16.09.2020

Auf den Spuren der frühchristlichen Missionare

Reisen mit dem Fahrrad sind nicht nur in Corona-Zeiten eine gute Urlaubsalternative. In einer kleinen Serie stellen wir unsere schönsten Radtouren im Norden vor. Der von Bremen nach Fehmarn führende Mönchsweg bietet Bewegung, Ruhe und spannende historische Einblicke.

Blick vom Mönchsweg über den Plöner See auf die Nikolaikirche.

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? In Corona-Zeiten besinnt sich manch urlaubshungriger Deutscher auf das geflügelte Wort und verbringt die Ferien im Inland. Ein Tipp für alle, die Bewegung in der Natur in Kombination mit Ruhe und einer Portion Geschichtswissen suchen, ist der Mönchsweg in Norddeutschland.

Der 530 Kilometer lange Radfernweg führt von Bremen auf naturnahen, beschilderten Wegen durch das nördliche Niedersachsen und Schleswig-Holstein bis nach Puttgarden auf Fehmarn. Dabei folgt er den Spuren der Mönche, die das Christentum im Mittelalter in den Norden brachten. Davon zeugen mehr als 100 Kirchen am Weg, deren Türme die flache, norddeutsche Landschaft prägen. Daneben gibt es Flussdeiche, Bibelgärten, historische Orgeln, alte Mühlen, Naturschutzgebiete und vieles mehr zu entdecken.

Seit Lockerung der Corona-Maßnahmen ist die Nachfrage nach der Pilgertour groß. „Das Interesse an Radreisen schnellt zurzeit in die Höhe“, heißt es von dem in Kiel ansässigen Trägerverein des Mönchswegs.

Startpunkt ist der Bremer Sankt Petri Dom, von wo im 9. Jahrhundert auch die Christianisierung der Germanen und Slawen im Norden ihren Ausgang nahm. Der Benediktinermönch Ansgar (801–865) machte Bremen zu seinem Bischofssitz, nachdem er zuvor von den Wikingern aus Hamburg vertrieben worden war. Von hier aus gründete der «„Apostel des Nordens“ zahlreiche Kirchen.

Radler auf dem Mönchsweg passieren die Kirche in Großenwörden.
Auch diese Kirche lädt ein zur Pause und zum kurzen Gebet.

Der Mönchsweg verläuft bald durch ländliche Umgebung, etwa durch den Naturwald Braken bei Harsefeld, der schon um 1100 von den Benediktinermönchen geschützt und nachhaltig bewirtschaftet wurde. In Richtung Norden geht es durch das Alte Land, das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Nordeuropas. Von Wischhafen bringt eine Fähre die Radfahrer über die Elbe, die an dieser Stelle schon fast einem Meer gleicht, nach Schleswig-Holstein.

Glück erhoffte sich und seinem Volk Dänen-König Christian IV., als er im beginnenden 17. Jahrhundert Glückstadt am Ufer des Flusses gründete und so einen Gegenpol zu dem wirtschaftlich erstarkenden Hamburg erschaffen wollte. Doch eine Sandbank in der Elbe sorgte letztendlich dafür, dass Glückstadt schon im 18. Jahrhundert im Vergleich zu Hamburg ins Hintertreffen geriet und so zu einem verträumten Städtchen mit heute rund 11 000 Einwohnern wurde. Ob der
spätbarocken Architektur und des einmaligen am Reißbrett geplanten Grundrisses lohnt ein Besuch.

Von Glückstadt schlängelt sich der Mönchsweg entlang des Flusses Stör über Itzehoe mit seinem Zisterzienser-Kloster und der Sankt-Laurentii-Kirche vorbei am Schloss Breitenburg durch den Kreis Steinburg. Von Bad Bramstedt führt die Route – vorbei am Wildpark Eekholt – bis nach Bad Segeberg.
 

Bruder Matthäus im Kloster Nütschau hält
gern einmal kurz das Fahrrad eines Besuchers.

Von hier aus bietet sich ein Abstecher zum idyllisch gelegenen Kloster Nütschau an, wo Gelegenheit besteht, echten Mönchen zu begegnen. Das frühere Herrenhaus wird von Benediktinermönchen bewohnt, die gern Einblick in ihr von Arbeit und Gebet geprägtes Zusammenleben geben und Pilger beherbergen.

Auf den Spuren des Heiligen Vicelin (um 1090–1154) geht es vorbei an Vicelinkirchen in Bornhöved und Bosau. Die Tour führt durch die traumhaft schöne, von Seen und Wäldern geprägte Holsteinische Schweiz nach Oldenburg, das einst Bischofssitz des Slawenmissionars war. Über die Fehmarnsundbrücke erreicht der Pilger schließlich die Ostsee-Insel Fehmarn und dort in Puttgarden das Ziel seiner Fahrt.  Erinnerungen an ihre Stationen auf dem Mönchsweg können Reisende in einem Radpilgerpass festhalten, der kostenlos in allen Tourist-Informationen am Weg erhältlich ist. Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Andachtsorten und Etappen gibt es auf www.moenchsweg.de und in einer kos­tenlosen Mönchsweg-App. Eine Gratis-Broschüre mit Unterkunftsverzeichnis wird auf Anfrage verschickt.

Wer nach der Reise auf dem deutschen Teil des Mönchswegs Lust auf Mehr hat, kann seinen Weg nach einer Überfahrt mit der Fähre nach Rodby auf dänischer Seite fortsetzen. Der „Munkevejen“ führt auf weiteren 430 Kilometern bis nach Roskilde bei Kopenhagen, dessen gotischer Dom zum Unesco-Weltkulturerbe zählt.

Informationen zum Mönchsweg gibt es in der Geschäftsstelle des Trägervereins „Mönchsweg e.V.“ in Kiel unter Telefon: 04 31 / 12 85 08 73 oder per E-Mail unter info@moenchsweg.de.

Michael Althaus

 

Die Route: Der Mönchsweg

Der Mönchsweg führt von Bremen über Glückstadt und Bad Segeberg – wer will, mit einem kleinen Abstecher zum Kloster Nütschau – weiter bis nach Puttgarden. Als Tourbegleiter oder zur Vorbereitung hat der Trägerverein des Mönchsweges ein Büchlein herausgegeben: Radwandern durch Niedersachsen und Schleswig-Holstein, von Bremen nach Fehmarn Maßstab 1:50.000, 2. überarbeitete Auflage Sommer 2018, Verlag Esterbauer GmbH, ISBN-Nr. 978-3-85000-497-8, 14,90 Euro Bestellung gegen Rechnung über: info@moenchsweg.de – kostenloser Versand.