14.08.2013

Was fehlt einer Welt ohne Kirche? - Der Sonntag

„Du sollst den Sabbat heiligen!“

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ – so beginnt im Buch Genesis (Gen 1,1) die Schöpfungsgeschichte. Sechs Tage lang arbeitet Gott an der Welt. Nach der Vollendung, am siebten und letzten Tag der Schöpfungswoche ruhte er. Und damit beginnt auch die Geschichte des Sonntags.

„Am siebten Tag ruhte Gott“ heißt ein Holzschnitt von Schnorr von Carolsfeld. In seiner Bibel in Bildern hat der Künstler unter anderem jeden Tag der Schöpfung dargestellt. Foto: Wikipedia

Der letzte Tag der Schöpfung gilt bei den Juden als Sabbat, als Ruhetag mit Besuch der Synagoge. Schließlich heißt es im Buch Genesis (Gen 2,8): „Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte.“ Der Sabbat ist gewissermaßen in seinem Ursprung eine Würdigung der Schöpfung Gottes.

Der Sabbat hat auch einen sozialen Aspekt

Festgeschrieben wurde dieser Ruhetag im Buch Exodus. In den Zehn Geboten (Ex 20,8ff) heißt es: „Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig! Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat.Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazugehört; am siebten Tag ruhte er. Darum hat der Herr den Sabbattag gesegnet und ihn für heilig erklärt.“

Die Begründung des Sabbat als Ruhetag wird hier noch rein kultisch gesehen und rein auf Gott und sein Schöpfungswerk bezogen. Aber schon im Buch Deuteronomium wird zusätzlich die soziale Komponente betont. In Erinnerung an die Zwangsarbeit in Ägypten steht dort (Dt 5,15): „Denk daran: Als du in Ägypten Sklave warst, hat dich der Herr, dein Gott, mit starker Hand und hoch erhobenem Arm dort herausgeführt. Darum hat es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht, den Sabbat zu halten.“

Besonders in außerbiblischen Auslegungen wie dem Talmud, wird sehr genau geregelt, was am Sabbat nicht getan werden darf. Vor diesem Hintergrund kann man besser verstehen, was der Evangelist Markus vom Ährenabreißen durch die hungrigen Jünger an einem Sabbat berichtet. Ernten am Sabbat war bei Todesstrafe verboten. Als die Pharisäer Jesus zur Rede stellen, entgegnete er (Mk 2,27): „Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat.“ Jesus stellt den Sabbat nicht infrage, sondern wertet ihn sogar auf.

Vom letzten zum ersten Tag der Woche

Auch die ersten Christen, die noch in der Tradition des Judentums verwurzelt waren, begingen den Sabbat. Aber je mehr sich das Christentum ausbreitete und immer weniger Gläubige aus der jüdischen Tradition kamen, wurde der Tag  nach dem Sabbat, also der ertste Tag der Woche, der Tag der Auferstehung, wichtiger. Er wurde zum Tag des Herrn, was sich in vielen Sprachen noch heute widerspiegelt. So heißt der Sonntag im Spanischen „Domingo“, in Italien „Domenica“ und die Franzosen sagen „Dimanche“ – alle drei bedeuten Herrentag. Das deutsche „Sonntag“ hat dagegen einen heidnischen Ursprung und war dem germanischen Sonnengott geweiht. Da aber jeder Sonntag ein kleiner Ostersonntag ist, war für die Christen die Beibehaltung des  Namens kein Problem.
Bereits im Jahr 321 wurde durch Kaiser Konstantin der arbeitsfreie Sonntag mit Gottesdienst festgeschrieben. Und bis zum Ende des 4. Jahrhunderts hatte er sich im römischen Weltreich als christlicher Ruhetag etabliert. Er wurde im Leben der Menschen  zu einem wichtigen Orientierungspunkt. Der arbeitsfreie Sonntag mit dem Gottesdienst unterbrach die alltägliche Arbeitsroutine. Und: Der Gottesdienstbesuch wurde zur kirchlich gebotenen Pflicht.

Nach und nach wurden die hohen kirchlichen Feste, auch regionale, den Sonntagen gleichgestellt. So wurde zum Beispiel das bewegliche Weihnachtsfest arbeitsfrei und bekam in Deutschland zusammen mit Ostern und Pfingsten sogar einen zweiten arbeitsfreien Tag dazu.

Der freie Sonntag gerät  in Gefahr

Erst mit Beginn der industriellen Revolution geriet der arbeitsfreie Sonntag mehr und mehr in Gefahr. Immer öfter verlagerten sich trotz Protesten der Kirchen die Arbeitszeiten auf den Sonntag. 1891 wurde die Sonntagsarbeit schließlich  wieder verboten und der Schutz des Sonntags als „Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung“ 1919 sogar in der Weimarer Reichsverfassung verankert. Und die Väter des Grundgesetzes haben ihn 1949 in die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland übernommen.

Galt der Sonntag im christlichen Abendland als erster Tag der Woche, änderte sich dies 1976. Per Gesetz wurde er zum Bestandteil des am Samstag beginnenden Wochenendes und der Montag bekam nun wieder ganz biblisch den Titel „erster Tag der Woche“.
 

Edmund Deppe