13.06.2018

Die ersten fünf Bände wurden sorfältig restauriert

Alte Buchschätze wiedergefunden

Auf dem Dachboden des Duderstädter Ursulinenklosters lagerten jahrhundertealte Bücher. Jetzt wurden sie ausgepackt und die ersten fünf Bände sorgfältig restauriert.

Ursulinenschwester Ingeborg Wirz und Klosterarchivarin Dr. Bettina Bommer freuen sich über das restaurierte „Missale Basiliense“ von 1488. | Foto: Broermann

Ganz genau wusste niemand mehr, was dort vor 25 Jahren zur Klosterrenovierung auf den Dachboden geschafft wurde. Immerhin waren alle Bände sorgsam in Leinentücher gewickelt. „Die Bücher sind wunderschön alt, bei jedem Buch haben wir nur gestrahlt“, berichtet Schwester Ingeborg Wirz, die Geschäftsführerin der Klosterstiftung. Viele stammen aus der Zeit der Klostergründung vor 300 Jahren. „Dann war da auf einmal ein ganz altes, da hüpft das Herz vor Freude“, berichtet Wirz. Das „Missale Basiliense“ von 1488 entstand sogar noch vor der Ordensgründung der Ursulinen im Jahr 1535.

Zusammen mit Klosterarchivarin Dr. Bettina Bommer wurden die Bücher geordnet. Hilfe kam auch aus der Familie der Geschäftsführerin. Ihre leibliche Schwester war Bibliothekarin der Nordelbischen Kirchenbibliothek in Hamburg. Über ihre Kontakte konnten schließlich auch Sponsoren für die ersten Restaurierungen gefunden werden. „Pro Band sind zwischen 2800 und 4500 Euro nötig“, sagt Wirz. Sowohl die „Gerhard und Katharina Hoffmann-Stiftung“ als auch die „Jürgen und Monika Blankenburg-Stiftung“ bezahlten die bisherigen Rechnungen.

Zerlegt, gereinigt, ergänzt und wieder zusammengesetzt
Insgesamt wurden rund 1000 Bücher ausgepackt und in Regalen neu geordnet. Darunter befinden sich Missale, Bibeln und Breviere. Nach und nach sollen die 100 bedürftigsten Bände restauriert werden. „Die Bände werden zerlegt, gereinigt, was fehlt wird mit gleichfarbigem Material ergänzt, und alles wieder zusammengesetzt“, beschreibt Wirz die Arbeiten durch eine Braunschweiger Werkstatt. Manchmal gab es auch ein Döschen mit rausgekehrtem Staub zurück ins Kloster.

„Wir wünschen uns natürlich, dass viele Menschen diesen Schatz nicht nur bewundern, sondern auch daraus lesen, was in den vergangenen Jahrhunderten eigentlich los war“, hofft Wirz. Es brauche aber noch zahlreiche Spenden, um viele Bände möglichst schnell restaurieren zu lassen.

Der Wissenschaft sollen die Bücher immer zugänglich sein. Für die Öffentlichkeit sind Ausstellungen vorgesehen.

Vom 22. Juni bis 23. September zeigt das Heimatmuseum (Bei der Oberkirche 3) den ältesten Band von 1488 zusammen mit weiteren Büchern aus Duderstädter Sammlungen in der Ausstellung „Dem Vergessen entrissen!“. Zur Vernissage lädt das Museum am Dienstag, 19. Juni, um 20 Uhr in die gegenüberliegende Basilika St. Cyriakus ein.

Johannes Broermann