13.05.2013

Heil- und Kräutergarten auf dem Wohldenberg eröffnet

Es grünt im „GottesGarten“

Die Bischofsburg und die Gemeinde St. Hubertus auf dem Wohldenberg bei Hildesheim sind um eine spirituelle Attraktion reicher: Hobbygärtnerin Christiane Nusche hat einen Heil- und Kräutergarten angelegt. Ein Besuch im Grünen.

Ein echter Muntermacher: die Gebetsbuch- oder Balsampflanze. Sie hielten früher die Gläubigen bei längeren Gottesdiensten wach.

Christiane Nusche öffnet die Tür zu ihrem Miniparadies. Rindenmulch dämpft ihre Schritte. Vor ihr reckt sich eine junge Kastanie dem Himmel entgegen, umgeben von einer runden Holzbank – sie sind Mittelpunkt des Heil- und Kräutergartens. Rundherum hat Christiane Nusche die Beete angelegt und mit Steinen vom Gehweg getrennt.

Die Idee, hier einen Garten anzulegen, kam der Kosmetikerin vor ein paar Jahren.  „Aufgewachsen in Sottrum, am Fuß des Wohldenbergs, war ich erschüttert, als ich vor Jahren einen Rundgang gemacht habe“. Der Schrebergarten aus ihren Kindheitstagen war verschwunden. Stattdessen wucherte überall Gestrüpp. Blitzartig – wie Christiane Nusche sagt – kam sie auf den Gedanken, hier einen Heil- und Kräutergarten anzulegen. Einen „GottesGarten“.

Bereits vor zwei Jahren mit den Arbeiten begonnen

„Ich habe einfach mal beim Hausherren nachgefragt, wie er das findet“, sagt Nusche. Gut! Denn damit hat sie bei Pfarrer Lampe ins Schwarze getroffen, wie er sagt: „Als Pfarrer freue ich mich über alles, was wächst.“

Bereits vor zwei Jahren hat sie begonnen das knapp 200 Quad­ratmeter große Gelände von Gestrüpp zu befreien, den Boden umzugraben und für eine Aussaat vorzubereitet. Geschafft hat Nusche das nur mit freiwilligen Helfern  – aus der St.-Hubertus Gemeinde und von weit her. Nusches treueste Helferin kommt regelmäßig aus Bad Gandersheim.

Christiane Nusche hat noch einige freiwillige Helfer aus der St.-Hubertus-Gemeinde, aber auch von weither.

„Kennen Sie eigentlich die Gebetsbuchpflanze?“, fragt Nusche Pfarrer Lampe. Sie zupft ein grünes Blättchen aus dem Beet, reibt es zwischen ihren Fingern, riecht daran. Dann reicht sie es Lampe weiter: „Bauersfrauen, geschafft nach der langen Arbeit, haben es sich in ihr Gebetsbuch gelegt und daran gerochen, wenn sie bei einer langen Predigt müde wurden.“

Christiane Nusche, die sich selbst als Hobbygärtnerin und Kräuterfrau bezeichnet, hat den Garten nach Vorlage mittelalterlicher Kloster- und Burggärten entworfen. Angelegt wurde er auf dem Grund, den schon vor hunderten von Jahren die Burgbewohner als Anbaufläche genutzt haben. Alte Wurzeln tief im Boden, die die 67-Jährige beim Graben gefunden hat, haben ihr das verraten. Und wie früher wachsen hier jetzt auch wieder Heil-, Duft-, Würz-, Färber- und Symbolpflanzen. Letztere, auch Marienpflanzen genannt, sind das Herzstück des „GottesGartens“. „Denn in den Klostergärten wurden sie nicht nur wegen der Heilkraft gezogen. Man hat mit ihnen besonders die Altäre geschmückt“, sagt Nusche. Kein Wunder, schließlich ist Maria die Schutzpatronin der Pflanzen.

In anderen Beeten versucht Nusche fast vergessene Getreide- und Gemüsesorten, wie Haferstroh, anzubauen. Zudem möchte sie Samen ernten und auf Pflanzenbörsen anbieten oder aus Heil­kräutern Salben herstellen.

Fester Bestandteil des Pilgerweges „Schola Dei“

Nicht immer war es leicht für Christiane Nusche, alle der rund 45 angepflanzten Kräuter und Stauden zu bekommen. Gerade alte Heilpflanzen sind nur bei Fachhändlern zu beziehen. Finanzielle Unterstützung gab es von St. Hubertus, dem  Gemeindetreff Burgcafé und einem Optiker.

Mit dem GottesGarten sind die spirituellen Attraktionen des Wohldenberges vervollständigt und Bestandteil des Pilgerwegs „Schola Dei“ rund um den Berg. Jeden Sonntag ist er, zusammen mit dem Burgcafé, geöffnet. Christiane Nusche ist dann vor Ort und gibt Auskunft über die einzelnen Pflanzen. Auch Kräuterkoch- und Heilmittelkurse will sie regelmäßig anbieten.

Ina Funk

 

Termine für Führungen und Kochkurse im Internet unter www.wohldenberg.de oder per Mail: chrnusche@gmx de.