27.08.2014

Pilgersamstage im Dom

„Gott ist hier mitten unter uns“

Ein Gottesdienst für Pilger. So ist es eigentlich gedacht. Zum Auftakt allerdings waren es vor allem Touristen, die den wieder eröffneten Hildesheimer Dom besuchten. 

Vor allem Touristen und interessierte Besucher begrüßt Generalvikar Dr. Werner Schreer zum ersten Pilgertag im Dom. Foto: Puczyk

Der Dom ist gut gefüllt, aber klassische Pilger mit Pilgerstab sucht man vergebens. Dem Angebot der samstäglichen Pilgergottesdienste tut das jedoch keinen Abbruch. Generalvikar Dr. Werner Schreer begrüßt die Menschen, die mittags in den Dom gekommen sind. Dass es sich dabei weitgehend um Touristen und interessierte Menschen handelt, spielt keine Rolle. Und so erfahren die Männer und Frauen von den zahlreichen Veränderungen im Dom, von den neuen hellen Fenstern, die viel Licht in das Gotteshaus bringen, und von dem 120 Millionen Jahre alten Stein, aus dem der Altartisch gemeißelt wurde. „Wir haben uns damit ein Stück von Gottes Schöpfung in den Dom geholt“, sagt Schreer und informiert über die Gründung des Bistums.

Vor allem gibt der Generalvikar den Männern und Frauen eine Botschaft mit auf den Weg, die er für besonders wichtig hält: „Der Dom zeigt: Der Himmel kommt auf die Erde herab. Gott bewegt sich zu den Menschen. Er wohnt hier mitten unter uns.“

Dann ertönen die Glocken des Doms. Der Klang wird beinahe von dem Gemurmel der herumeilenden Menschen übertönt. In diesem Moment gleicht das Gotteshaus einem Bahnhof. Schließlich erhebt sich Schreer und bittet die Besucher, zur Ruhe zu kommen. Gemeinsam beten sie das „Gegrüßet seist du, Maria“. Während der nächsten dreißig Minuten erklingt an der neuen Orgel Musik von Buxtehude, Bach und Fletcher. Der Bahnhof wird wieder zur Kirche.

Auch junge Besucher sind in den Dom gekommen. „Mir gefällt der Heziloleuchter. Er hängt so unmittelbar über unseren Köpfen“, sagt der 22-jährige Phil Lübker. „Wenn ich dort vorne aus dem Fenster blicke, sehe ich den Rosenstock. Das gefällt mir sehr gut“, freut sich die 21-jährige Johanna Mey.

Neben dem Taufbecken sitzt Hubert Dierks-Meier. Der 61-Jährige war bereits zur Eröffnung des Doms gekommen. Allerdings hatte ihm die Menschenmenge den Blick versperrt. Deswegen möchte er heute in Ruhe den Dom auf sich wirken lassen. Er ist aber nicht allein aus Neugier hier. „Jeder Mensch hat sein Päckchen zu tragen. Hier im Dom führe ich Zwiesprache mit Gott. Ich hoffe, dass er mir Rüstzeug gibt.“

Abends feiert Generalvikar Schreer mit den Dombesuchern die Pilger-Messe und betont, wie nahe Gott den Menschen ist. Diese Nähe werde auch im Dom sichtbar. „Vom Altar aus erkenne ich, dass der Heziloleuchter nicht in der Mitte zwischen Decke und Gläubigen hängt. Er hängt etwas tiefer – näher bei den Menschen.“

Die ersten größeren Pilgergruppen haben sich für den 6.  September angekündigt.

Silvia Puczyk

Das Bistum Hildesheim lädt während des Bistumsjubiläums jeden Samstag (außer 20. September)  Pilger in den Dom ein. Programm: 11.30 Uhr Begrüßung, 12.15 Uhr Orgelmusik, 16.30 bis 17.30 Uhr Beichtgelegenheit in der Sakramentskapelle, 17 Uhr Pilgermesse.