24.04.2013

Kirchenrechtliches Verfahren wegen Missbrauch abgeschlossen

Andreas L. ist kein Priester mehr

Der wegen Kindesmissbrauch in besonders schwerem Fall verurteilte Pfarrer Andreas L. ist nicht mehr Priester. Er wurde auf eigenen Wunsch durch die vatikanische Glaubenskongregation aus dem Klerikerstand entlassen.

Andreas L. wurde im Januar letzten Jahres zu sechs Jahren Haft verurteilt. Das Landgericht Braunschweig sah es als erwiesen an, dass er drei Jungen über Jahre sexuell schwer missbraucht hat. Der heute 47-Jährige wurde für 250 Taten verurteilt.  Zum Tatzeitpunkt waren die Opfer zwischen neun und 15 Jahren alt.

L. hatte nach seiner Verhaftung im Juni 2011 zunächst einen Teil der Taten gestanden. Unmittelbar nach Eröffnung der Hauptverhandlung hatte er ein vollständiges Geständnis abgelegt. Dabei war auch der Strafrahmen durch Verhandlungen zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung festgelegt worden.

Unmittelbar nach dem staatlichen Urteil wurde ein kirchenrechtliches Verfahren gegen L. begonnen. Das Urteil wurde zusammen mit den Unterlagen der bisherigen kirchlichen Ermittlungen an die Glaubenskongregation weitergereicht. „Das entspricht den Vorgaben des Vatikans in Fällen von sexuellem Missbrauch“, erläutert Weihbischof Heinz-Günter Bongartz. Das Urteil der Glaubenskongregation könne sich so auf die staatlichen Ermittlungen stützen. Die Beweisführung braucht nicht noch einmal neu erbracht werden.  Seit Ende der 1980er-Jahre ist die Glaubenskongregation für Fälle sexuellen Missbrauchs durch Priester zuständig.

Nach Angaben von Bongartz hat L. im Sommer letzten Jahres in einem Schreiben an die Glaubenskongregation von sich aus um seine Entlassung aus dem Klerikerstand gebeten. Trotzdem zog sich das Verfahren noch über ein Dreivierteljahr hin: „Bestimmungen müssen berücksichtigt werden und der Postverkehr zwischen dem Vatikan, Hildesheim und dem Gefängnis braucht Zeit.“ Nun die Entscheidung: L. ist zum 28. März aus dem priesterlichen Dienst ausgeschieden und in den Laienstand versetzt worden – durch ein sogenanntes „Rescript“, also die Rückantwort auf ein Gesuch. Bischof Norbert Trelle hat dieses Rescript auch unterzeichnet.

Eines hat das Bistum aber noch zu tun. Es muss L. für seine Jahre als Kaplan und Pfarrer im Bistum –  von 1997 bis zu seiner Verhaftung  2011 – in der Rentenversicherung nachversichern. „Wir kommen hier lediglich unserer gesetzlichen Verpflichtung nach“, betont  Bongartz. L. habe von sich aus um die Laisierung nachgesucht: „Das zeigt, dass er selbst realisiert hat, nach diesen Straftaten niemals wieder als Priester tätig sein zu können“, sagt der Weihbischof.

Rüdiger Wala