26.01.2015

Open Doors legt alljährlich einen Index zur weltweiten Christenverfolgung vor

Alarmierende Zahlen, umstrittene Methodik

Die Zahlen sind schockierend und alarmierend. Weltweit werden laut Open Doors immer mehr Christen verfolgt, bedrängt und getötet. Doch es gibt auch Kritik an dem Hilfswerk und seinen Berichten.

Als vor wenigen Tagen das Hilfswerk Open Doors seinen neuesten Report zur Christenverfolgung, den sogenannten Weltverfolgungsindex 2015 vorstellte, war der Aufschrei groß. Fast sämtliche weltliche Blätter – vom Spiegel bis zur Welt - berichteten detailliert über die Zahlen. Zu Recht, wie ich meine. So ist jeder Mensch, der aufgrund seines Glaubens verfolgt, vertrieben oder sogar getötet wird, ein Toter zu viel!

Anschaulich und plakativ: die Berichte von Open Doors

Kritisch hinterfragt werden muss allerdings auch die Fokussierung des bereits 1955 gegründeten Hilfswerks auf die Verfolgung von Christen. Auch wenn das Vorgehen des Islamischen Staates (IS) gegen Jesiden und Christen einem Völkermord gleicht, so steht doch schon lange auch fest, dass dem islamistischen Terror zuletzt weit mehr Muslime zum Opfer fielen als Gläubige anderer Religionen. Davon jedoch steht kein Wort in den Bericht …

Insbesondere die Wertung, das Christentum sei die weltweit am stärksten verfolgte Religion, wurde in der Vergangenheit immer mal wieder von Organisationen wie Human Rights Watch oder Amnesty International beanstandet. Heiner Bielefeldt, UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, sagte einmal, dass es „nicht besonders hilfreich“ sei, „wenn man die Religionen gegeneinander ausspiele“.

Auch die großen christlichen Kirchen sehen die „Vorgehensweise“ von Open Doors kritisch. Im Gegensatz zum Open Doors-Bericht, der zum Teil sehr plakativ ist, versucht der von DBK und EKD gemeinsam herausgegebene „Ökumenische Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit“ ausdrücklich „Stereotypen und Vereinfachungen zu vermeiden“. Die Benachteiligung von Christen wird darin bewusst in den breiteren Kontext gerückt. Theodor Rathgeber, der Autor der ökumenischen Studie, macht deutlich, „dass in aller Regel Restriktionen nicht spezifisch gegen Christen gelten, sondern ein gesellschaftliches Milieu anzeigen, in dem andere religiöse Gemeinschaften wie auch religionsungebundene Vereinigungen in vergleichbarer Weise betroffen sind.“

Alles so schön bunt hier, oder doch eher "blutrot"?

Auch Zeitungen wie die Frankfurter Rundschau sowie einige katholische Hilfswerke – etwa missio und „Kirche in Not“, die sich ebenfalls auf dem Gebiet der Religionsfreiheit engagieren - kritisierten den Weltverfolgungsindex als zu pauschal. Besonders schlecht kamen Methodik und Zahlen von Open Doors in einem Beitrag des humanistischen Magazins Diesseits weg. Dort wird berichtet, dass das Hilfswerk vor fünf Jahren angeblich noch von über 200 Millionen verfolgten Christen gesprochen habe (heute sind es demnach „nur“ rund 100 Millionen). Der Grund: damals habe Open Doors sogar Gläubige in Schweden und Deutschland mit in den Index einberechnet, nur weil diese bei Massenentlassungen ihre Jobs verloren hatten... In einem Interview mit der katholischen Nachrichtenagentur KNA äußerte sich 2013 der Leiter von Open Doors Deutschland Markus Rode zu diesen und anderen Vorwürfen: "Es steht uns nicht zu, Christen per Definition vorzuschreiben, ob sie erst dann als verfolgt gelten, wenn sie gefoltert oder ins Gefängnis geworfen werden, oder bereits wenn ihre Kinder von Ausbildungs- und Berufschancen bewusst ausgeschlossen werden."

Gegründet wurde Open Doors bereits 1955 von dem Niederländer Anne van der Bijl. Der Mann, der vielen noch als „Schmuggler Gottes“ bekannt ist, bereiste damals mit einem klapprigen VW-Käfer regelmäßig das sozialistische Polen und verteilte hinter dem „Eisernen Vorhang“ Bibeln in der Landessprache. Aus diesem Ein- bis Zwei- Mann-Dienst hat sich nach und nach ein internationales Hilfswerk entwickelt, dass sich in nunmehr 50 Ländern für Christen einsetzt. Die deutsche Niederlassung von Open Doors befindet sich in Kelkheim bei Frankfurt am Main und steht laut Wikipedia der evangelikalen Evangelischen Allianz nahe.

So berechtigt manche Zweifel an der Methodik auch sein mögen, so muss man den Mitarbeitern von Open Doors eines aber ganz sicher lassen. Sie haben Ahnung von guter Öffentlichkeitsarbeit. So dezidiert und detailliert berichten weltliche Medien sonst nie über die Gefährdung von uns Christen.

Ihr Webreporter Andreas Kaiser