28.06.2017

Neue Formen der Personalentwicklung und des Personaleinsatzes

Als Team arbeiten und feste Wurzeln im Glauben haben

Im Bistum Hildesheim werden neue Wege gegangen. In den nächsten Wochen und Monaten führt die Hauptabteilung Personal/Seelsorge neue Formen der Personalentwicklung und des Personaleinsatzes ein – die ersten Schritte sind dabei bereits gemacht. Stichwort: Überpfarrlicher Personaleinsatz. Welche Gründe und Überlegungen es dazu im Bistum gibt und warum diese Schritte notwendig sind, erläutert Domkapitular Martin Wilk, Leiter der Hauptabteilung Personal/Seelsorge. (Teil 1 des großen Sommerinterviews)

Martin Wilk
Domkapitular Martin Wilk leitet im Bischöflichen Generalvikariat die Hauptabteilung Personal/Seelsorge. | Foto: Edmund Deppe

Einen großen Einfluss auf die aktuelle Personalplanung im Bereich der Seelsorge hat die Seelsorgestudie der Jahre 2012 bis 2014. Welche Erkenntnisse hat sie gebracht und welche sind in die konkrete Personalplanung eingeflossen?

Für die Personalplanung und für den Personaleinsatz ist zunächst der Stellenplan grundlegend. Ab diesem Sommer gibt es für das pastorale Personal einen neuen Stellenplan. Die Seelsorgestudie diente hier als ein „Begleit- und Verständigungsinstrument“. Man könnte sagen, was wir aus Erfahrung wissen oder vermutet haben, wurde erstmals empirisch untermauert und mit konkreten Zahlen hinterlegt.

Deshalb ist die Studie ein wichtiges Mittel bei der Personalplanung:  Sie hilft uns dabei, bestimmte Entwicklungen besser zu verstehen, sie zu deuten, Zusammenhänge zu erkennen und darüber mit den Geistlichen und pastoral Mitarbeitenden oder den Pfarreien ins Gespräch zu kommen. Aber man muss trotzdem klar trennen: Die bundesweite Seelsorgestudie und der Stellenplan 2025 des Bistums Hildesheim sind – auch wenn sie zum Teil parallel gelaufen sind – zwei unterschiedliche Prozesse.

Welche Punkte der Studie sind für Ihre Personalplanung wichtig?

Vorweg: Viele Themen, viele Bereiche der Studie sind noch gar nicht komplett ausgeschöpft. Die Forschergruppe ist immer noch dabei, die Studie weiter auszuwerten. Aber einige Themen, die für uns wichtig sind, liegen bereits vor. Nennen möchte ich da besonders den Umgang mit Veränderungen, wie man neuen Gegebenheiten gegenübersteht, sie sich vielleicht nicht zutraut, sie einem über den Kopf wachsen oder es für einen genau das Richtige ist. Es geht um Resilienz, die Fähigkeit Krisen zu bewältigen, mit Krisensituationen aktiv und konstruktiv umzugehen.

Unter anderem hat die Studie nach der Berufszufriedenheit gefragt. Wie sieht die beispielsweise in der Berufsgruppe der Priester aus?

Insgesamt kann man sagen, dass die Priester zufrieden sind, allerdings muss man dabei auch differenzieren. Zum Teil gibt es Generationsunterschiede, die Frage nach Entwicklungsmöglichkeiten ist gerade bei jüngeren Priestern ein durchaus wichtiger Punkt. Und es geht darum, wie ist jemand mit seinem eigenen Leben zufrieden, mit seinem Dienst, mit der Bistumsleitung und mit den Organisationsstrukturen. Gerade beim letzten Punkt gibt es auch Unzufriedenheit. Die Studie benennt eine gewisse Spannung zwischen der Freude an der Seelsorge und der Unzufriedenheit mit der Organisation.

Das heißt konkret?

Aus den vielen Gesprächen, die wir im Zusammenhang mit der Seelsorgestudie geführt haben, weiß ich, dass sich Priester, ebenso aber auch die Diakone und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den pastoralen Berufsgruppen, eine klare Orientierung im Blick auf die pastorale Ausrichtung des Bistums wünschen. Der Grundgedanke der „Lokalen Kirchenentwicklung“ gibt eine solche Linie vor. Natürlich stellen sich in diesem Zusammenhang viele weitere Fragen, die geklärt werden müssen: Die Rolle der Priester und der pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entwickelt sich weiter, vieles von dem, was bis jetzt vertraut war, bricht weg, Neues entwickelt sich. Solche Prozesse können auch verunsichern. Ich glaube, dass sie nicht ohne gute Begleitung gehen.

