02.01.2019

Keine Gesellschaft kommt ohne Religion aus

Bischof gegen Baukasten-Religion

Bischof Heiner Wilmer hat vor dem Entstehen einer „IKEA-Religion“ gewarnt, bei der die Menschen sich ihr religiöses Wohnzimmer wie aus einem Baukasten selber einrichten.

Setzt auf Teamarbeit vor Ort: Bischof Heiner
Wilmer. | Foto: bph

Hildesheim (epd/dpa/kiz). Während in den Achtzigerjahren viele meinten, „Kirche nein, Jesus ja“, heiße es inzwischen oft „Gott nein, Religion nein, Spiritualität ja“, sagte Wilmer der Deutschen Presseagentur (dpa). Trotz einer augenscheinlichen Abkehr von der Religion habe nämlich die Sehnsucht nach Spiritualität nicht abgenommen. Wie in einem Supermarkt suche so mancher sich dafür die Elemente zusammen, die ihm passten. „Das kann eine Zeit lang gut gehen, ich glaube aber nicht, dass das überlebt“, sagte der Bischof. „Es gibt weltweit keine Gesellschaft, die ohne Religion auskommt.“

Um wieder mehr Anschluss bei den Menschen zu finden, müsse die katholische Kirche sich selber frömmer und spiritueller aufstellen, riet Wilmer. „Die Kirche sollte intellektueller sein, mit gut studierten, gut ausgebildeten Leuten.“ Die beste Praxis brauche eine gute Theorie.

Angesichts des Priestermangels und der sinkenden Zahl an Gläubigen müssten hauptamtliche Geistliche und Ehrenamtliche auch im Bistum Hildesheim künftig enger zusammenarbeiten, sagte der Bischof. „In zehn Jahren brauchen wir eine grundsätzlich neue Kreativität in Verkündigung und Struktur“, forderte Wilmer. Mehr gut geschulte Frauen und Männer müssten vor Ort Verantwortung übernehmen, um den Glauben weiterzutragen, und zwar als Team, und nicht als Einzelpersonen.

Kardinal widerspricht Bischof

Auf unterschiedliche Reaktionen stieß Wilmer mit seiner Äußerung, der Machtmissbrauch sei in der DNA der Kirche verankert (siehe KiZ Nr. 51/52).  Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woel­ki sagte im Deutschlandfunk, diese Äußerung gehe zu weit, das Bild sei nicht stimmig. Es gebe zwar eine schwere Schuld, die die Kirche auf sich geladen habe, doch wenn der Missbrauch von Macht in der DNA der Kirche stecke, „dann müsste ich aus der Kirche austreten“, meinte Woelki. Außerdem sei dann der Staat zum Handeln gezwungen.

Kirche soll sich zu ihrer Fehlbarkeit bekennen

Ohne direkt auf Wilmer einzugehen, sagte der Würzburger Bischof Franz Jung, die Kirche müsse lernen, sich zu ihrer Fehlbarkeit zu bekennen. Sie müsse sich bewusst sein, dass ungeteilte Macht dazu führen könne, Macht zu missbrauchen. „Das heißt für mich nicht, dass man einfach alles über Bord werfen muss, was bisher gegolten hat“, sagte Jung. Aber die Selbstverständlichkeit, mit der man davon ausgegangen sei, gut zu sein, müsse einer gesunden Skepsis weichen.