15.09.2016

Im Guten Hirt begann für Roswitha Hartmann ein neues Leben

„Für mich ist es ein Zuhause!“

Wie ein Fels in der Brandung steht Roswitha Hartmann in der Flohmarktabteilung der Sozialen Warenhalle des Guten Hirten. Ihr Markenzeichen: ein Lächeln und ein flotter Spruch auf den Lippen.

„Da vorn steht noch ein schönes Service, das ist komplett für 6 Personen“, berät Roswitha Hartmann. Die 63-jährige ist „Chefin“ des Flohmarktes in der Sozialen Warenhalle beim Guten Hirten. Fotos: Edmund Deppe

„Das gehört für mich zum Geschäft dazu“, verrät die 63-Jährige. Sie weiß genau, welche Haushaltsgeräte wo stehen oder für wie viel Personen ein Kaffeeservice reicht. „Da vorne, da steht eins mit bunten Blümchen. Das reicht für sechs Personen“, gibt sie einer Kundin Auskunft und zeigt auf ein Regal. Roswitha Hartmann ist hier in ihrem Metier. Sie ist froh, Menschen helfen zu können und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. „Über Gott und die Welt reden wir“, erzählt sie und freut sich, dass „hier kein Tag wie der andere ist“.

Weg vom Alkohol dank des Guten Hirten

So strahlen wie heute konnte Roswitha Hartmann nicht immer.  Nach dem Tod ihres Mannes 2002 stand sie vor dem Nichts. Die alte Wohnung war zu groß für die kleine Witwenrente, die mit Hartz IV ergänzt wurde, und so zog sie in das Hildesheimer Fahrenheitsgebiet in eine kleine Wohnung. „Aber gut ging es mir nicht. Ich konnte mit dem Tod meines Mannes nicht fertig werden. Mein bester Freund war der Alkohol. Ich habe mir ordentlich einen geballert,um es in der Wohnung allein auszuhalten“, sagt sie nachdenklich.
 

Diakon Andreas Handzik (rechts) weiß, was er an Roswitha Hartmann (links) hat: „Ich weiß, auf sie kann ich mich immer verlassen!“

Durch eine Nachbarin lernte sie den Guten Hirten mit dem Sozialen Mittagstisch kennen. „2003 habe ich hier angefangen – ehrenamtlich. Aber schon 2004 hat mich Diakon Wilfried Otto als Ein-Euro-Jobber  angestellt. Ich habe dann 40, 50 Stunden die Woche gearbeitet, nicht um mehr Geld zu verdienen, sondern um nicht allein zu Hause zu sein und um vom Alkohol loszukommen. Arbeit bedeutet mir sehr viel. Ohne die Arbeit hier wäre ich vor die Hunde gegangen.“

Roswitha Hartmann hat es geschafft. Ihr Geld hat sie nicht in Alkohol investiert, sondern es gespart, zweieinhalb Jahre lang. „Dann hatte ich genug zusammen, um mir ein einfaches neues Wohnzimmer zu leisten“, sagt sie und ihre Augen strahlen.

Überall, wo sie gebraucht wurde, hat sie im Guten Hirten geholfen. „Ich habe sogar eine Zeit lang gekocht“, sagt sie lachend und fügt hinzu: „Schlecht geschmeckt hat das nicht. Zumindest hat sich keiner beschwert.“

In den Folgejahren hat die inzwischen sechsfache Oma im Guten Hirten den Flohmarkt mit aufgebaut. „Anfangs haben wir alles morgens aufgebaut und abends wieder weggeräumt. Seit dem Bau der Sozialen Warenhalle haben wir hier einen festen Platz. Ob Porzellan, Glas oder elektrische Haushaltsgeräte, alles ist in Regale eingeräumt und kann stehen bleiben. Das ist eine enorme Arbeitserleichterung.“
 

Heute steht Gerhard Flügel in der Küche. Es gibt Gulasch. Früher hat auch Roswitha Hartmann in der Küche gestanden und gekocht.

„Sie ist eine der guten Seelen hier!“

Wichtig ist der sympathischen Frau der Kontakt zu den Kunden und den anderen Mitarbeitern – egal ob sie hier Sozialstunden ableisten müssen, ehrenamtlich tätig sind, einen Ein-Euro-Job oder eine Festanstellung haben. „Langweilig wird einem hier nie, jeder Tag ist anders,“ weiß Roswitha Hartmann.

