01.02.2013

Kommentar

Demut und Bescheidenheit

Von Ulrich Waschki

In diesen Tagen ist es nicht einfach, Katholik zu sein. Wieder einmal fliegen uns die schlechten Nachrichten um die Ohren. Ganz ehrlich: Es ist einfach frustrierend. Zumal viele schlechte Nachrichten hausgemacht sind – durch Uneinigkeit, Führungsfehler, schlechte Kommunikation. Die Menschen laufen der Kirche davon: Das belegt die jüngst vorgestellte Sinus-Milieu-Studie.

Selbst in den Milieus, die bislang noch kirchentreu sind, wächst der Zweifel. Nicht der Zweifel an Gott, sondern der Zweifel, ob die Kirche mit den Herausforderungen unserer Zeit richtig umgeht. Und den jüngeren Milieus unserer Gesellschaft ist die Kirche meist völlig egal. Da können auch begeisterte Gruppen wie „Jugend 2000“ oder die „Generation Benedikt“ nichts retten. Dafür sind sie einfach zu klein.

Schon kommen Kritiker daher, die die Methode der Studie anzweifeln oder von „passenden Ergebnissen“ im Sinne einer Auftragsstudie reden. So einfach kann man es sich auch machen.
Die Studie ist ein Weckruf: Will die Kirche diese Gesellschaft in ihrem Sinne mitgestalten, muss sie umsteuern. Das betrifft einmal ihren Auftritt: Nicht Triumph und Pomp sind angesagt, sondern Demut und Bescheidenheit. Um das in den letzten Jahren verspielte Vertrauen wiederzugewinnen, müssen die Kirche und ihre Repräsentanten das Büßergewand anziehen. Und das für lange Zeit.

Auch die geistliche Autorität ist verloren

Allzu sehr sind viele noch den vermeintlich glorreichen Zeiten verhaftet, in denen kirchliche Amtsträger wie weltliche Autoritäten daherkommen konnten. Die Studie zeigt: Mittlerweile ist auch die geistliche Autorität verloren. Regeln, Gebote und Vorschriften von kirchlicher Seite stoßen auf Ablehnung.

Für eine glaubwürdige Verkündigung müssen Worte und Taten übereinstimmen. Viele Menschen haben das Gefühl, dass das nicht der Fall ist. Der Umgang etwa mit wiederverheiratet Geschiedenen oder Homosexuellen ist für sie eine Ausgrenzung, die die christliche Liebesbotschaft verdunkelt.

Und die Worte müssen einen Glauben anbieten, der im täglichen Leben hilft, der im beruflichen und gesellschaftlichen Konkurrenzkampf entlastet. Das ist nicht nur eine Aufgabe der Amtsträger. Sie werden weniger. Deswegen müssen auch ganz normale Katholiken mehr Zeugnis geben von ihrem Glauben. Wir alle müssen verkünden, dass Gott nicht irgendeine abstrakte höhere Macht ist, sondern ein persönliches Gegenüber, das ich ansprechen kann, dem ich mich mit meinen Sorgen und Nöten, aber auch Freuden anvertrauen kann.