17.07.2013

Verkündigung ist der Hauptgrund seiner Berufung

„Gott hat es einfach verdient“

Verkündigung. Das bedeutet für Pfarrer Felix Evers Freude und gleichzeitig harte Arbeit. Paulus bezeichnet es sogar als Leiden. Doch die Arbeit lohnt sich. Denn das Wort Gottes zu verkündigen, dient dazu, alle in der Gemeinschaft mit Christus vollkommen zu machen.

 
Das Wort Gottes zu verkündigen, ist harte Arbeit – die sich lohnt.Foto: Klaus Eppele/fotolia

„An den Folgen, die die Verkündigung in den Herzen der Menschen hinterlässt, lässt sich ihre Qualität erkennen“, sagt Felix Evers. Für ihn gibt es deshalb unter all den Aufgaben, die er als Pfarrer von Ratzeburg und Mölln hat, eine, die besonders hervorsticht: den Menschen das Wort Gottes bringen. „Ich kann ihnen dabei zeigen, dass Gott die Liebe ist.“ Doch Verkündigung ist, wie es sich bereits bei Paulus lesen lässt, ein hartes Stück Arbeit. Denn neben dem Inhalt geht es auch immer um die richtigen Worte an der passenden Stelle. Dass das Mühen mit sich bringt, das nimmt er dabei gerne auf sich.

Bereits im Theologiestudium hat sich der Pfarrer besonders auf die Homiletik, die Predigtkunst, konzentriert. Während des Studiums lohnte sich die weite Fahrt von Frankfurt/St. Georgen nach Hause in Kiel oft nicht. Da inves­tierte er die Zeit lieber in die Hausaufgaben seines Mentors Professor Mennekes. Dem Jesuiten, so Evers, habe er viel zu verdanken, was die richtige Form der Verkündigung angeht. Das freie Reden hat er bei ihm gelernt. Denn eine Predigt ist keine Lesung. Deshalb lernt der Pfarrer seine Texte, die er schon montags niederschreibt, die Woche über auswendig. Denn er hat gelernt, dass eine gute Predigt bereits am Wochenanfang stehen muss, damit sie bis zum Sonntag reifen kann. Bis dahin baut er noch aktuelle Bezüge ein und hält sie dann frei stehend in den Kirchen.

Mit seiner lauten Stimme und seinem Charme schafft er es, die Menschen aufmerksam zu machen. Doch all das, sagt der 42-Jährige, helfe nichts, wenn die Inhalte nicht passten: „Bei der Verkündigung geht es nicht um altmodisch oder modern, sondern um wahr oder falsch.“ Für ihn ist die Verkündigung deshalb bis heute der Hauptgrund seiner Berufung. „Gott hat es einfach verdient, dass wir ihn gut in seiner Liebe zu den Menschen verkündigen.“ Die Predigt hat dabei eine hohe Priorität. „Alles andere ist ja im Messbuch fertig, die Verkündigung ist das Einzige, was ich in einem Gottesdienst leisten muss“, sagt der Pfarrer. Und genau darauf hätten die Menschen auch einen Anspruch. Also gibt er sich jedes Mal von neuem Mühe.

Pfarrer Felix Evers
                  Foto: Christian Schlichter

„Bei einer Predigt, da geht es um Himmel und Hölle“, erklärt der 42-Jährige. Deshalb sei es ja auch so gut gewesen, dass früher besonders in evangelischen Kirchen gegenüber der Kanzel ein Kreuz gehangen habe. Quasi als Erinnerung daran, worauf es ankommt. „Damit wir niemand anderen verkündigen als Jesus.“ Dass das manches Mal auch schiefgehen kann, hat er als Priester unzählige Male erlebt. Genau dann, wenn ihm Gemeindemitglieder berichteten, dass sie statt einer frohen Botschaft eine Verkündigung kennengelernt hätten, die „Angst, Schuld, Scham und Minderwertigkeitsgefühle“ ausgelöst habe. Bei vielen Älteren hat er das gehört, wenn es um den strafenden Gott gegangen sei. „Dahinter stand dann immer ein falsches Gottesbild“, erklärt Evers. Manche Priester hätten nicht über die Liebe, sondern über die Strafe erziehen wollen. Dabei habe Jesus auch gezeigt, dass ein Sünder nur umkehrt, wenn er sich geliebt fühlt.

Verkündigung ist Freude und harte Arbeit

Verkündigung, das brauche bestimmte Voraussetzungen: „Was helfen die besten Inhalte, wenn die Menschen sie akustisch nicht verstehen? Oder wenn die Predigt unsympathisch rüberkommt.“ Um diese Äußerlichkeiten müsse sich ein Prediger also mühen. Inhaltlich gebe es aber nicht viel zu deuteln, so, wie es auch Paulus im Brief an die Kolosser schreibt: „Gott wollte ihnen zeigen, wie reich und herrlich dieses Geheimnis unter den Völkern ist.“ Für Evers bedeutet das: das aus dem Evangelium herausholen, was drin­steht und zugleich nie vergessen, von der Liebe Gottes zu den Menschen zu berichten, die aus diesen Worten spricht.

Manchmal kommt er aber bei aller Routine, die er nach 16 Jahren als Priester hat, ins Schwimmen. Dann, wenn nach Beginn des Gottesdienstes eine Frau abgehetzt in die Messe kommt, von der er genau weiß, was sie für ein Päckchen im Leben trägt. Und deren Herz er mit Gottes Wort erreichen will, auch wenn seine gewählten Worte eigentlich in eine ganz andere Richtung gehen. Oder wenn er einmal zweifelt, gut mit Gottes Wort „gesät“ zu haben, weil er keine Reaktion gespürt hat. Diese kann dann erst lange Zeit später kommen. So wie bei einem Gemeindemitglied aus seiner Kaplanszeit in Rostock, das nach 15 Jahren anrief und sich bei Evers für eine Predigt von damals bedankte.

Dass Verkündigung bei aller Freude, die er an ihr hat, auch echte Arbeit ist, manchmal sogar wie Paulus es sagt, ein „Leiden“, das kennt der 42-Jährige. Und er erinnert sich daran, wenn er manchmal sonntags schweißgebadet aus dem Gottesdienst kommt und erst einmal um den benachbarten Küchensee laufen muss. Dann erinnere er sich, dass man manches auch ganz ohne Erfolgsdruck nehmen müsse. „Ich bin ja nur im Dienst für Gott, er selbst macht ja alles andere“, wird er sich dann bewusst – und das habe auch Paulus gemerkt. Das ganze Ackern in der Verkündigung dient letztlich dazu, alle in der Gemeinschaft mit Christus vollkommen zu machen.

Christian Schlichter