17.10.2018

Das Thema Missbrauch beschäftigt weiter das Bistum

Bischof will Akten öffnen

Das Thema Missbrauch beschäftigt weiter das Bistum: Bischof Dr. Heiner Wilmer hat sich dafür ausgesprochen, Personalakten von beschuldigten Pries­tern zu öffnen. Und die ARD hat einen alten Missbrauchsfall neu aufgerollt und dabei neue Opfer ausfindig gemacht.

Sorgt auch noch nach Jahren für
Negativ-Schlagzeilen: Peter R. | Foto: Archiv

Bischof Heiner Wilmer hat sich in einem Interview mit dem Politikjournal Rundblick dafür ausgesprochen, die Akten über die Missbrauchsfälle in seinem Bistum weitgehend zu öffnen.

„Ich bin für eine offene Herangehensweise. Wir haben nichts zu verheimlichen. Ich bin dafür, dass Akten auch für Externe geöffnet werden. Anders können wir Glaubwürdigkeit und Vertrauen nicht zurückgewinnen“, sagte Wilmer. Zuvor hatte die niedersächsische Justizministerin Barbara Havliza (CDU) die katholische Kirche aufgefordert, ihre Akten für die Einsichtnahme der Staatsanwaltschaft bereit zu stellen.  

Im Bistum Hildesheim werden 46 Geistliche der sexuellen Belästigung beschuldigt, wobei die Fälle höchst unterschiedlich sind. Zehn dieser Beschuldigten leben noch. 153 Betroffene, davon 16 Frauen, haben sich gemeldet.
Wilmer geht gegenüber dem Rundblick nicht so weit, dass er jetzt schon konkret die Offenlegung gegenüber Justizbehörden befürwortet. Pressesprecher Volker Bauerfeld sagte dem Rundblick, der Bischof lasse sich derzeit beraten, wie eine Öffnung der Unterlagen konkret aussehen könne. Er werde mit Fachleuten über den richtigen Weg beraten, in welcher Form dies möglich werde.

Opfer-Vertreter trifft Opfer in Chile

Die ARD hat in der Sendung „Meine Täter, die Priester“ einen alten Missbrauchsfall neu aufgerollt. Demnach hat sich der ehemalige Jesuit und spätere Hildesheimer Priester Peter R. an mehr Jugendlichen vergangen als bislang bekannt.  

Der Opfer-Vertreter Matthias Katsch spürte gemeinsam mit einem WDR-Team in Chile zwei Frauen auf, die in einem Missbrauchs-Gutachten des Bistums Hildesheim aus dem letzten Jahr zwar erwähnt werden, zu denen das Bistum aber bislang keinen Kontakt hatte. Diese Frauen berichteten davon, dass auch ihre Schwestern Opfer von Peter R. geworden sind. Auch die Schwes­tern kommen in der Reportage zu Wort und erzählen davon, dass sie von R. bedrängt und unsittlich berührt wurden.

Überraschend kommen die neuen Fälle nicht. Schon bei der Vorstellung des Gutachtens im November 2017 hatten die Experten darauf hingewiesen, dass es sich bei den bekannten Opfern von Peter R. „nur um die Spitze des Eisberges“ handeln dürfte. R. hatte über ein Sozialwerk Kontakt nach Chile, besuchte dort Einrichtungen und lud Jugendliche zu sich nach Deutschland ein.

Bistum will auf Betroffene zugehen

Das Bistum Hildesheim hatte versucht, zu den im Missbrauchs-Gutachten erwähnten Frauen über die Apostolische Nuntiatur in Chile Kontakt aufzunehmen. Diese Bemühungen blieben aber erfolglos.
„Wenn wir nun mithilfe von Herrn Katsch Kontakt zu den Opfern bekommen, werden wir auf die Betroffenen zugehen“, sagt Volker Bauerfeld. Das Bistum wolle den Opfern Hilfe und Unterstützung anbieten und, soweit möglich, auch die im Beitrag erwähnten neuen Fälle prüfen.

Matthias Bode