04.02.2015

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken diskutiert in Hildesheim über Lokale Kirchenentwicklung

Ein Leuchtturm für die ganze Kirche?

 

Was ist das besondere am Hildesheimer Modell der Lokalen Kirchenentwicklung? Dieser Frage widmet sich an die „Rätetagung“ des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) in Hildesheim.

Das Startsignal für die konkrete Umsetzung Lokaler Kirchenentwicklung: Im März 2011 sendet Generalvikar Dr. Werner Schreer in Buxtehude die ersten lokalen Leitungsteams aus. Foto. Wala

„Wir freuen uns, dass die Vorsitzenden der Diözesanräte und die von ihnen in das ZdK benannten Mitglieder gerade im Jahr des Bistumsjubiläums nach Hildesheim kommen“, sagt Elisabeth Eicke, die Vorsitzende des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Hildesheim. Vor allem, weil die Tagung das Hildesheimer Modell der Lokalen Kirchenentwicklung in den Blick nimmt.

Für uns ist es das Zukunftsprojekt“, betont Eicke. Denn die Lokale Kirchenentwicklung und vor allem die gemeinsame Leitung der Gemeinden von Priestern und Laien ist Standard im Bistum Hildesheim. „Es ist keine reine Struktur- und schon gar keine Machtfrage“, meint Eicke. Das Hildesheimer Modell sei die Folge eines „geistlichen Prozesses, der ernst nimmt, dass alle getauften und gefirmten Christen zu einem gemeinsamen Priestertum berufen sind.“

Modellprojekte in fünf Gemeinden

Bereits 2006 hat Bischof Norbert Trelle eine Steuerungsgruppe eingesetzt, die ein neues Zusammenspiel zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen in den Blick nehmen soll. Wer kann wie und wo Verantwortung für kirchliches Leben in einer Pfarrei mit mehreren Gemeindeorten tragen? In fünf Pfarreien wurden von 2011 an unterschiedliche Modelle einer gemeinsamen Leitung ausprobiert.

Das Ergebnis: Es gibt mehr als eine Antwort auf die Frage, wie bleibt Gemeinde an einem Kirchort lebendig? Mitwirkung durch lokale Leitungsteams ist nicht überall gleich ausgestaltet. Im Gegenteil: Die gewählten Gremienmodelle sind vielfältig und unterscheiden sich stark. Mal wird das Vor-Ort-Team vom Pfarrgemeinderat delegiert, mal ist der PGR eher ein Forum der drei oder vier Teams einer Pfarrei. Erproben geht vor Regeln.
Das eine, für alle Gemeinden zwischen Nordsee und Harz verbindliche Modell gibt es nicht. Kirchliches Leben wird vielfältiger werden. Vor allem nach den Gremienwahlen im November letzten Jahres: Gemeinden können selbständig Möglichkeiten lokaler Leitungsteams nutzen. 

Aber wie sieht es mit der Frage nach Leitung durch Laien, nach Gemeindeleitung im Team in anderen Bistümern aus. Dazu wurde im Vorfeld der Tagung eine Umfrage durchgeführt: 28 Geschäftsführer der Diözesanräte wurden angeschrieben, 21 haben geantwortet. Zehnmal hieß es: In der Diözese ist keine Möglichkeit der Leitung von Pfarreien durch Laien vorgesehen. Zweimal – in Mainz und Freiburg – gab es Pilotprojekte, die jedoch nicht weiter verfolgt wurden.

Vielfältige Entwicklungen in den Bistümern

Das Bistum Würzburg setzt auf Modelle kooperativer Gemeindeleitung, die seit dem vergangenen Jahr in fünf Pfarreiengemeinschaften ausprobiert werden. Auch in  Speyer wird von 2016 an experimentiert: Neben einem Pfarreirat können sich Gemeindeausschüsse bilden, die auf Eigeninitiative tätig sind.

Einen Schritt weiter sind neben Hildesheim noch sieben weitere Diözesen. Im Bistum Aachen gibt es seit 1998 die Möglichkeit  zur Gemeindeleitung in Gemeinschaft, seit 2013 die Beauftragung von Verantwortlichen. Gut 20 Gemeinden haben Erfahrung mit diesem Modell gesammelt.

In Bamberg können ehrenamtliche Ansprechpartner nach einer zweijährigen Ausbildung für Gemeinden Verantwortung übernehmen. Eine ähnliche Entwicklung gibt es in Rotenburg-Stuttgart: Auch hier können Ansprechpersonen, die Führungsaufgaben nach Delegation wahrnehmen. Zudem kann eine vakante Pfarrgemeinde zeitweilig durch Pfarrbeauftragte geleitet werden. 

Hamburg dagegen setzt auf Leitungsteams von drei bis fünf Ehrenamtlichen in Gemeinden im Rahmen pastoraler Räume, wie es heißt. Dieses Modell wird seit 2014 in acht Gemeinden umgesetzt. Eine ähnliche Entwicklung gibt es im Erzbistum Köln – allerdings mit Einschränkungen. Beim sogenannten „Petrus-Weg“ übernehmen vier bis fünf Ehrenamtliche Verantwortung für das Leben der Gemeinde. Bestimmte Bereiche wie Jugendarbeit, Sakramentenvorbereitung oder der  Dialog mit der Politik fallen nicht in ihre Verantwortung.
Magdeburg wagt aktuell in einer Pfarrei ein weitreichendes Experiment: ein Leitungsteam aus Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand – mit bischöflicher Beauftragung. Osnabrück schließlich setzt auf den Weg einer „Kirche der Beteiligung“: Ehrenamtliche Gemeindeteams werden für drei Jahre vom Bischof beauftragt. Sie werden zuvor von den Pfarreigremien und dem Hauptamtlichen benannt.

Rüdiger Wala

 

Buchtipp: „Seht, ich schaffe Neues – schon sproßt es auf" Lokale Kirchenentwicklung gestalten