05.10.2015

Neue Diakone im Zivilberuf

Anstifter zur Nächstenliebe

Sie dürfen taufen, sie können predigen – aber vor allem sollen sie zur Nächstenliebe anstiften: Vier Männer werden zu ständigen Diakonen geweiht.

Sie werden am Samstag, 10. Oktober 2015, zu ständigen Diakonen geweiht: Peter Wypich (Wolfsburg), Michael Bonert (Achim), Winfried Hubach-Federbusch (Bad Salzdetfurth) und Marc Beer (Hannover). Foto: Wala

Die katholische Kirche nennt sie „viri probati“ – bewährte Männer. Sie haben sich in ihrem Beruf, in der Gesellschaft ebenso wie in der Gemeinde bewährt, auch in Ehe und Familie. Wenn sie nun durch Gebet und Handauflegung zu ständigen Diakonen geweiht werden, kommt eine bedeutsame Aufgabe auf sie zu: Anstifter zur Nächstenliebe zu sein.

Die Arbeit von Winfried Hubach-Federbusch ist zutiefst sozial: Der 45-jährige zweifache Vater ist pädagogischer Mitarbeiter in der Evangelischen Stiftung Neuerkerode. Die Stiftung betreut unter anderem über 750 behinderte Menschen in dem Dorf nahe Braunschweig, das ihr den Namen gab. 

„Natürlich prägt diese Arbeit“, berichtet Hubach-Federbusch. Auch ehrenamtlich: Seit 26 Jahren engagiert sich der zur Gemeinde St. Gallus in Bad Salzdetfurth gehörende Hubach-Federbusch im Rehabilitationssport mit behinderten Menschen.

Leitwort: „Gott in allen Dingen loben“

Doch Pädagogik und Sport allein reichen ihm nicht: „Die Idee, als Diakon tätig zu sein, ist langsam gewachsen“, erinnert er sich. Grundgelegt wurde sie in der kirchlichen Jugendarbeit, verstärkt noch einmal durch seine Heimat in der Gemeinschaft Christlichen Lebens (GCL). Die geistliche Gemeinschaft orientiert sich an Leben, Wirkung und Worten des heiligen Ignatius von Loyola, dem  Gründer des Jesuitenordens. Dessen Leitgedanke „Gott in allen Dingen zu loben“, ist für Hubach-Federbusch wegweisend geworden – „ein zentraler Anstoß für das Diakonat.“

Bei Michael Bonert liegen die Wurzeln in der Katholischen Jungen Gemeinde: „Geistlich, aber anpackend“, nennt der 42-jährige Familienvater diese Zeit – und auch sein Verständnis als Diakon.  „Man muss doch was tun, das ist für mich ein wichtiger Leitgedanke“, sagt er.

Ein Leitgedanke übrigens, der ihm auch Übungen in Demut abverlangt hat. Bonert war 1998 und 2000 Mitarbeiter bei den Katholikentagen in Mainz und Hamburg in den Bereichen Verkehr und Verpflegung: „Also da, worüber alle meckern.“

Die Verkehrsforschung machte er auch zum Beruf. Zuletzt war er Ingenieur beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Bremen. Zurzeit kümmert er sich um seine zwei Kinder – und bietet Pfarreien in Sachen Kommunikation und Projektmanagement seine Hilfe an. Bonert ist seit 2013 Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der Gemeinde- und Organisationsberater im Bistum Hildesheim. Bonerts Heimatgemeinde ist St. Matthias in Achim.

Gestalten, Verantwortung übernehmen, helfen

Peter Wypich ist, wie er selbst sagt, „ein Wiederholungstäter in Sachen Diakonat“. Vor 20 Jahren  habe er schon einmal angeklopft: „Da hieß es, Ihre Kinder sind doch noch klein.“ Jetzt sind seine zwei Töchter und zwei Söhne mehr als aus dem Gröbsten raus.

Der 56-jährige Wypich stammt aus Polen, kam 1981 als Spätaussiedler in die Bundesrepublik. Ein Lebensweg, den nicht wenige Mitglieder seiner St.-Christophorus-Gemeinde In Wolfsburg teilen. Auch seinen Arbeitgeber: Der gelernte Schlosser arbeitet als Maschinist und Teamleiter beim Volkswagenwerk.

Verantwortung übernehmen, gestalten, helfen – das wollte Wypich schon immer.  Deshalb engagierte er sich unter anderem im Pfarrgemeinderat von St. Christophorus. Doch gerade das Automobilwerk sei das Feld, in dem er tätig werden kann.

Marc Beer ist der einzige Ledige unter den vier Weihekandidaten. Trotzdem will er sich bewusst zum Diakon und nicht zum Priester weihen lassen. „Die Überlegung war da“, berichtet der 40-Jährige, der am Bischöflichen Gymnasium Josephinum in Hildesheim Politik und Wirtschaft unterrichtet. Aber auch Praktika haben ihm gezeigt, dass er seine Berufung vor allem in der diakonalen Arbeit sieht.

Seit vielen Jahren verteilt der studierte Politwissenschaftler alle 14 Tage Lebensmittel der Hannöverschen Tafel in der Gemeinde St. Martin in Hannover-Roderbruch – einem Stadtteil, in dem sich viele Probleme einer Großstadt häufen. „Mit einer Handvoll Menschen haben wir angefangen, heute kommen regelmäßig über 100.“

Die Weiheliturgie beginnt am 10. Oktober um 10 Uhr im Mariendom zu Hildesheim.

 

Ständiger Diakon: Diener für alle

Bereits für die urchristliche Kirche ist das Amt des Diakons bezeugt (Phil 1,1 und 1 Tim 3,8).  Schon zu dieser Zeit haben Diakone sich um Kranke gekümmert, den Glauben gelehrt,  Gemeinden geleitet und „bei Tisch“ – also bei der Feier der Eucharistie  – gedient (Apg 6,1), Heute ist die vordringliche Aufgabe ständiger Diakone, sich sowohl um Menschen in Bedrängnis zu kümmern als auch  Gemeinden auf Notlagen aufmerksam zu machen. Sie sollen sie zur tätigen Mithilfe anregen, Anstifter zur Nächstenliebe sein. Diakone mit Zivilberuf sind nach der Weihe weiter in ihrer Arbeitswelt tätig. Auf diese Weise sollen sie eine Brücke schlagen zwischen den Nöten der Welt und der Eucharistie.