sie Lebensmittel wegwerfen. Und auch für Verbraucher könnte es ein guter erster Schritt sein, einfach mal nachzurechnen: Wie viele Lebensmittel schmeiße ich eigentlich weg?

Sandra Röseler