22.02.2013

Kommentar

Die Reform des Papstes

Von Roland Juchem

Erste Preisfrage: Ist Benedikt XVI. ein Reformpapst? Zweite Preisfrage: Wenn ja, werden sich seine Reformen durchsetzen? Auch wenn nicht alle unter Reform das Gleiche verstehen, ist eine Antwort möglich. Laut Umfragen wünschen sich die Menschen in Deutschland vom neuen Papst Reformen: Frauenordination, zeitgemäße Ehe- und Sexualmoral, mehr ökumenische Gastfreundschaft … Die Anliegen sind bekannt, auch nachvollziehbar. In dieser Hinsicht war Benedikt XVI. kein Reformpapst. Aber in anderer Hinsicht …

Mit seinem Rücktritt hat er geradezu ein Tabu gebrochen und so das Papstamt – jahrhundertelang quasi als höchster Posten auf Erden angesehen – reformiert: die Tiara aus dem Wappen genommen, vesucht den Personenkult einzudämmen. Immer wieder hat er vom Petrus-amt gesprochen – und nicht vom „Stellvertreter Christi“.

Manche sagen, mit seinem Rücktritt habe Benedikt XVI. das Papstamt entzaubert. Das stimmt. Nur empfinden die einen das als richtig und zukunftsweisend, andere sind enttäuscht. „Ein Papst tritt nicht zurück“, murrt mancher. Und es klingt, als fürchtete er, bald könne auch Gott zurücktreten.

An dem Punkt nun wird es spannend: Es wird klar, wie missverständlich der Titel „Stellvertreter Christi“ ist. Je abgehobener das Papstamt ist, desto schwieriger wird es, das Evangelium zu verkünden, weil ein Papst die Menschen nicht mehr erreicht. Das neofeudale Gehabe und die teilweise eklatante Un-professionalität der Kurie tun ein Übriges. Ob sich in einem solchen Umfeld der Reformanstoß des scheidenden Papstes durchsetzt, hängt von seinem Nachfolger ab. Der kann den von Benedikt eröffneten Spielraum nutzen und ausbauen – unter anderem mit Reformen im Vatikan.

Immer wieder verwies Benedikt XVI. auf das wirkliche Oberhaupt der Kirche: auf Jesus Christus. Der aber sagt von sich: „Was ihr dem Geringsten meiner Geschwister getan habt, habt ihr mir getan.“ In diesem Sinn wird Christus vor allem auch von jenen vertreten, die in dieser Welt der großen und kleinen Gewinnmaximierer zu kurz kommen.

Keine Frage: Es ist schön, in einer Kirche zu leben, die einen erkennbaren, überzeugenden Sprecher hat, einen, der sich darum sorgt, dass in unserer pluralen Welt die Kirche nicht auseinanderfliegt, und der immer wieder darauf hinweist, wo und wie Gott den Menschen begegnet. Das Petrusamt lohnt noch einige Reformen: im Dienst Jesu und im Dienst aller Christen. Der Nachfolger Benedikts XVI. muss dessen Reform aber weiterführen.