04.06.2015

Der Tausendjährige Rosenstock zeigt erste Blüten / Hauptblüte steht kurz bevor

„Es wird eine Blütenpracht!“

Die ersten Blüten sind geöffnet. Doch unzählige Knospen am Tausendjährigen Rosenstock warten noch auf das richtige Wetter. „Wenn es warm bleibt und noch ein bisschen regnet, wird er in wenigen Tagen in voller Blüte stehen“, sagt Alfons Berning. 

Seit vielen Jahren begleitet der 87-jährige Agraringenieur inzwischen das Hildesheimer Wahrzeichen. Regelmäßig schaut Alfons Berning auf dem Annenfriedhof vorbei und begutachtet den Rosenstock. „Ihm geht es gut“, sagt er. Ein fachkundiger Blick an der Domapsis aufwärts: „Er ist gesund und von einem Schädlingsbefall ist nichts zu erkennen.“

Im vergangenen Jahr wurde auf einen Beschnitt weitestgehend verzichtet. Und das Ergebnis zeigt sich in den vielen frischen Trieben, die mit Tausenden von Knospen und Blüten bedeckt sind. „Der Tausendjährige Rosenstock ist zwar nur eine einfache Hecken- oder Hundsrose, wird sich im Jubiläumsjahr aber von seiner prächtigsten Seite zeigen.“

Die ersten Blüten sind am Rosenstock zu bewundern. In wenigen Tagen wird die Hauptblüte erwartet. Fotos: Edmund Deppe

Tausende besuchen Jahr für Jahr den Rosenstock

Ob der Rosenstock tatsächlich über tausend Jahre alt ist, kann Berning nicht sagen. „Mit Sicherheit ist er sehr alt. Schon Bischof Hezilo soll im 11. Jahrhundert die Pflege eines besonderen Rosenbusches angeordnet haben“, sagt der Kurator der Rose. Dabei ist für ihn nicht entscheidend, ob in genau diesem Strauch, wie die Gründungslegende des Bistums berichtet, das Marienheiligtum von Ludwig dem Frommen gehangen hat. Wichtiger ist ihm, dass der Rosenstock ein „Wahrzeichen für den richtigen Umgang des Menschen mit der Schöpfung ist“. Er werde richtig gepflegt und „man lässt ihm die Freiheit, die er braucht“.

Jedes Jahr kommen tausende Besucher, um den Hildesheimer Rosenstock zu sehen. „Viele suchen ihn auf, um die Ruhe und Besinnlichkeit dieses Ortes einzuatmen“, weiß der Rosenexperte aus zahlreichen Gesprächen.
„Bei der Zerstörung von Stadt und Dom im Zweiten Weltkrieg wurde der Rosenstock verschüttet. Viele haben mir erzählt, dass der wieder ausschlagende Rosenstock für sie zu einem Symbol der Hoffnung geworden ist“, betont Berning.

Alfons Berning begleitet seit Jahrzehnten den Rosenstock. Regelmäßig kontrolliert er seinen Schützling auf Krankheiten und Schädlingsbefall. 

Ein  Gedicht über die Hildesheimer Rose

War die Rose in vorchristlicher Zeit antiken Göttinnen geweiht, wurde sie in der christlichen Ikonografie zu einem Symbol der Gottesmutter Maria. „In vielen Mariendarstellungen ist die Rose abgebildet, in Kirchenliedern kommt sie vor und schließlich ist unser Dom ja auch ein Mariendom“, sagt Berning und weist darauf hin, dass der Hildesheimer Rosenstock sogar in die Dichtung Einzug gehalten hat. Die Schriftstellerin Gertrud von le Fort, die einen Großteil ihrer Jugendzeit in Hildesheim verbrachte (von 1888 bis 1897), widmete ihm unter dem Titel „Deutsche Poesie“ ein Gedicht. Darin heißt es:

Die von Weiß ins Zartrosa übergehenden Blütenblätter sind typisch für die „Rosa canina“, die Hunds- oder Heckenrose.

„Das ist die schönste Rose
Im weiten Erdenraum,
Das ist der tausendjährige,
Der heilige Rosenbaum.“

 

Edmund Deppe

 

Der Rosenstock kann täglich von 10 bis 18 Uhr besucht werden. Der Zugang erfolgt über das Domfoyer (Domhof 3).