23.05.2012

Einfach unverzichtbar: das Ökumenische Heiligenlexikon

Alle Heiligen auf einen Klick

Das Ökumenische Heiligenlexikon bietet Informationen zu fast sämtlichen Heiligen. Und es gibt Tipps, welcher Heilige gegen welche Krankheit und bei welchem Widerfahrnis hilft. Das Privatprojekt besteht locker gegen professionelle Verlagskonkurrenz.

... umfasst inzwischen mehr als 25.000 Einzelseiten

Nehmen wir einmal an, Sie heißen Andreas, so wie der Autor dieser Zeilen hier, dann ist die Sache relativ einfach. Ihr Namenstag ist der 30. November, und den heiligen Andreas, den Apostel, kennt fast jeder Christ. Schwieriger wird die Sache, wenn in der Kirche mal von einem „Andreas, dem Schotten“, einer gewissen Fabiola oder Frigidian, Oderich oder vielleicht Valentina die Rede ist. Diese Heiligen kennt nicht jeder. Und aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass sich sogar so mancher Priester vor der Wochentagsmesse im Internet noch schnell schlaumacht, wer nun wer ist, was er oder sie getan, erlitten oder geleistet hat, beziehungsweise wann und wo die Person gelebt hat. Die Biografie der meisten Heiligen und noch viel, viel mehr - etwa die Bedeutung und Herkunft der Namen - bietet „Das Ökumenische Heiligenlexikon“. Diese unglaublich liebevolle, bienenfleißige und stetig wachsende Internetpräsenz hat übrigens der evangelische Pfarrer Joachim Schäfer aus Stuttgart ins Leben gerufen. Also ein Christ, dessen Kirche nicht unbedingt im Ruf steht, das beste Verhältnis zu Heiligen und oder den Mitgliedern von Ordensgemeinschaften zu haben ;-). Ja, auch die Orden werden im Heiligenlexikon gut und lesenswert beschrieben ...

Wer hats erfunden? Stuttgarts Pfarrer Joachim Schäfer!

Das gigantische und dennoch kostenlose Nachschlagewerk, das mittlerweile mehr als 25.000 Einzelseiten umfasst, entstand, so der Gründer „nicht zuletzt aus Ärger darüber, dass die Angaben in den vorliegenden Heiligenverzeichnissen oft widersprüchlich oder sogar offensichtlich falsch sind.“ Grundlage der Seite sind allgemein zugängliche Quellen und kirchengeschichtliche Nachschlagewerke. Freiwillige mit Spezialkenntnissen helfen dem Projekt mit Informationen und beim Korrekturlesen. Die Webseite bietet per automatisierter Sprachübersetzung ihre Inhalte übrigens auch in Englisch und Französisch an. Zuweilen maulen allerdings einige Kritiker, dass einzelne Artikel nicht immer allen wissenschaftlichen Ansprüchen genügen oder teils unkritisch abgefasst seien. Aber dergleichen ist dem Webreporter noch nicht untergekommen. Jedenfalls nicht wissentlich. Der Charme des Projekts sind die vielen guten Illustrationen, die Querverweise auf Orte, Daten, Jahreszahlen sowie Tipps, welcher Heilige gegen welche Krankheit und bei welchen Widerfahrnissen (Patronate) hilft. Ein Gebet zur heiligen Dorothea tut gut bei falschen Anschuldigungen, beispielsweise. Und, und, und.

Hilft gegen Halsleiden: Der heilige Blasius

Laut Wikipedia bietet das Biografisch-Bibliografische Kirchenlexikon angeblich die bessere Qualität. Das BBKL ist ebenfalls ein gigantisches Nachschlagewerk, das 1975 von Friedrich Wilhelm Bautz begründet wurde. Heute erscheint es im Verlag Traugott Bautz. 33 Bände mit rund 20.000 Artikeln mit biografischen Informationen zu Personen der Kirchen- und Philosophiegeschichte sind inzwischen erschienen. Das Problem für knapp Betuchte ist: Das Gesamtwerk, das ab 1996 zunächst als Volltextausgabe noch gratis im Internet abrufbar war, ist seit einiger Zeit kostenpflichtig. Ein sogenanntes Kurz-Abo für die siebenmalige Benutzung kostet immerhin zehn Euro. Die Flatrate schlägt mit 50 Euro zu Buche. Für gelegentliche Nutzer also nicht unbedingt ein Schnäppchen-Tipp. Engagierte Pfarrer und Geistliche, finde ich, aber sollten sich das Angebot schon leisten können. Dass die Zahlungsmoral im Internet freilich nicht die beste ist, macht folgende Episode deutlich. Eine Bitte um freiwillige Spende bei allen Nutzern blieb 2011 „ohne nennenswerte Reaktion“, wie der Verleger noch heute beklagt.

Ihr Webreporter Andreas Kaiser