28.09.2022

Steigende Energiepreise und drohender Gasmangel

Bistum empfiehlt Gemeinden: Lasst die Kirchen kalt

Angesichts hoher Energiepreise und drohendem Gasmangel empfiehlt das Bistum Hildesheim den Gemeinden, die Kirchen im Winter auf maximal 9 Grad zu heizen.

Warm anziehen heißt es beim Kirchbesuch im nächsten
Winter. Die Gotteshäuser sollen nur auf 9 Grad geheizt
werden.

Auf seiner Homepage hat das Bistum eine Reihe von Energiespartipps für Kirchen und andere gemeindliche Gebäude veröffentlicht. Darin empfiehlt es, die Grundtemperatur der Kirchen dauerhaft auf 9 Grad „oder noch weiter“ abzusenken. „Von einem Hochheizen der Kirchen für Gottesdienste und andere Veranstaltungen raten wir ab“, heißt es.

Sollte dies trotz eines „hohen finanziellen Risikos“ für die Gemeinden nicht möglich sein, soll die Temperatur während der Sonntagsgottesdienste auf maximal 13 Grad erhöht werden. Damit niemand frieren muss, sollten Wolldecken und Sitzkissen bereitgestellt werden, schlagen die Experten des Bistums vor.

Ferner rät das Bistum dazu, Gottesdienste in besser zu beheizenden Werktagskapellen oder im Gemeindehaus zu feiern. Dort, wo es im Umfeld mehrere Kirchen gibt, sollte nur eine genutzt werden, in der dann sämtliche Gottesdienste gefeiert werden. Außerdem wird dazu geraten, die Außenbeleuchtung zu prüfen und Fassaden nicht länger anzustrahlen.

Wenn sich Gemeinden dazu entscheiden, die Kirchenheizung zu drosseln oder ganz auszuschalten, sollten sie sowohl auf den Frostschutz als auch auf die Luftfeuchtigkeit in den sakralen Räumen achten. Dies sei zum Schutz der Orgeln und des wertvollen Inventars nötig und helfe, kostspielige Reparaturen und Schimmelsanierungen zu vermeiden. Es sei eine Luftfeuchtigkeit zwischen 50 und 70 Prozent anzustreben.

Auch für kirchliche Wohngebäude und Gemeinderäume gibt das Bistum Tipps zum Energiesparen. Diese sollten so beheizt werden, dass die pastoralen Aufgaben weiterhin wahrgenommen werden können.

Die Fachleute raten dazu, die Heizung regelmäßig zu warten, was den Gasverbrauch um 10 bis 15 Prozent senken könne. Außerdem soll die Raumtemperatur abgesenkt werden, ein Grad weniger spare bis zu sechs Prozent Heiz­energie. Stoßlüften sei besser als Dauerlüften, heißt es. Außerdem sollten alle Fenster auf Undichtigkeit geprüft und fachmännisch instandgesetzt werden.

Andere Tipps betreffen das Stromsparen. So empfehlen die Fachleute, überall neue LED-Lampen einzusetzen und Elektrogeräte auf ihre Energieeffizienz zu überprüfen. Nicht benötigte Kühlgeräte sollen ausgeschaltet werden. Wo es sinnvoll erscheint, sollen Bewegungsmelder zum Einsatz kommen, um die Zeit der Beleuchtung möglichst gering zu halten.

Die Entscheidung über das Beheizen oder Nichtbeheizen von Kirchen und anderen gemeindlichen Gebäuden sowie weitere Energiesparmaßnahmen fällt in den einzelnen Pfarreien, die selbstständige Körperschaften sind. Die jetzt veröffentlichten Energiespartipps sind lediglich Empfehlungen. Die Abteilung Bau im Bischöflichen Generalvikariat bietet den Gemeinden ihre Unterstützung bei Energiesparmaßnahmen an.

www.bistum-hildesheim.de

 

Nicht unproblematisch
Keine Frage: Alle müssen in diesem Winter mithelfen, Energie zu sparen, und das bringt Opfer mit sich. Da ist es gut, wenn das Bistum den Gemeinden Möglichkeiten aufzeigt, wie das passieren kann.
Unproblematisch sind die jetzt gemachten Vorschläge – so sie denn von den Gemeinden umgesetzt werden – allerdings nicht.

Wenn die Temperatur in den Kirchen auf 9 Grad abgesenkt wird, heißt dies faktisch, dass sie nicht mehr für ihren eigentlichen Zweck genutzt werden. Wer will bei dieser Temperatur Sonntagsgottesdienst feiern, seine Kinder taufen lassen oder heiraten? Nach dem Lockdown während Corona führte die Umsetzung der Empfehlungen in kurzer Zeit erneut zum Ausfall regelmäßiger Gottesdienste vor Ort. Schon jetzt zeigt sich, dass der monatelange Verzicht auf die Sonntagsmesse in den Kirchen dazu geführt hat, dass viele Menschen, die vor der Pandemie regelmäßige Gottesdienstbesucher waren, heute wegbleiben. Kalte Kirchen dürften diesen Trend verschärfen.

Matthias Bode