11.12.2015

Vinzenzpforte in Hildesheim ist wieder geöffnet

Ein offenes Ohr ist das Wichtigste

Sie gehört zum Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern wie der Dom zu Hildesheim: die Vinzenzpforte. Jetzt lädt sie wieder ein – zu einer Mahlzeit und zu offenen Ohren.

Papst Franziskus hat ein Heiliges Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen – für die Hildesheimer Vinzentinnerinnen der Anlass, die Vinzenzpforte wieder zu öffnen. Zwei Jahre lang war sie im Zuge der grundlegenden Sanierung des Mutterhauses geschlossen.

Manchmal ist Zeit zum Zuhören wichtiger als das Frühstück, sagt Jeanne Golla (zweite von rechts), sie leitet die wiedereröffnete Vinzenzpforte. Foto: Wala

„Der kürzeste Weg zu Gott führt über den Nächsten“ – dieses Leitwort des Ordensgründers, des heiligen Vinzenz von Paul, prägt die Vinzenzpforte: „Wir sind offen für Menschen, die bedürftig sind – nach einem Stück Brot ebenso wie nach offenen Ohren“, sagt Leiterin Jeanne Golla. Von 9 Uhr an gibt es Frühstück, zwischen 12.30 und 14 Uhr Mittagessen. Brot, Marmelade „und was gerade da ist“ kommt aus der Klosterküche. Die warme Mahlzeit wird vom Sozialen Mittagstisch Guter Hirt geholt und für 50 Cent ausgegeben.

Aber Essen ist für die 36-jährige Sozialarbeiterin nur der eine Teil, der Leib und Seele zusammenhält: „Wir bieten an kalten Tagen einen Platz zum Aufwärmen und im ganzen Jahr die Möglichkeit, über alles zu reden“.  Oder auch etwas zu machen: „Wir würden unser Angebot gerne noch ausweiten“, erläutert Jeanne Golla. Sie hofft  sowohl auf ehrenamtliche Unterstützung als auch um die Zusammenarbeit mit Studenten oder mit Schulen, zum Beispiel durch Sozialprojekte.

Denn in der neuen Vinzenzpforte ist gerade am Nachmittag, am Abend oder am Wochenende Platz für alle möglichen Ideen: Klosterkaffee, Skatclub, gemeinsames Singen – alles mögliche Angebote: „Ich hoffe, dass wir viel Leben in die Vinzenzpforte bringen können.“

Zurzeit wird die Sozialarbeiterin von Lena Gries unterstützt, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. Für Mai kommenden Jahres wir eine Nachfolgerin gesucht: „Hier können sich Interessierte wirklich austoben“, verspricht Jeanne Golla.

Die neue Vinzenzpforte ist ein klein wenig größer als die alte: Der Eingang wurde verlegt, um einen zusätzlichen Vorraum mit einem Sofa zu schaffen. Die Dusche und sanitären Einrichtungen sind grundlegend renoviert. Ansonsten: drei große Tische und 26 Plätze. „Wenn‘s voll wird rücken wir halt enger zusammen.“
Eines hat sich auch noch geändert: „Wir haben jetzt keine Kleiderkammer mehr“, betont Jeanne Golla. Wer Jacken, Hosen oder ähnliches abzugeben hat, wende sich zukünftig an den Guten Hirten. Marmelade, Kaffee oder Zucker sind als Spende für die Vinzenzpforte aber gern gesehen: „Das hilft uns sehr.“

Schon vor der offiziellen Eröffnung zum Jahr der Barmherzigkeit wurden die ersten Frühstücke und Mittagessen ausgegeben: „Unter den ersten Besuchern waren viele dabei, die schon früher zur Vinzenzpforte gekommen sind“, erzählt Jeanne Golla. Gerade Stammkunden hätten sich nach dem Verbleib der Ordensfrauen erkundigt, die früher Kaffee ausgeschenkt und Brote belegt haben. „Hier hat sich schon etwas an Beziehung aufgebaut“, meint die Sozialarbeiterin. Ein offenes Ohr ist für sie dabei das Wichtigste.

Rüdiger Wala

Geöffnet ist die Vinzenzpforte (Neue Straße 16, 31134 Hildesheim) Montag bis Freitag von 9 bis 14 Uhr. Wer helfen will oder Angebote machen möchte: Kontakt über Jeanne Golla, Telefon: 0 51 21 / 10 98 03 oder E-Mail: j.golla@kongregation-hi.de