08.01.2021

Der Förderkreis des Goslarer St. Jakobushauses protestiert

Widerstand gegen geplante Schließung

Der Förderkreis des Goslarer St. Jakobushauses protestiert in einem Brief an Bischof Heiner Wilmer gegen die geplante Schließung der Einrichtung und kritisiert das Vorgehen des Bistums. 

Das Jakobushaus soll Mitte des Jahres geschlossen werden.

Mitte November hatte das Bistum Hildesheim angekündigt, seine Bildungsmaßnahmen im außerschulischen Bereich neu zu ordnen und drei Bildungshäuser zu schließen: St. Martin in Germershausen, St. Ludgerus in Helmstedt und das St. Jakobushaus in Goslar. Das Ziel dahinter: die Bildungslandschaft digitaler und regionaler aufzustellen und gleichzeitig Einsparungen zu erzielen.

Vom Förderkreis des Jakobushauses regt sich gegen den Entschluss Widerstand. „Das Bistum beabsichtigt nicht nur, drei Bildungshäuser zu schließen; es verabschiedet sich inhaltlich auch von zentralen christlichen Bildungswerten und damit von einem Alleinstellungsmerkmal“, heißt es in einem Brief des Kreises an Bischof Heiner Wilmer. Die Argumentation des Bistums lege den Schluss nahe, „dass zentrale Anliegen christlicher Bildung buchhalterischen Umschichtungen zum Opfer fallen sollen.“  

Geisteswissenschaftliches und politisches Denken funktionierten vor allem über einen realen, zwischenmenschlichen Diskurs. Der Förderkreis fragt, ob die Kirche wirklich glaube, dass digitale Medien einen solchen Diskurs ersetzen könnten.

Der Förderkreis kritisiert, dass das Bistum nicht schon während des Entscheidungsprozesses das Gespräch mit den Betroffenen gesucht habe.

Eine Online-Petition, die den Erhalt des St. Jakobushauses und einen offenen Dialog über die künftige Bildungsarbeit im Bistum fordert, hat mittlerweile mehr als 800 Unterzeichner.   

Die Chancen, dass die geplanten Maßnahmen zurückgenommen werden, sind allerdings gering. „Eine grundsätzliche Veränderung der Neuordnung ist nicht geplant“, erklärte der Leiter der Hauptabteilung Bildung im Bischöflichen Generalvikariat, Jörg-Dieter Wächter. Der Kern der Neuordnung liege in leichten Strukturen, in beweglichen Formaten und niedrigschwelligen Angeboten.

Matthias Bode

Kommentare

Mit Verwunderung habe ich die Schließung von drei Bildungseinrichtungen des Bistums Hildesheim in der Kirchenzeitung verfolgt. Aus meiner langjährigen Tätigkeit in der externen Finanzkontrolle des Bundes sind mir betriebswirtschaftliche Überlegungen natürlich nicht fremd. Aber muss Glaubensvermittlung und gelebte christliche Gemeinschaft in diesen Häusern wirklich vorrangig unter pekuniären Gesichtspunkten betrachtet werden? Ich meine, da geht die Bistumsleitung fehl.
Wäre ich, was hierarchisches Führungsgebaren angeht, hier im Erzbistum Köln nicht einiges gewöhnt, würde ich mich wundern, dass die Betroffenen nicht in den Entscheidungsprozess eingebunden wurden. Verwaltungswissenschaftler lernen spätestens im 2. Semester, dass Changemanagement nur gelingen kann, wenn sich alle im Entscheidungsprozess einbringen können, insbesondere die von den Veränderungen betroffenen. Leider müssen wir auch in Zeiten des synodalen Weges damit zurechtkommen, dass die gläubigen Laien als unmündige Befehlsempfänger betrachtet werden.
Ich befürchte, dass durch solches Verhalten und solche Entscheidungen die Axt an die Wurzeln unserer Kirche gelegt wird.