Inzwischen ist sie als Teilzeitkraft fest angestellt und sozusagen „Chefin“ des Flohmarkts. „Sie ist für uns eine der guten Seelen des Guten Hirten, ohne die das hier nicht funktionieren würde. Sie ist ein Beispiel für die Erfolgsgeschichte, die der Gute Hirt in den letzten 25 Jahren geschrieben hat“, sagt Diakon Andreas Handzik, Leiter vom Sozialen Mittagstisch Guter Hirt, zu dem die Soziale Warenhalle  gehört.

Für Roswitha Hartmann, die auch in ihrer Freizeit noch bei Veranstaltungen im Guten Hirten mithilft, ist klar: „Ich habe dem Guten Hirten mein heutiges Leben zu verdanken, einfach alles. Er ist für mich ein Zuhause geworden. Und dafür bin ich sehr dankbar, vor allem Diakon Otto und Diakon Handzik.“

Edmund Deppe

 

25 Jahre Sozialer Mittagstisch Guter Hirt

Hildesheim (ed). Vor 25 Jahren wurde in Hildesheim in der Gemeinde Guter Hirt der Soziale Mittagstisch gegründet. „Darin sehen wir auch immer noch unsere Kernaufgabe. Die anderen Bereiche, wie die Abgabe von Nahrungsmitteln im 2. Netz oder  die Ausgabe von Obst- und Gemüsetüten, der Flohmarkt und der Kleiderbasar in der Sozialen Warenhalle, gruppieren sich da drumherum“, sagt Diakon Andreas Handzik.

Vieles hat sich in den vergangenen Jahren im Guten Hirt geändert: „Vor allem die Zahlen der Menschen, die zu uns kommen. Allein zum Sozialen Mittagstisch kommen jeden Tag – auch sonn- und feiertags – bis zu 100 Personen.“ Darunter sind immer mehr Kinder.

Und bei den Nahrungsmitteltüten sind es rund 1000, die pro Woche ausgegeben werden. „Wir gehen davon aus, dass hinter jedem, der bei uns eine Tüte abholt, eine Familie steht und wir mit unserer Hilfe um die 4000 Menschen erreichen“, rechnet der Diakon.

„Der Soziale Mittagstisch Guter Hirt ist in Hildesheim zu einem Leuchturm der tätigen Barmherzigkeit geworden. Es ist eine Erfolgsgeschichte, die in unserer Gesellschaft eigentlich gar nicht nötig sein sollte“, betont Handzik.
Hört man sich bei der Essensausgabe um oder in der Sozialen Warenhalle, hört man immer wieder: „Gut, dass es Euch, gut, dass es den Guten Hirt gibt!“

Nun soll unter dem Motto „25 Jahre  Barmherzigkeit beim Guten Hirt“ gefeiert werden. Eingeladen sind die regelmäßigen Besucher, Spender und Sponsoren, die Gemeinden im Dekanat Hildesheim und alle, die Interesse an der sozialen Arbeit haben.

„Am 17. September starten wir mit einem Festgottesdienst hier in unserer Kirche im Altfriedweg in unsere Festwoche Eine Woche lang gibt es mittags ein richtiges Menue. Der Preis für ein Essen ist – wie immer – 50 Cent. Und jeder kann kommen und so einmal den Guten Hirt pur erleben“, verrät Handzik.

Ein Höhepunkt im Rahmen des Dekanatstages des Dekanats Hildesheim ist eine Wette am Freitag, 23. September, von 16.30 bis 21 Uhr. „Wetten, dass Hildesheimer Bürger und Bürgerinnen es nicht schaffen, 496 Lebensmittelkisten in der Basilika St. Godehard mit Lebensmitteln für den Sozialen Mittagstisch zu füllen!“
Die Festwoche endet am Sonntag, 25. September, mit dem traditionellen Apfelfest, dem Sommerfest des Guten Hirt.

Mehr Infos zum Jubiläum und zum Sozialen Mittagstisch gibt es unter www.guterhirt.de