09.11.2014

Kommentar

Du bist willkommen

Von Hubertus Büker

Manchen mag allein schon diese Frage nerven: Was bringt die Vorbereitung auf die Erstkommunion? Schließlich darf man mit einigem Recht misstrauisch sein gegenüber dem Drang, für alles und jedes Kosten-Nutzen-Rechnungen aufzumachen. Lässt sich überhaupt „messen“, was Katechese bewirkt? Und soll der Christ es nicht ohnehin vertrauensvoll Gott überlassen, was er aus dem Samen, den Menschen aussäen, wachsen lässt?

Andere werden es als überfällig betrachten, dass endlich einmal gründlich untersucht worden ist, ob sich der beträchtliche Aufwand in Sachen Erstkommunionkatechese lohnt. Immerhin wird in den Gemeinden eine Menge Zeit und Kraft in diese Aufgabe investiert – da erscheint es nur recht und billig, dass die Forschungsgruppe „Religion und Gesellschaft“ den Sinn dieses Tuns jetzt überprüft hat.

Die Ergebnisse der Studie stärken all die vielen Frauen und Männer, die sich um die Kommunionkinder kümmern. Ihre Bemühungen sind nicht vergeblich – das haben die Wissenschaftler ihnen bescheinigt. Die Kinder lernen eine Menge über den Glauben, sie üben solidarisches Verhalten ein, sie erleben die Feier ihrer Erstkommunion als Höhepunkt – und auch in ihren Familien wird der Religion mehr Bedeutung beigemessen als vorher. Den Katecheten kann man da nur sagen: Glückwunsch!

Dass nur wenige Kinder anschließend sonntags zur Kirche kommen, kann nicht als Misserfolg der Katechese gewertet werden, ebenso wenig wie sich Firmvorbereitung, Religionsunterricht oder kirchliche Jugendarbeit „diesen Schuh anziehen“ müssen. Die Ursachen dafür liegen woanders. Dazu sagt die Studie einiges. Zu ergänzen wäre, dass Erziehung heute anders läuft als früher. Wer sich aus der Eltern- und der Großelterngeneration darüber mokiert, dass die Jungen nicht mehr zur Messe erscheinen, sollte zuerst ehrlich die Frage beantworten: Wäre ich denn mit zehn oder 15 Jahren zur Kirche gegangen, hätte ich es selbst entscheiden dürfen?

So gut wie alle Ehren- und Hauptamtlichen, die sich heute um Glaubensvermittlung bemühen, leben den Kindern eine einladende Kirche vor. Neben vielem anderen, was bei den Kindern nachweislich „hängenbleibt“, sollte sich dies langfristig positiv auswirken: Wer sich in jungen Jahren in der Kirche freundlich angenommen, geschätzt und bereichert fühlt, vergisst das nicht. Du bist jederzeit willkommen – wenn das in den Herzen und Hirnen der Kinder abgespeichert wird, haben sich die Anstrengungen gelohnt.