27.04.2017

Bald treiben erste Blätter aus

Eine reife Leistung: 260 Helfer der Pfarrgemeinde St. Marien in Lüneburg haben einen Samstag lang Tausende von Setzlingen in den Boden gebracht. Ein Hektar neuer Wald. 

Kaum vorstellbar: Hier, unter den kerzengeraden Nadelbäumen, sollen schon in ein paar Jahren die neuen Buchen das Bild bestimmen. Fotos: privat

Es hat ein bisschen was von diesen Ideen, die gemeinhin mit der Vorsilbe „Schnaps“ versehen werden. Man könne doch Bäume pflanzen – diese  Idee kam im Gespräch von Eltern der Kommunionkinder in St. Marien in Lüneburg mit Diakon Martin Blankenburg auf. Zumal es seit März 2016 in der Gemeinde einen Arbeitskreis „Laudato si“ gibt.

Dessen Plan: die Umweltenzyklika von Papst Franziskus in den Alltag von St. Marien zu übertragen. Zum einen mit Informationen über nachhaltigen Verbrauch, über das kirchliche Umweltmanagement „Grüner Hahn“ oder Alternativen zum eigenen Auto. Zum anderen mit Tat, Muskelkraft und Schaufel – Bäume pflanzen. Schließlich fordert Papst Franziskus in Laudato Si ausdrücklich zur „Pflege der Ökosysteme“ auf.

Kommen Ideen erst einmal ins Rollen, bleibt es nicht nur bei einigen wenigen Bäumen – auch wenn sie ein Mini-Format haben: „Einen Hektar Wald mit über 5200 Setzlingen, das haben wir uns vorgenommen“, erläutert Blankenburg. An einem Tag gepflanzt. Dafür werden viele helfende Hände benötigt. Und Spenden und Zuschüsse: gut 7000 Euro für Setzlinge, Pflanzstreifen und Material für einen Zaun – für den Schutz der Bäumchen im Werden.

 

Daumen hoch für die Umwelt: ein Teil der Helfer des Aufforstungsprogramms.

Aus dem Nadel- wird ein Mischwald

Gepflanzt wurden die Rotbuchen-Setzlinge übrigens nicht auf freiem Feld, sondern innerhalb eines bestehenden Kiefernwaldes: „Aus dem Nadel- soll ein Mischwald werden, das ist ökologisch besser“, erläutert Blankenburg, der bei der Planung der Aktion eng mit Lüneburgs Stadtförster Michael Stall zusammengearbeitet  hat.

Spenden wurden gesammelt und  Zuschüsse eingeholt – beispielsweise bei der Bingo-Umwelt-Stiftung des Landes Niedersachsen oder der „Stiftung Plant for the Planet“, die gezielt Baumpflanzaktionen für und mit Kindern und Jugendlichen unterstützt.  Und es fand sich eine stattliche Zahl an Helfern: „260 Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer haben sich zum Mitmachen bereit erklärt.“

Die Liste der Unterstützer ist lang: aus der St.-Ursula-Grundschule, dem Kindergarten und -hort der St.-Marien-Gemeinde, der Kolpingsfamilie, dem Sprachheilkindergarten St. Bonifatius und Jugendhilfe St. Bonifatius, beides Einrichtungen der Caritas. Aber auch außerhalb des katholischen Beritts findet die Aktion Unterstützung. Zum Beispiel durch die Tansania-AG der Wilhelm-Raabe-Schule. Das Gymnasium hatte bereits eine ähnliche Aktion durchgeführt – für Martin Blankenburg ein wichtiger Anstoß: „Mein Sohn und ich haben dabei mitgepflanzt.“
 

Die Verschnaufspausen waren nur kurz.

Jetzt hat Blankenburg wieder zur Pflanzschaufel gegriffen. Einen Samstag lang wurde im Wald geackert. Nicht alle der 5200 Setzlinge konnten gepflanzt werden. Das lag nicht zuletzt an einem drohenden Gewitter. Pech und Glück zugleich: „Der starke Regen war für die Setzlinge ideal. So wurde die Erde richtig durchnässt und sie hatten die richtigen Startmöglichkeiten.“  Pech, weil eben nicht alle Mini-Rotbuchen eingesetzt werden konnten. Aber auch hier gab es schnell Abhilfe: Mitarbeiter des Forstamtes haben sie in den Tagen danach in den Boden gebracht. Aber jetzt heißt es Warten: Die Baum-Setzlinge werden voraussichtlich Mitte Juni ihre ersten grünen Blätter bekommen.

Mit einem Apfelbaum fing alles an

Übrigens: Baumpflanzen geübt hat die Gemeinde schon im September 2016. St. Marien war der bistumsweiten Allianz für die Schöpfung beigetreten. Als Anerkennung dafür gab es ein Apfelbäumchen. Das wurde nach dem Gottesdienst in den Pfarrgarten gepflanzt. Zugegeben: nur ein Baum – knapp 1,50 Meter hoch.  Aber eine gute Übung für weitere 5200 Setzlinge.

Rüdiger Wala