Was ist Ihnen dabei besonders wichtig?

Persönlich sind mir dabei Klarheit und Transparenz wichtig. In jeder Organisation müssen Entscheidungen getroffen werden. Wichtig ist, dass man die Hintergründe und die Zusammenhänge dieser Entscheidungen verstehen kann. Für meinen eigenen Dienstbereich bedeutet das, dass wir mehr eine langfristige Stellenplanung und weniger ein kurzfristiges „Löcherstopfen“ brauchen. Natürlich ist Personalplanung kein Wunschkonzert und bei unseren sehr begrenzten Personalressourcen ist nicht alles machbar. Und dennoch sind die pastoralen Notwendigkeiten und die Anliegen der pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Einklang zu bringen. Das geht natürlich nicht ohne Kompromisse.

Aus meiner Sicht müssen Entscheidungen in der Personalplanung und -entwicklung transparent und die Betroffenen daran stärker beteiligt sein. Darüber hinaus scheint mir wichtig zu sein, dass wir Formate und Orte des Austauschens haben, die den Dialog stärken und Partizipation ermöglichen.

Viele Priester leben allein. Hat die Studie hier konkrete Erkenntnisse gebracht?

Die Studie unterstreicht, wie wichtig für Priester soziale Netzwerke sind, konkrete persönliche Kontakte und Beziehungen, die gegenseitige Unterstützung, die Gewissheit: Ich stehe hier nicht allein, ich habe Rückhalt bei den Mitbrüdern, den Mitarbeitern, in der Gemeinde und der Bistumsleitung. Daher schlägt die Studie vor, dass Priester die Möglichkeit haben sollten, sich im Alltag zu begegnen und auszutauschen. Es gibt eine Reihe von Mitbrüdern, die sich vorstellen können, in einer Wohngemeinschaft zu leben oder mit anderen Mitbrüdern den Dienst zu teilen.

Welche Rolle spielt für Priester, aber auch für die anderen pas­toralen Mitarbeiter die eigene Spiritualität?

Man kann nur glaubhaft verkünden, wovon man selbst überzeugt ist und was man selbst lebt. Die eigene Spiritualität ist die Basis der pastoralen Arbeit. Und sie ist eine Kraftquelle. Wir ermuntern dazu, die eigene Spiritualität zu pflegen und fördern. Dafür sollte sich jeder täglich die notwendige Zeit nehmen. Mein Wunsch ist es, die Recollectio, geistliche Besinnungstage, wo sich Priester (sowie die anderen pastoralen Berufsgruppen) für einen oder einen halben Tag treffen, wieder stärker in den Focus zu nehmen. Wo es sie nicht mehr gibt, sollte man sie neu aufleben lassen. Der gegenseitige geistliche Austausch, über Schrifttexte zu sprechen, gemeinsam zu beten, kann nicht hoch genug geschätzt werden. Außerdem ist es unser Ziel, dass alle, die in der Pastoral tätig sind, regelmäßig an Exerzitien teilnehmen – Gruppen- oder auch Einzelexerzitien –, um den eigenen Glaubensstandpunkt zu überprüfen, zu korrigieren und gestärkt zurück in den Alltag zu gehen.

Insgesamt wird es ab diesem Sommer eine große Versetzungswelle im Bistum Hildesheim geben. Wie viele Priester und Pfarreien sind davon betroffen?

Es wird keine Versetzungswelle geben – das hört sich an, als würde man routinemäßig den ganzen Laden einmal neu durchmischen, weil es jetzt gerade mal wieder dran ist. Uns geht es um etwas anderes. Wir wollen mit dem Stellenplan 2025 die Kirche im Bistum Hildesheim gut für die Zukunft aufstellen. Dabei geht es zum einen um den Teamgedanken, um die Passung der pastoralen Herausforderungen zu den Fähigkeiten und Charismen der Einzelnen und letztendlich um die Herausforderung, mit durchaus begrenzten Resourcen die pas­torale Arbeit im Bistum sicherzustellen.

In diesem Jahr wird es in 29 Pfarreien personelle Veränderungen geben. Ein Großteil dieser Veränderung betrifft die Leitungsverantwortung in diesen Pfarrgemeinden. In den kommenden Jahren folgen ähnliche personelle Veränderungen. Nach Abschluss dieser Personalveränderungen werden wir etwa 40 Teams im überpfarrlichen Personaleinsatz haben.

Interview: Edmund Deppe

In der nächsten Ausgabe Ihrer KirchenZeitung können Sie den 2. Teil des großen Sommerinterviews mit Domkapitular Martin Wilk lesen. Darin geht es um den überpfarrlichen Personaleinsatz.