01.07.2014

Bischof schenkt jeder Pfarrei eine Weihrauchschale – geschmiedet in Königsmünster

Ein Geschenk an die Gemeinden

In der Benediktinerabtei Königsmünster im Sauerland fertigt der aus dem Bistum Hildesheim stammende Kunstschmied Pater Abraham Fischer Weihrauchschalen für jede Pfarrei der Diözese. Ein Werkstattbesuch.

MItarbeiter Christoph Falke lötet Schale und Sockel in der Abtei Königsmünster zusammen. Fotos: Behnke

Ein Wort, geschmiedet aus Eisen, schmückt die weiß getünchte Wand der Werkstatt: „Schwermetall“.  Denn das ist es, worum sich alles dreht in der Schmiede der Abtei Königsmünster im Sauerland: Eisen, Kupfer, Messing, Aluminium oder Titan. Welch filigrane Arbeiten aus diesen „schweren Metallen“ entstehen können, das sieht der Besucher nebenan: Zierliche Kreuze stehen in den Vitrinen, sakrale Bilder aus fein geschliffenem Titan, kleine und große Grableuchten, glänzende Schlüsselanhänger mit eingraviertem Segensgruß. „Ich liebe einfach Metall“, sagt der Prior des Benediktinerklosters, Pater Abraham Fischer. „Sonst kann man kein Handwerker sein. Metall hat Schwere und Gewichtigkeit und gleichzeitig Formbarkeit und Leichtigkeit – es macht Spaß, damit zu arbeiten.“

„Der Dom ist meine Heimat“

Im Moment arbeiten Pater Abraham und sein Mitarbeiter Christoph Falke vor allem mit Messing. In der Werkstatt im hinteren Bereich des großen Areals der Abtei, in der er seit seinem Eintritt in den Orden 1988 tätig ist, produzieren die beiden 200 Weihrauchschalen für die Kirchengemeinden des Bistums Hildesheim. Jede Pfarrei zwischen Cuxhaven und Hann.Münden wird auf Wunsch von Bischof Norbert Trelle anlässlich des anstehenden Bistumsjubiläums eine solche Schale erhalten.

Das Logo im Sockel der Weihrauchschalen hat für Pater Abraham Fischer eine symbolhafte Bedeutung: Der Dom bildet die Wurzel des Bistums.

Dass die Schalen hier im Sauerland produziert werden, liegt nicht nur an der Erfahrung und Kunstfertigkeit des gelernten Kunstschmiedes mit Meisterbrief: Pater Abraham ist ein Kind des Bistums. 1966 in Klein Escherde geboren, besuchte er das bischöfliche Gymnasium Josephinum und später das Priesterseminar in Hildesheim. „Der Hildesheimer Dom ist meine Heimat – neben unserer Dorfkirche zu Hause.“ Eine Heimat, die er regelmäßig besucht, zumal er als Prior auch für den kleinen Ableger der Abtei, die Cella St. Benedikt in der Innenstadt von Hannover, zuständig ist.

Das erste Arbeitsgerät, das Pater Abraham braucht, um aus dem Metall eine Schale zu erstellen, ist der Computer. Am Bildschirm hat der Metallgestalter mit Hilfe eines speziellen Designprogramms und in Absprache mit dem Domkapitel die Form entworfen: Schnörkellos und schlicht sollte sie sein und aus massivem Messing, einer Legierung aus Kupfer und Zink. „In der kirchlichen Kunst hat man oft Kupfermetalle, also Bronze und Messing, verwendet: Auch die Bernwardtüren und die Bernwardsäule sind ja aus diesem Material“, begründet er seine Entscheidung.

Mittlerweile sind alle Schalen in der Schmiede angeliefert worden. Noch leuchten sie golden, doch das wird sich bald ändern. Denn jetzt verbindet Christoph Falke die Schalen mit einem Sockel. Dazu muss er das Metall in einem Ofen bei 800 bis 1000 Grad erhitzen, um es noch heiß in die richtige Form zu biegen. Dabei fällt auf: In den Sockel hat Pater Abraham zuvor das Logo des Bistumsjubiläum eingearbeitet. „Es erinnert mich an den Dom“, sagt er. Dass es sich dort unten und nicht mitten in der Schale befindet, ist natürlich kein Zufall. „Für mich steht dahinter: Die Bistumskirche ist die Basis, die Wurzel eines Bistums. Und wer dort verwurzelt ist, der kann auch an den Rändern des Bistums, ob in Bremerhaven oder Göttingen, seine Arbeit tun.“

Messingschalen werden noch patiniert

Bevor die 200 Weihrauchschalen zur Wiedereröffnung des Domes am 15. August, zugleich dem Beginn der Jubiläumsfeierlichkeiten, auf den Weg gen Hildesheim geschickt werden, wird jede einzelne noch in der Schmiede mit dem Sandstrahl aufgerieben und anschließend dunkel patiniert. Die Pfarreien bekommen ihre Schale dann zusammen mit einer goldenen Dose. Die enthält 100 Gramm Rosenweihrauch – denselben Weihrauch, mit dem auch der Altar des sanierten Doms geweiht werden wird.

Stefanie Behnke

 

Vom Werkstattbesuch gibt es auch ein Video.