18.01.2013

Kommentar

Erwartbarer Schaden

Von Ulrich Waschki

Die Studie des Kriminologen Christian Pfeiffer über sexuellen Missbrauch in der Kirche sollte Vertrauen zurückgewinnen. Doch das Gegenteil ist passiert: Das Scheitern der Zusammenarbeit des Kriminologen Christian Pfeiffer mit den deutschen Bischöfe hat Vertrauen zerstört. Wieder einmal sieht sich die Kirche mit dem Vorwurf konfrontiert, dass sie es mit der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs nicht wirklich ernst meint.

Das schlagzeilenträchtige Finale war erwartbar: Schon seit Monaten deutete sich das Zerwürfnis an. Spätestens seit Oktober war den Beteiligten klar, dass es wohl kaum eine gemeinsame Zukunft geben wird. Umso erstaunlicher, dass die Kirche Pfeiffer bei der Verkündung des endgültigen Bruchs das mediale Feld überließ. Pfeiffer veröffentlichte Auszüge aus internen Dokumenten, die Bischöfe zögerten damit. Das beste Argument gegen den Vorwurf mangelnden Aufklärungswillens wäre es gewesen, wenn die Kirche gleich einen neuen Forscher präsentiert hätte.

Dass die Zusammenarbeit mit Pfeiffer aufgekündigt wurde, war am Ende unausweichlich und richtig. Tatsächlich ist der Forscher ein schwieriger Mensch, zuletzt hat er durch sprunghaftes und provokantes Verhalten das Vertrauen der Bischöfe verspielt. Ohne Vertrauen in die Seriosität des Forschers ist eine solche Studie aber nicht machbar. 

Doch auch die Bischöfe haben ihren Teil zum Scheitern beigetragen. Nach dem Vertragsabschluss waren Detailabsprachen nötig. Da gab es wichtige und knifflige Fragen wie den Datenschutz für Opfer und Täter. Es gab aber auch kirchliche Vorschläge, die den Eindruck erwecken mussten, die Kirche habe ihren Mut verloren und wolle Pfeiffer stärker unter Kontrolle bringen. 

Natürlich, hinterher ist man immer klüger. Dennoch: Der Fehler war wohl ein zu schneller Vertragsschluss mit Pfeiffer. Offensichtlich haben einige Akteure erst danach die Tragweite ihres Beschlusses erkannt. Bei einigen wenigen kann auch mangelnder Aufklärungswillen dazukommen. Für den Großteil der Diözesen gilt das nicht. Vielmehr waren es methodische Bedenken und Fragen zum Umgang mit der Öffentlichkeit, die die Detailverhandlungen belastet haben.

In gewisser Weise hatten sich die Bischöfe mit ihrer Zustimmung zum ersten Vertrag Pfeiffer ausgeliefert. Alle Beteiligten mussten aber wissen, welchen Schaden ein Scheitern der Zusammenarbeit verursachen würde. Nun wird es schwer, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen.