03.09.2015

Wechsel der Schulseelsorger in Hannover

„Er weiß, was er tut“

Pater Elmar Koch verlässt nach zwei Jahren als Schulseelsorger und Pfarrvikar Hannover. Sein Nachfolger, Pater Harald Neuberger, steht schon in den Startlöchern. Die KirchenZeitung hat mit beiden über ihre Aufgaben, das Thema Missionieren und die Frage gesprochen, ob man sich als Ordensbruder gegen eine Versetzung wehren kann.

Pater Elmar Koch (rechts) verlässt Hannover und geht nach Calhorn. Hier mit seinem Nachfolger als Schulseelsorger, Pater Harald Neuberger. Foto: Kleine
 

Pater Koch, nach zwei Jahren verlassean Sie jetzt Hannover. Welche Projekte waren Ihnen hier besonders wichtig?

Pater Koch: Für mich war es ein Anliegen, an der Ludwig-Windthorst-Schule eine Liturgie zu entwickeln mit den Schülern, die sie selbst schön finden und nicht als Pflicht empfinden, die sie absitzen müssen. Das ging relativ schnell in die Richtung von Lobpreis-Gottesdiensten mit Bands. Da, wo die Jugendlichen sind, finde ich eine professionelle Unterstützung bei der kirchlichen Jugendarbeit wichtig.
In der Schule habe ich rund 800 Schüler tagtäglich getroffen. Eine Chance, gerade Jugendliche willkommen zu heißen in der katholischen Kirche und missionarisch unterwegs zu sein. Und in der Pfarrei fand ich es wichtig, den Pfarrgemeinderat zu verjüngen und stärker auf Neuzugezogene einzugehen. Dazu haben wir auch ein Projekt entwickelt, das allerdings erst jetzt in die konkrete Phase geht. Die werde ich leider nicht mehr miterleben.
 
Ihre Versetzung war ja eigentlich nicht geplant oder von Ihnen aus gewollt. Kann man sich als Ordensmensch gegen eine solche Versetzung „von oben“ wehren?

Pater Koch: Einerseits gibt es ein Veto-Recht, andererseits hat man mit seinem Gelübde dem Oberen des Ordens Gehorsam versprochen. In meinem konkreten Fall hat mir der Obere gesagt, dass er mich dringend auf der neuen Position brauche. Insofern habe ich die Versetzung natürlich angenommen. Klar möchte man dann schon, dass die eigenen „Babys“ und Projekte weiter versorgt werden, aber ich weiß auch, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss. Und Pater Neuberger mit seiner Erfahrung weiß, was er tut.
 
Haben Sie sich schon Projekte vorgenommen auf Ihrer neuen Stelle, Pater Neuberger?

Pater Neuberger: Ich will erst einmal sehen und erkennen, was hier läuft, und dann werden sich Ziele und Projekte von allein herauskristallisieren. Klar ist, dass ich in der Jugendarbeit der Gemeinde mitarbeiten und die Firmvorbereitung in der Pfarrei leiten werde. An der Ludwig-Windthorst-Schule übernehme ich die liturgisch-spirituellen Angebote. Und ich habe da den Eindruck, dass an der Schule viele Möglichkeiten bestehen. Allerdings verstehe ich meine Arbeit nicht wie Pater Koch als missionarisch, sondern als pastoral-diakonisch. Ich arbeite mit meiner Person im Sinne eines personalen Angebots für die jungen Menschen. Wenn die Arbeit gut ist, überzeugt sie das und sie machen mit.

Pater Koch: Pastoral arbeiten heißt meiner Meinung nach missionarisch sein und auf Menschen zugehen. Ich sehe da keinen Widerspruch. Irgendwann kommt der Punkt, an dem ich zeige, woher meine Kraft kommt und woraus ich lebe. Auch wenn ich es den Schülern nicht jeden Tag vor die Nase halte.

Pater Neuberger: Egal welchen Alters sehe ich die Schüler als Subjekte. Sie müssen wertschätzend begleitet werden. Auch wenn sie bestimmte religiöse Ideen ablehnen, respektiere ich das. In meiner Arbeit in der JVA Stuttgart-Stammheim habe ich sehr intensiv mit den Jugendlichen dort gearbeitet und gelernt, die Menschen so zu nehmen, wie sie sind. Ohne zu bewerten. Ich habe gelernt, nicht nur ihre oft nicht einfache Vorgeschichte zu sehen, sondern den Menschen.
 
Pater Neuberger, ein Bayer in Norddeutschland. Haben Sie den Kulturschock schon überwunden?

Pater Neuberger: Ich bin vom Typ her ja schon ein Süddeutscher. Aber ich habe mich bereits eingelebt. Ich fühle mich hier wohl und freue mich auf die neuen Aufgaben.
 
Fragen: Marie Kleine

 

Pater Elmar Koch (49) stammt aus dem Rheinland und ist seit 25 Jahren bei den Salesianern. Unter anderem war er von 2006 bis 2013 Stadtjugendseelsorger in Stuttgart. Seit zwei Jahren wirkte er jeweils mit einer halben Stelle als Jugendseelsorger an der Ludwig-Windthorst-Schule und als Pfarrvikar der Gemeinde St. Augustinus in Hannover. Ab September wird er der neue Leiter der Jugendbildungsstätte des Ordens in Calhorn.

Pater Harald Neuberger (47) ist 1990 in den Orden eingetreten. Der Bayer aus dem Odenwald war unter anderem Vorgänger von Pater Koch als Stuttgarter Stadtjugendseelsorger. Auch in der JVA Stuttgart hat er als Jugendseelsorger mit straffälligen Jugendlichen gearbeitet.